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Als noch viele Mühlen an der Wesenitz klapperten

Bischofswerda. Der Hobbyforscher Werner Roscher sprach vorOrtschronisten über dieGeschichte von Mühlen entlang der Wesenitz.

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Von Verena Mann

Einst sollen es 72 Mühlen gewesen sein, die entlang der reichlich 83 Kilometer des Flusslaufes der Wesenitz von der Quelle am Valtenberg bei Neukirch bis zur Mündung in die Elbe bei Pirna-Copitz standen. Ihre Geschichte war ebenso wechselvoll, wie die Anzahl ihrer Müller. Werner Roscher ist Mühlenforscher aus Leidenschaft. Geboren und aufgewachsen ist der heute über 70-Jährige in Helmsdorf bei Stolpen. Rasch ist erzählt, wie er zu seinem Hobby kam. Sein bester Schulfreund war ein Mühlenbesitzer. Als der 1986 starb, begann Roscher die Geschichte der Kapper-Mühle, die seinem Freund gehörte, aufzuschreiben. „Das Interesse war geweckt. So kam eine Mühle zur anderen, und die Sache lies mich einfach nicht mehr los“, erinnert sich der gelernte Stahlgussformer, der seit 1974 in Bischofswerda zu Hause ist, an die Zeit des Beginns seiner Mühlenforscherei.

Über seine Leidenschaft sprach Werner Roscher jetzt in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität in Bischofswerda vor Mitgliedern der Kreisfachgruppe Ortschronik/Heimatgeschichte und zahlreichen Gästen. Im Mittelpunkt seines Vortrages standen die Wassermühlen, die es einst entlang des Flusslaufes der Wesenitz gab. Roscher, der im Dienste der Mühlenforschung schon an die 5- bis 6000 Kilometer auf Achse war, hat eine Menge wissenswerter Informationen zusammengetragen, die den heute Lebenden einen lebendigen Eindruck der Wirtschaftskraft geben, die einst von den durch Wasserkraft angetriebenen Handwerksbetrieben ausgingen. Lediglich zwei der über 70 an der Wesenitz vorhandenen Mühlen seien nicht gewerbsmäßig genutzt worden. Noch heute werde die Wasserkraft von drei Mühlen im Gebiet der Sächsischen Schweiz zur Stromerzeugung genutzt. Lediglich zwei Mühlen seien im Verlauf ihrer Geschichte nie gewerblich genutzt worden. Werner Roscher verweist darauf, dass bereits in den Unterlagen des sächsischen Landesvermessers und Markscheiders Matthias Öder gegen Ende des 16. Jahrhunderts allein für den Bischofswerdaer Raum von zehn bis zwölf Mühlen die Rede ist. Öder machte damals derartige Erhebung im Auftrag des sächsischen Kurfürsten und es entstanden dementsprechende Karten, in denen alle Gewerbe eingezeichnet waren. Diese Öderschen Untersuchungen und Aufzeichnung waren für die sächsische Steuereintreibung von nicht unerheblicher Bedeutung.

In seinem Vortrag konzentrierte sich Werner Roscher an diesem Nachmittag auf die Mühlen, die in Bischofswerda selbst und den später eingemeindeten Orten Belmsdorf, Weickersdorf, Goldbach und Großdrebnitz ihren Dienst getan haben. Neben den wirtschaftlichen Aspekten verwies der Referent auch darauf, wie beispielsweise Richard Wagner der Lochmühle im Liebethaler Grund in der Oper „Tannhäuser“ ein musikalisches Denkmal setzte. In ähnlicher Weise hätten die Elemente Wasser und Wind auch Andere zu literarischen Äußerungen inspiriert. Beispielsweise schrieb der Rammenauer Egon Bartholomay, er betrieb die Mühle im Niederdorf, in einem Gedicht über das Zusammenspiel der Naturkräfte. Dazu kommt, dass sich um so manche Mühle, die einst am Ufer der Wesenitz stand, auch Geschichten von habgierigen Müllern, schönen Müllerstöchtern und armen Müllersburschen, Geschichten von Kobolden, Wassermännern und Nixen ranken, die vom Klappern der Mühlräder in ihren Bann gezogen worden sein sollen.

Die SZ-Lokalredaktion wird in Zusammenarbeit mit Werner Roscher demnächst Mühlen-Geschichte(n) erzählen.