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Als Hoyerswerda 1759 die Weltbühne betrat

Dank 261 Jahre alter Zeitungen ist der Hergang einer Schlacht im Siebenjährigen Krieg nachzuvollziehen.

Vehlastein Hoyerswerda – zu finden in der Straße am Lessinghaus.
Vehlastein Hoyerswerda – zu finden in der Straße am Lessinghaus. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Für Salomon Gottlob Frentzel beziehungsweise seine Chronik kam das Ereignis, das Hoyerswerda erstmals in die Schlagzeilen der Weltpresse brachte, zu spät. Sein „Historischer Schau-Platz oder Chronike und Beschreibung der königlichen und churfürstlichen Stadt und Herrschaft Hoyerswerda im Markgrafenthume Oberlausitz“ erschien 1744. Erst anderthalb Jahrzehnte später, Frentzel war 58 Jahre alt, sollte das eher unbedeutende Land-Städtchen ganz kurz so etwas wie europäische Bedeutung erlangen.

Man kann von dem Ereignis jetzt eine zeitgenössische Schilderung im Internet nachlesen. Die österreichische Akademie der Wissenschaften hat im Web historische Ausgaben der ältesten immer noch erscheinenden deutschsprachigen Zeitung veröffentlicht. Heute heißt sie „Wiener Zeitung“. Gegründet wurde sie im Jahr 1703 als „Wiennerisches Diarium“ und erschien dazumal zweimal in der Woche. Die Ausgabe vom 6. Oktober 1759 berichtete, was sie für die Tage zwischen dem 24. und dem 27. September aus dem kaiserlich-könglichen Hauptquartier Bautzen erfahren hatte. Gemeint war das Heer des römisch-deutschen Kaisers Franz Stephan I. von Lothringen. Es tobte der Siebenjährige Krieg.

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„Immitelst aber gienge die Nachricht ein, dass der Feind sich auch weiter, und zwar nach Hoyerswerda gezogen, die in der dortigen Gegend ausgestellte Vorposten des Generals von Vehla überfallen und aufgehoben, sohin gleich bemeldeten Generalen selbst umrungen und ganz unvermutet angegriffen habe. Man hat zwar von dem ganzen Hergange der Sache keinen förmlichen Bericht noch dato erhalten, nachdem ersagter General selbsten in die Kriegsgefangenschaft verfallen.“ Der Feind, das waren die Preußen – unter dem Befehl von Prinz Heinrich, dem Bruder von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.

Heute ist die Sache historisch ganz gut erforscht. Man weiß, dass Generalfeldwachtmeister Franz von Vehla sein Lager am Rand des Dubringer Moors aufgeschlagen hatte, nämlich zwischen Bröthen, Michalken und Dörgenhausen. Dort wurden die Kaiser-Truppen von den Preußen unter Heinrichs General Robert Scipio von Lenthulus überrascht, die ihnen schließlich den Rückzug abschnitten. Es gibt zur „Schlacht bei Hoyerswerda“ sogar einen Wikipedia-Eintrag. Daraus ist zu entnehmen, dass der Kaiser damals hier sein Ungarisches Infanteriekorps stehen hatte, und zwar unterstützt von – (der dazumal schon verstorbene) Krabat alias Janko Sajatovic lässt grüßen – kroatischen Regimentern.

Die Webdokumentation des „Wiennerischen Diariums“ listet für drei Ausgaben im September und Oktober 1759 die Erwähnung von Hoyerswerda immerhin sieben Mal auf.

Auch Lohsa ist erwähnt – zu Beginn dessen, was später die „Affaire bey Hoyerswerda“ genannt wurde: „Den 12. die Kaiserl. Königl. Armee sich nacher Losa in Marsch setzte, allwo auch das Hauptquartier aufgeschlagen wurde ...“ (siehe Repro).

Das Scharmützel von 1759 sollte in der lokalen Geschichte noch ein Nachspiel haben. Genau ein Jahrhundert später, Hoyerswerda war seit vier Jahrzehnten preußisch, brachte man zu Ehren der Heinrich’schen Truppen an einer Linde eine Gedenktafel an. 1912 kam sie an einen Gedenkstein. Es gibt ihn noch heute. „Am 25. Septbr. 1759 nahm hier Prinz Heinrich von Preußen den österreichischen General Vehla mit 1.800 Mann gefangen“, ist in der Straße am Lessinghaus zu lesen. Die Tafel ist freilich eine Nachbildung von 1993, weil das Original zu DDR-Zeiten entfernt worden war.

Der preußische Jubel von 1859 war historisch ein wenig hohl. Der Siebenjährige Krieg hatte Hunderttausende Tote gekostet, aber im Grunde nichts geändert. Der 1763 zwischen Preußen, Österreich und Sachsen geschlossene Friedensvertrag von Hubertusburg stellte im Prinzip den Vorkriegszustand wieder her. Friedrich der Große hatte freilich Preußen endgültig als Großmacht etabliert – auch militärisch. Das „Wiennerische Diarium“ meldete zur Festsetzung Vehlas etwas kleinlaut, er habe keine Chance gehabt, „nachdem der Feind ihme mit einer mehr denn sechsmal überlegenen Macht beygekommen ist.“

https://digitarium.acdh.oeaw.ac.at/

So konnte man’s im Wiennerischen Diarium“ vom 22. September 1759 lesen. Die roten Hervorhebungen sind allerdings ein Werk der Tageblatt-Redaktion.
So konnte man’s im Wiennerischen Diarium“ vom 22. September 1759 lesen. Die roten Hervorhebungen sind allerdings ein Werk der Tageblatt-Redaktion. © Repro: Tageblatt

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