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Als die Festung das Böllern lernte

Auf dem Königstein öffnet am 1. August eine neue Ausstellung zur Artillerie mit teils über 400 Jahre alten Geschützen. Die funktionieren heute noch.

Kurator Ingo Busse an der "Augustus", einer 24-pfündigen Halben Kartaune.
Kurator Ingo Busse an der "Augustus", einer 24-pfündigen Halben Kartaune. © Daniel Schäfer

"Augustus" ist ein richtiges Schwergewicht. Mehr als drei Tonnen bringt die bronzene Kanone auf die Waage. Etwa 20 Pferde waren nötig, um den Koloss vor knapp 350 Jahren auf dem Königstein in Gefechtsposition zu bringen. Einmal scharf, konnte "Augustus" seine Kugeln dann bis zu 2,5 Kilometer weit feuern. Das hätte gereicht, um den gegenüberliegenden Lilienstein zu treffen. 

Die imposante Kanone ist das Herzstück einer neuen Artillerie-Ausstellung auf der Festung Königstein, die ab dem 1. August zu sehen ist. Und zwar genau dort, wo früher Waffen und militärische Ausrüstungen lagerten - im Alten Zeughaus. Das wurde für die Schau mit Kanonen und Mörsern, Bombenwagen und Kugelpyramiden, Handfeuerwaffen und Zubehör bestückt. "Die Geschütze sind ein wahrer Schatz", sagt Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein. Gezeigt werden zum Teil mehr als 400 Jahre alte Militaria, die genau so lange schon zum Inventar der Festung gehören.

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Gefechtsbereit mit bis zu 150 Kanonen

Der Königstein wurde zwar nie von feindlichen Truppen eingenommen und galt deshalb als sicherster Ort in ganz Sachsen. Die Besatzung musste jedoch jederzeit auf mögliche Angriffe vorbereitet sein. Und das war sie. Bis zu 150 Kanonen standen einst auf der Festung parat, um den Feind abzuwehren. In Friedenszeiten weniger, in Kriegszeiten mehr. "Die sächsische Artillerie hatte im 18. Jahrhundert einen guten Ruf", sagt Kurator Ingo Busse. Die Technik sei damals sehr modern gewesen. Erst im 19. Jahrhundert sei Sachsen von den Preußen rüstungsmäßig überholt worden. Aus der Glanzzeit zeugt beispielsweise ein Geschwindgeschütz, das im 45-Grad-Winkel aufgestellt und sehr schnell abgefeuert werden konnte. 

Etwa zwei Kilometer Luftlinie vom Königstein entfernt: Kanonenkugeln konnte bis zum Lilienstein fliegen.
Etwa zwei Kilometer Luftlinie vom Königstein entfernt: Kanonenkugeln konnte bis zum Lilienstein fliegen. © Daniel Schäfer

Extra für die Festung wurde eine Kanone entwickelt, mit der sich die Soldaten auch aus der Nähe verteidigen konnten. Denn die exponierte Lage auf dem Felsplateau hatte nicht nur Vorteile. Wenn Angreifer einmal die Reichweite der Ferngeschosse unterwandert hatten, flogen die Kanonenkugeln über sie hinweg. Geschütze, die den Feind aus nächster Nähe am Fuße der Festung treffen konnten, gab es anfangs nicht. Für den Königstein wurde solch ein Geschütz angefertigt. Damit konnten die Soldaten vom Felsplateau nach unten zielen und Kanonenkugeln abfeuern. 

Vier Schüsse in zwei Minuten

"Die Geschütze, die wir in der Ausstellung zeigen, funktionieren auch heute noch", erklärt Militaria-Experte Ingo Busse. Ein gut eingespieltes Team könne in zwei Minuten bis zu vier Kanonenkugeln zünden. Wie das funktioniert, können sich Besucher in einem Kurzfilm ansehen, der extra für die Ausstellung gedreht wurde. 

Mörser und Kugelpyramiden sind Teil der neuen Ausstellung "Das Alte Zeughaus und die Artillerie der Festung Königstein", die am 1. August eröffnet wird.
Mörser und Kugelpyramiden sind Teil der neuen Ausstellung "Das Alte Zeughaus und die Artillerie der Festung Königstein", die am 1. August eröffnet wird. © Daniel Schäfer

"Wir können die Ausstellung trotz Corona-Situation pünktlich am 1. August eröffnen", sagt Festungs-Chefin Angelika Taube. Der Termin sei schon im vergangenen Jahr festgelegt worden. Bis zu letzten Minute werde noch gewerkelt, bevor die ersten Gäste hineingelassen werden. Die dürfen nicht nur eine neue Ausstellung sehen, sondern auch ein neues Altes Zeughaus. Denn das 1594 erbaute Gebäude wurde seit Februar saniert. Das war dringend nötig, wie Taube sagt. An der Westwand sorgte Feuchtigkeit für Probleme. Putz und Farbe bröckelten. Alles ist nun neu. Der historische Sandsteinfußboden wurde grundgereinigt, die Elektrik erneuert. Anfang Juni waren die Räume fertig und erste Großgeräte für die Ausstellung konnten einziehen. Einige der Waffen und Geschosse sind Leihgaben des Militärhistorischen Museums in Dresden. Die Festung arbeitete mit dem Museum der Bundeswehr bereits für die Ausstellung „Faszination Festung" zusammen, die im Juni eröffnet wurde. 

Einschränkungen wegen Corona

Dass es beim Alten Zeughaus erneut eine Kooperation mit dem Militärhistorischen Museum Dresden gibt, ist kein Zufall. Denn die neue Schau darin ist ein Ersatz. Das Alte Zeughaus diente bereits seit 1996 als Ausstellungsraum für historische Waffen und Militaria. "Die Schau war aber in die Jahre gekommen und teils verschlissen", sagt Taube. Die Erklärtexte gab es zudem nicht auf Englisch oder Tschechisch. Die neue Artillerie-Ausstellung ist nun nicht nur mehrsprachig, sondern auch multimedial aufgebaut. Für Kinder gibt es zudem museumspädagogische Angebote.  "Wegen der Corona-Situation sind zwar interaktive Stationen mit Touchscreens noch nicht erlaubt, aber dafür laufen Filme in Dauerschleife", wie Angelika Taube erklärt. 

Die Ausstellung „Das Alte Zeughaus und die Artillerie der Festung Königstein“ ist vom 1. August bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist im regulären Festungseintritt inklusive.

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