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Als Freiwillige in den Libanon

Die Jänkendorferin Laura Kunzendorf geht nach dem Abitur für ein Jahr nach Beirut.Viele Leute reagieren darauf ungläubig.

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Von Annett Preuß

In den Libanon? Viele Menschen reagieren ungläubig, sobald sie von Laura Kunzendorfs Reiseplänen erfahren. Australien oder USA, ja. Auch das europäische Ausland sind gewohnte Ziele. Selbst China gilt kaum noch als Exot. Doch die 18-jährige Jänkendorferin zieht es in eine politisch immer wieder instabile Gegend, die ein Sammelbecken ethnischer und religiöser Vielfalt ist: nach Beirut. „Mich fasziniert nicht nur die arabische Kultur, auch die Lebensweise“, sagt sie. Nun möchte die Abiturientin selbst erfahren, ob ihr Wissen aus Büchern mit der Realität übereinstimmt, ob und wie Muslime und Christen friedlich miteinander leben. „Und ich möchte Arabisch können, wenn ich zurückkomme.“

Politikstudium im Visier

Mit Reiseplänen ins Ausland tragen sich viele Jugendliche, haben sie zwölf Jahre Schule hinter sich. Auch Laura sieht in dem Freiwilligendienst nichts Außergewöhnliches. Für sie wird das Jahr in erster Linie ein Findungs- und Lernprozess, sagt sie. In Beirut wird sie an der Fista-Riverside School mit geistig behinderten Kindern arbeiten. Beruflich geht ihr Blick in eine ganz andere Richtung: ein politisches Studium, zum Beispiel der Internationalen Beziehungen, schwebt ihr vor. Arabistik kann sich die junge Frau vorstellen, denkbar wäre später zum Beispiel eine Tätigkeit im Auswärtigen Amt oder als Journalistin. Abhängen wird das auch von den Erfahrungen, die sie ab September macht, sagt sie. „Für mich wird es auf alle Fälle spannend.“

Mit der Suche nach einem Platz hat sich die Jänkendorferin lange beschäftigt. Doch es ist gar nicht so einfach gewesen, etwas Passendes zu finden, erzählt sie. Anfangs war Marokko das Land ihrer Wahl. Der Libanon ist es schließlich geworden durch den Trägerverein des Freiwilligendienstes, die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“. Seit 1993 ist der Verein auf diesem Gebiet aktiv, angeregt durch einen ehemaligen Waldorfschüler. Er wollte den Ersatz für seinen Zivildienst an einer Schule in Südafrika leisten. „Seither haben mehr als 6000 Jugendliche in über 60 Ländern an einem Freiwilligendienst teilgenommen“, so Anja Vital vom Trägerverein.

„Weltwärts“ heißt das Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, über das Laura nun einen ganz neuen Teil der Erde, seine Menschen und ihre Kultur entdecken kann. Doch weltwärts zu reisen, braucht gute Vorbereitung. Zwei Tage war Laura bereits zu einem Einführungsseminar in Karlsruhe. Zurzeit eignet sie sich die Grundkenntnisse in Arabisch an – neben Klausurenstress und Abiturvorbereitung. Zehn Tage Seminar stehen noch bevor, ehe es nach den letzten Prüfungen losgeht Richtung Beirut. Sie ist glücklich, dass ihre Eltern jetzt voll hinter ihr stehen. „Am Anfang war das ganz, ganz schwer. Sie haben sich gewünscht, dass ich in Europa bleibe“, sagt sie. Doch sie hätte sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen lassen. Wenn alles klappt, wollen die Eltern sie besuchen kommen. Und sie helfen ihrer Tochter, wo sie können, auch bei der Suche nach Spendern.

Förderer sind willkommen

Jeder Freiwilligendienstler muss eine gewisse Geldsumme selbst aufbringen, weil trotz Unterstützung des Bundes nur ein Teil der Kosten gedeckt ist. Laura braucht mindestens 1800 Euro. Aus diesem sogenannten Freiwilligenfonds ergänzt der Träger unzureichende öffentliche Mittel und finanziert Taschengeld, Versicherung, Reise- und Betreuungskosten. Anja Vital: „Die Sozialdienststelle im Ausland kann aufgrund ihrer finanziellen Lage lediglich für Unterkunft und Verpflegung aufkommen.“ Laura Kunzendorf hat in den vergangenen Wochen viele Menschen angesprochen: Freunde und Bekannte der Familie, Firmen, auch Politiker. „Auch die Kirchengemeinde unterstützt mich.“ Jede Hilfe sei willkommen, sagt sie.

Laura wird eine von vier Freiwilligen sein, die die Arbeit der 80 Mitarbeiter der Schule mit 200 Kindern und Jugendlichen unterstützen. Telefonisch hat sie bereits Kontakt zu ihrer künftigen Chefin gehabt. Angst vor der Fremde hat die Jänkendorferin nicht. Deshalb verschwendet sie auch keinen Gedanken an eine vorzeitige Rückkehr. Eher steige die Spannung, je näher der Termin rückt. Dass sie mehr negative Reaktionen erntet als Positive, wundert sie zwar. Doch beirren lässt sich Laura Kunzendorf davon nicht: „Wenn man so einen Traum hat, ist egal, was andere sagen.“ Sie habe sich entschieden und ziehe das jetzt auch durch. „In jedem Fall lerne ich etwas.“

Konto für potenzielle Förderer:

Laura Kunzendorf, Sparkasse Oberlausitz-

Niederschlesien, BLZ 85050100, Konto 502033215, Verwendungszweck Spende

Freiwilligenfonds Laura Kunzendorf. Kontakt:

[email protected]

www.freunde-waldorf.de