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Als in Kamenz noch Autos gebaut wurden

Ein Pionier der Branche war einst in der Stadt ansässig. Über sein Wirken und was daraus folgte, informiert ein neues Buch.

Der Kamenzer Fahrzeughersteller Horst Steudel mit einem seiner Automobile der Marke "Horst Steudel" 1907 in der Allgemeinen Automobilzeitung (AAZ). Zu sehen sein soll eine Internationale Prüfungsfahrt Wien-Klagenfurth-Wien.
Der Kamenzer Fahrzeughersteller Horst Steudel mit einem seiner Automobile der Marke "Horst Steudel" 1907 in der Allgemeinen Automobilzeitung (AAZ). Zu sehen sein soll eine Internationale Prüfungsfahrt Wien-Klagenfurth-Wien. © René Plaul

Kamenz.  Ganze 69 Jahre ist es her, dass Rolf Bräunig  mit seiner Lehre  im Kamenzer Motorenwerk startete. Werkzeugmacher und Maschinenschlosser  wollte er werden. Und das klappte. Noch heute erinnert er sich an die Anfänge. Ein ganzes Leben blieb er dem Kamenzer Motorenwerk treu. Sah Chefs kommen und gehen. Erlebte, wie das Unternehmen sich veränderte, wuchs, umziehen musste  und in Motorenwerk Cunewalde  umbenannt wurde. 1991 wurde es von der Treuhand abgewickelt. Rolf Bräunig durchlief viele Abteilungen, war zum Schluss in leitender Position. 

Seit seinem Eintritt in den Ruhestand beschäftigte sich der Gelenauer noch intensiver mit der Historie seiner ehemaligen Firma. Dass der heute 83-Jährige noch geistig aktiv ist, verdankt er sicherlich auch dem regen Interesse an seiner Umwelt. "Ich war schon immer historisch interessiert an allem, was mit der Metallbau- Branche zu tun hat", sagt er.

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Als er vor gut einem Jahr bei einem Vortrag des Kamenzer Geschichtsvereins  Professor Mathias Vogel von der TU Mittweida kennen lernte,  rückte das Thema noch einmal mehr in den Fokus. Dieser stellte seine Dokumentation "Horst Steudel - Leben und Werk eines Pioniers der Kraftfahrt aus Kamenz" vor. Bräunig war begeistert.

Der 83-jährige Rolf Bräunig aus Gelenau hat sich in den letzten Monaten intensiv mit der Geschichte der Kamenzer Metallbau-Branche beschäftigt. 1951 fing er selbst als Lehrling im Motorenwerk an.
Der 83-jährige Rolf Bräunig aus Gelenau hat sich in den letzten Monaten intensiv mit der Geschichte der Kamenzer Metallbau-Branche beschäftigt. 1951 fing er selbst als Lehrling im Motorenwerk an. © 2017 [email protected]

"Mein ehemaliger Kollege Erhard Rosenkranz, der leider verstorben ist, hatte vor Jahren ebenfalls die komplette Betriebsgeschichte des Motorenwerks aufgeschrieben. Auch ich habe viele Nachforschungen angestellt. Diese Unterlagen sind wertvoll  - nicht nur für uns ehemalige Mitarbeiter. Es gibt viele Fans der Branche", sagt er.

In der 128-seitigen Dokumentation von Mathias Vogel bekam das Motorenwerk zwar bereits einen würdigen Platz, aber  bei Weitem nicht so umfangreich, wie es möglich gewesen wäre. Die beiden Männer kamen überein: Wir geben eine Zweitausgabe heraus, schreiben Kapitel dazu und vervollständigen so die Recherche. Denn als er hörte, wie tief Vogel in der Thematik "Steudel"  steckte, wurde er hellhörig. "Das Motorenwerk ist aus seinem Unternehmen hervorgegangen. Die Werkstatt befand sich an der Pulsnitzer Straße", sagt Bräunig.

Heute wird auf dem Grundstück wieder gewerkelt. Die neuen Besitzer hauchen dem  uralten Bau Leben ein und möchten daraus eine Feier-Location gestalten.  

Die ehemalige Werkstatt der Automobilfabrik von Horst Steudel an der Pulsnitzer Straße sah noch bis vor Kurzem so aus. Nun haben die neuen Grundstückseigentümer neue Ideen für die Nutzung, wollen die historische Hülle aber erhalten.
Die ehemalige Werkstatt der Automobilfabrik von Horst Steudel an der Pulsnitzer Straße sah noch bis vor Kurzem so aus. Nun haben die neuen Grundstückseigentümer neue Ideen für die Nutzung, wollen die historische Hülle aber erhalten. © Archiv: Ralf Steudel

Der Name Steudel steht in der Region für echten Pioniergeist im Automobilbau und der Motoren-Entwicklung. Es war der erste Metallbetrieb der Stadt, gegründet 1895. In den Anfangsjahren wurden nur Fahrräder repariert, ab 1899 dann eigene Räder mit dem Namen "Saturn" angeboten. Daraus entwickelte sich eine Marke, die später sogar Automobile herstellte.  Bereits 1919 zog die Firma an die Auenstraße, wo bis zum Schluss Motoren produziert wurden. 

Hier schließt sich der Kreis. Alle Hintergründe von der Gründung bis zur Enteignung 1945, vom Neuanfang bis zur Entwicklung moderner Motoren wie des Typs H 65,  vom Robur Werk Zittau zum Motorenwerk Cunewalde, findet man in dem neuen  Buch "Horst Steudel - Von der Saturn-Fahrradfabrik zum Dieselmotorenwerk Kamenz".

 "Vor Kurzem jährte sich die Firmengründung zum  125. Mal. Eigentlich wollten wir es  bis dahin fertig haben, doch Corona verzögerte den Druck", sagt Bräunig. Vorerst gibt es 30 Exemplare. "Steudels Geschichte ringt mir Respekt ab. Er war erst 23 Jahre, als er seine Firma gründete. Er besaß Forschergeist und war seiner Zeit voraus", so Rolf Bräunig.  

Eine Diesel-Karre mit einem Motor Typ H 65 aus dem Motorenwerk Kamenz zur Maidemonstration 1951 in Kamenz.
Eine Diesel-Karre mit einem Motor Typ H 65 aus dem Motorenwerk Kamenz zur Maidemonstration 1951 in Kamenz. © Stadtarchiv

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