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Als die Klöster geplündert wurden

Mit einem Theaterstück wird in Rumburk an die Aktion „K“ erinnert. Mit dieser endete das Ordensleben im Nachbarland.

Schauspieler inszenieren die Plünderung des Rumburker Klosters bei der Aktion „K“.
Schauspieler inszenieren die Plünderung des Rumburker Klosters bei der Aktion „K“. © FysioArt

„Mitternacht im Grenzgebiet“ – das könnte der Titel für einen Sonntagabendkrimi sein. Doch das Theaterstück dieses Namens birgt jede Menge Realität. Es geht um jene brutale Aprilnacht im Jahr 1950 in der damaligen Tschechoslowakei. Bei der sogenannten Aktion „K“ (Akce K) wurden damals alle Klöster im Lande überfallen. Fast 2.400 Ordensbrüder wurden laut dem Amt für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus interniert und verfolgt. Gegen hochrangige Geistliche wurden Schauprozesse eingeleitet.

Es ist also kein Stück zum wohligen Gruseln, das am 22. September in Rumburk (Rumburg) Premiere hat. Die Künstler haben ihre Anregungen an einem Ort des einstigen Geschehens gefunden – im Kapuzienerkloster zum Heiligen Laurentius. Die Inszenierung greife „Schicksalsmomente im Leben der damaligen Bewohner auf“, so kündigen die Macher an.

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Das Rumburker Kloster war auf Einladung des Grafen von Pötting im 17. Jahrhundert von Kapuzinern gegründet worden. Die Aktion „K“ traf den Orden erst im Mai 1950 während der dritten Welle der Repressalien. Damals lebte dort nur noch ein Pater, Karel Ston (1893 bis 1965).

Im Sommer und Herbst 1950 wurden nachfolgend noch 670 Frauenorden mit rund 11.900 Schwestern aufgelöst. Die religiösen Gebäude und ihre Ausstattung wurden seitdem geplündert. Der Plan der damaligen Staatssicherheit (StB) führte zu einer gewaltsamen Liquidierung aller geistlicher Orden und Kongregationen in der Tschechoslowakei. Das emotional spannende Drama beschreibe Schicksale von Menschen verschiedener Konfessionen, Bildung und Abstammung, so heißt es.

„Die Premiere findet in der Lorettokapelle in Rumburk statt. Die Vorstellung ist Teil des ersten Tages der Via Sacra“, informiert Filip Novák, Mitglied der Künstlergruppierung FysioART und Schauspieler. Beim Via-Sacra-Tag öffnen 13 Stationen der grenzüberschreitenden Kulturroute. Dort werden besondere Aktionen angeboten. Ziel ist es, mehr Interesse für die sakralen Mitglieder im Netzwerk zu wecken. Auch mit so einem ernsten Thema wie der Aktion „K“.

Autorin des Stückes ist Hana Strejčková. Sie hat die Inszenierung mit einem großen Team von professionellen Künstlern unter der Trägerschaft von FysioART vorbereitet. Unterstützung gab es vom tschechischen Kulturministerium, dem Rumburger Rathaus und anderen Sponsoren. Für fachkundige Beratung des Projektes sorgte die lokale Historikerin Klára Mágrová. „Das Werk ist eine dunkle und geheimnisvolle Reise durch die Geschichte“, beschreibt Autorin Hana Strejčková.

„Die Inszenierung spielt genau an den Orten, wo die brutalen historischen Ereignisse in einem der letzten Klöster im deutsch-böhmischen Grenzgebiet tatsächlich abliefen“, sagt Hana Strejčková. Das Stückt zeige vor allem die spürbare Angst, die Hilflosigkeit und Hoffnung, die damals gestorben sei. Aus diesem Grund sei die Vorstellung für Kinder unter zehn Jahren nicht geeignet. 

Obwohl die Vorstellung bis auf ein paar Sätze in tschechischer Sprache läuft, werden auch deutsche Besucher den Inhalt ganz gut verstehen, so meint Schauspieler Filip Novák. „Die Worte sind nicht so wichtig“, meint er. „Außerdem haben wir ein Programmheft in deutscher Sprache“, sagt Novák. Musikalisch begleitet werde die Aufführung von Zithervirtuose Michal Müller, Absolvent des Wiener Konservatoriums. Laienschauspieler aus der Region ergänzen das Ensemble. Die Autorin möchte die Inszenierung später auch in anderen sakralen Gebäuden, wo man die Geschichte spüren kann, zeigen.

Premiere „Mitternacht im Grenzgebiet“ am 22. September, 17 und 19 Uhr. Reservierung von Eintrittskarten unter 00420 604555922, Dauer der Vorstellung 80 Minuten, Eintritt 50 Kronen; Öffnungszeiten im Loretto: April bis Oktober, Dienstag bis Sonnabend: 10 bis 17 Uhr

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