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Als die Weltgeschichte Großerkmannsdorf streifte

Mitten im Ort gibt es einen ganz besonderen Stein. Der erzählt von dramatischen Ereignissen. Jetzt bekam er eine Ergänzung.

Von Bernd Goldammer

Große Weltpolitik auf einem kleinen Stein –  in Großerkmannsdorf. Der sogenannte „Jahrhundertstein“ an der Ullersdorfer Straße erinnert seit nunmehr einhundert Jahren an die Schlachten bei Dresden und Leipzig im Zusammenhang mit der Völkerschlacht, die bekanntlich vor 200 Jahren bei Leipzig tobte. Wiederum einhundert Jahre später wurde am Sonnabend vom Heimatverein Großerkmannsdorf eine Metalltafel vor dem Stein angebracht, die helfen soll, zu verstehen. Und die vor allem weniger an Siege und Niederlagen erinnert, als an das Leid der Menschen.

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Am 30. November 1913 wurde der graue Steinquader in Großerkmannsdorf eingeweiht, um an die Geschehnisse von 1813 zu erinnern. Sieben Wochen vor der Völkerschlacht war Sachsen noch mit Napoleon verbündet. Großerkmannsdorf war Durchmarschgebiet. Vor Dresden hatten sich Napoleons Truppen aufgestellt, russische Kosaken, Preußen und Österreicher zogen immer wieder durch das Dorf. Dresden war Napoleons letzter Sieg auf deutschem Boden. Aber die Großerkmannsdorfer hatten immer zu leiden. Denn monatelang mussten sie den Bündnistruppen Frankreichs und auch den angreifenden Soldaten Quartier geben und sie ernähren. Die Einwohner waren kriegsmüde. Nach dem Gemetzel von Dresden waren zehntausende Tote zu beklagen. Chroniken bilden das gewaltsame Geschehen dieser Zeit ab. Fakt ist: Die Lebensrealität der Sachsen muss bitter gewesen sein. Sieben Wochen später drehte sich Napoleons Schicksal. Sachsens Militär nutzte seine letzte Chance und wechselte während der Völkerschlacht die Seiten. Napoleon war verloren. Damals schrieben Zeitungen von einer Jahrhundertschlacht. Die Geschichte lehrt, dass spätere Weltkriege noch viel größere Opferzahlen forderten. Der Großerkmannsdorfer Stein bringt auch den Patriotismus des Jahres 1913 wieder zum Vorschein. Ein Jahr nach der Einweihung des Steins begann der  Erste Weltkrieg und stellte alles, was sich Menschen bis dahin an Gewalt vorstellen konnten auf den Kopf. 32 Jahre später hatte Deutschland noch schlimmeres Leid ausgelöst. An all diese Zusammenhänge erinnerte Ilse Blochwitz vom Heimatverein am Sonnabend. Sie mahnt, die Ereignisse in ihrer Zeit zu betrachten und zu verstehen. Ursache und Wirkung müssen im Gedächtnis bleiben. Dabei soll nun auch die neue Tafel am Stein helfen.