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Als Peter Bause in Löbau Hunger bekam

In der Johanniskirche gab er Einblicke in sein über 50-jähriges Schauspielerleben. Die SZ begleitete ihn vor dem Auftritt.

© Bernd Dreßler

Von Bernd Dreßler

Löbau. Ein schlanker älterer Herr im Anzug schlendert vom Hotel „Stadt Löbau“ zum Kulturzentrum Johanniskirche. Die rotblonden Haare sind nicht mehr so auffällig wie einst, dafür ist man schließlich 76. Peter Bause, der fernsehbekannte Schauspieler und Entertainer ist nach 38 Jahren wieder in der Stadt. Damals war er im Haus der NVA für ein literarisch-musikalisches Programm engagiert. Nun wird er gleich aus seinen Erinnerungen „Man stirbt doch nicht im letzten Akt“ lesen, die alle aus seiner Feder stammen. In der Garderobe hat er nur ganz wenige Utensilien ausgebreitet: die Krawatte, die er gleich umbinden wird und seine Umhängetasche, darin sein 2011 erschienenes Buch mit den amüsanten Rückblicken. Von Leipzig ist er gekommen, wo er diesen inzwischen vergriffenen Bestseller für den Blindenverband als Hörbuch einsprach. Das Auto ließ er am Hotel stehen. „Sonst lernt man die Stadt, in der man gastiert, überhaupt nicht kennen“, sagt er. Bei seinem letzten Löbau-Besuch sei dafür keine Zeit geblieben. Warum, das werde gleich das Publikum erfahren.

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Dieses Publikum wird an dem Abend überschaubar sein. Im für 170 Plätze ausgelegten Saal der Johanniskirche sitzen etwa 30 Zuhörer. „Sie haben sich einen Abend verdient, an den sie sich gern erinnern“, sagt Bause. Und hat damit nicht zu viel versprochen. Der als Lesung angekündigte Abend wird in vielen Passagen zum Einpersonen-Theaterstück, weil der Vollblutmime Bause etliche Anekdoten nicht liest, sondern darstellt. Wie er zum Beispiel Herwart Grosse am Deutschen Theater bei „Richard III.“ unter der Bühne kniend hinterher rutschte, um als geköpfter Herzog von Clarence aus einer Klappe wieder aufzutauchen, „vor mir das Hinterteil meines verehrten Kollegen in einer dicken, schlecht sitzenden Strumpfhose“. Oder wie Stefan Lisewski bei einem Gastspiel des Berliner Ensembles in Italien seine kärgliche Auslandswährung für ein Mahl ausgab, satt und zufrieden den Teller abstellte und sagte: „So, jetzt habe ich das neue Kleid für meine Frau verspeist.“

Gegen Ende des Abends gibt der Schauspieler sein lange zurückliegendes Löbau-Erlebnis zum Besten, das er zusammen mit Jazz-Experte Werner Sellhorn hatte: „In einem heißen Sommer fuhren wir nach Löbau zu Herrn Birnbaum, der uns gerne für seine Soldaten buchte.“ Gemeint ist Joachim Birnbaum, der heutige Messepark-Chef, damals Veranstaltungsleiter im Haus der Armee. „ Kurz vor Löbau verhungerten wir fast und steuerten eine Bäckerei an, in der wir vom Meister fröhlich begrüßt wurden: ,Na was wollt ihr denn hier, ihr beiden Süßen?‘ Süß sahen wir nun wahrlich nicht aus, an diesem heißen Tag nach einer Erdumrundung im Trabant, um von Berlin nach Löbau zu kommen, und mit der anderen Süße fühlten wir uns falsch angesprochen. Aus Gnatz kauften wir dem anderen Süßen Kuchen ab mit Puddingfüllung oder dem, was ein süßer Bäckermeister in der DDR darunter verstand.“ Aber diese süße Verführung hatte Folgen: „Während unserer Veranstaltung wurde uns so schlecht, dass ich meine Geschichten stark einkürzte und Werner die Musikbeispiele nur anspielte.“ Schweißüberströmt, so liest Peter Bause weiter, hätten er und Sellhorn das Programm vorzeitig beendet. „Und Herr Birnbaum wundert sich noch heute, warum alles so schnell vorbei war.“ Vor gut einem Jahr hatte Birnbaum den Versuch unternommen, Bause wieder nach Löbau zu holen, was mit Unterstützung eines SZ-Mitarbeiters gelang. In Peter Bauses Terminkalender existieren kaum Lücken. „Bis 2021 bin ich ausgebucht“, sagt er der SZ. Eine erneute konkrete Verabredung für ein Löbau-Gastspiel gibt es noch nicht. „Aber wir machen auf jeden Fall wieder etwas, dann aber etwas Größeres“, verrät Birnbaum.