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Als klar im Klärwerk

Ein Jahr nach dem Hochwasser sind die letzten Schäden im Klärwerk Masten behoben. Nur für ein Problem gibt es noch keine Lösung.

Von Jens Hoyer

Es riecht streng im Rechenhaus der Kläranlage Masten. Die Viertklässler aus Großbauchlitz rümpfen die Nase. In Feinrechen landet alles, was nicht in die Kläranlage soll. Dinge, die absichtlich oder unabsichtlich in der Kloschüssel heruntergespült wurden. Feste Fäkalien, Hygieneartikel, Schmuck, selbst Kuscheltiere, sagt Klärwärter Benjamin Stelle, der die Schüler gestern am „Tag der Umwelt“ durch das Klärwerk führte. Ein Jahr nach dem Hochwasser ist das technisch weitgehend wieder in Schuss. Stelle zeigt, wie hoch das Wasser stand. Die Mitarbeiter konnten im Gelände Boot fahren. „Wir hatten hier ein eigenes Venedig“, meint er.

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Einige Zeit ging das Döbelner Abwasser ungeklärt in die Mulde. Im September war das Klärwerk wieder so weit instand gesetzt, dass die gesetzlichen Ablaufwerte eingehalten wurden, sagte Frank Lessig, Leiter der Döbelner OEWA-Niederlassung. Das Unternehmen betreibt die Abwasseranlagen für den AZV Döbeln-Jahnatal. Allerdings wurde an einigen Stellen improvisiert. Die OEWA brauchte noch Monate um alle Schäden endgültig zu beheben. Kaputte Bauteile für Kläranlagen gibt es nicht im Baumarkt, meint Lessig. Der Feinrechen am Einlauf des Klärwerkes war beim Hochwasser kaputt gegangen, und in Deutschland gibt es nur wenige Firmen, die so ein Aggregat bauen können. Erst seit ein paar Monaten ist der neue Rechen in Betrieb.

Mit Benjamin Stelle stehen die Schüler auf der Brücke über den beiden großen Reaktoren des Klärwerks. Dort übernehmen Einzeller das endgültige Säubern des Wassers. Die Suppe in einem der riesigen Tanks beginnt zu wirbeln. Ein Gebläse hat leise seine Arbeit aufgenommen. Die Reaktoren selbst sind zu hoch, die konnte die Mulde nicht fluten. Aber die drei Gebläse standen im Wasser und mussten ausgewechselt werden. Allein das kostet rund 90 000 Euro, sagte Lessig. Die neuen Gebläse sind leiser und effizienter als die alten.

Für ein Problem hat der Wasserdienstleister bis heute keine Lösung: Beim Hochwasser war eine Menge Schlamm in das unterirdische Regenüberlaufbecken vor dem Klärwerk gespült worden. „Wir wissen noch nicht, wie wir den herausbekommen“, sagte Lessig. Der Schlamm ist mittlerweile hart geworden und verringert das Volumen des Beckens. Möglicherweise muss er mit der Schubkarre rausgebracht werden, so der Niederlassungsleiter.

Bei der OEWA macht man sich Gedanken, wie die Anlage besser vor der Überflutung zu schützen ist. Ein Planungsbüro erarbeite gerade Vorschläge, sagte Lessig. Eine Variante sei, um besonders gefährdete Anlagenteile mobilen Hochwasserwänden aufzustellen. Das sei kostengünstig. Beim Hochwasser 2013 hätte die Vorwarnzeit dafür ausgereicht. Die zweite Variante ist komplizierter. Der Schutzdeich an der Mulde müsste erhöht werden und gleichzeitig auch die Deiche und Wände an den anderen Seiten der Kläranlage „Der Deich an der Mulde gehört aber der Landestalsperrenverwaltung. Das ist eine Frage, die noch geklärt werden muss“, so Lessig. Das Wasser war im vergangenen Jahr auch von unten durch die Kanalschächte in die Kläranlage geströmt. Die Kanaldeckel sollen künftig so dicht sein, dass sie das Ausströmen des Wassers verhindern.

Auch drei Abwasserpumpwerke im Stadtgebiet waren beim Hochwasser ausgefallen. Am schlimmste hatte es das an der Reichensteinstraße erwischt. Auch dort will der Abwasserzweckverband Vorkehrungen treffen, dass künftige Überschwemmungen nicht mehr so viel Schaden anrichten.

Geöffnet war gestern auch das Wasserwerk in Gärtitz. Der Großteil des in Döbeln verbrauchten Wassers kommt von dort – und aus dem nahen Wasserwerk Klitzschbach. Letzteres will der Wasserverband Döbeln-Oschatz stilllegen lassen. Allerdings nicht die Brunnen. Das Wasser soll ins Gärtitzer Wasserwerk gepumpt und dort aufbereitet werden, sagte Lessig. Vorgesehen sei auch der Bau einer Anlage, um das Schwermetall Uran zu entfernen, das im „Klitzschbachwasser“ vermehrt auftritt. Bisher werden die Grenzwerte durch das Mischen mit dem Gärtitzer Wasser eingehalten.