merken
PLUS

Riesa

Als Schloss Promnitz zum Notquartier wurde

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten Vertriebene aus Schlesien im Schloss. Jetzt kommen sie zu Wort.

Marianne von Wolffersdorff (Mitte) lädt regelmäßig zu Gesprächsrunden mit Vertriebenen ein, hier Ende 2017.
Marianne von Wolffersdorff (Mitte) lädt regelmäßig zu Gesprächsrunden mit Vertriebenen ein, hier Ende 2017. © Sebastian Schultz

Promnitz. Wo heute Freiwillige und Kulturliebhaber um den Erhalt der historischen Schlossmauern kämpfen, fanden andere Menschen einst einen Neuanfang: Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen unzählige Vertriebene aus Schlesien in den heutigen Zeithainer Ortsteil Promnitz und lebten vorübergehend im Schloss direkt an der Elbe, das vor ihnen schon August der Starke während des berüchtigten Zeithainer Lustlagers besuchte.

Damit die Geschichten dieser Menschen nicht in Vergessenheit geraten, veranstaltet Marianne von Wolffersdorff bereits seit Jahren einen Gesprächskreis der 1945 aus ihrer schlesischen Heimat Vertriebenen, die später auf Schloss Promnitz einquartiert wurden.

Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

 Auch dieses Jahr will die Autorin und Schlossbesitzerin wieder mit den Vertriebenen und anderen Interessierten zusammenkommen, um noch mehr über deren Schicksale zu erfahren – und Fakten für ihre zweite Promnitz-Chronik zu sammeln, die 2020 erscheinen soll.

„Dieses Buch ist unter anderem den Dörfern Moritz und Promnitz und ihrer gemeinsamen Historie gewidmet“, verrät Marianne von Wolffersdorff. „Vor allem aber soll es die jüngere Geschichte von Schloss Promnitz vor und nach dem Zweiten Weltkrieg beinhalten.“ Ein erster Teil dieser Chronik erschien bereits 2017, darin arbeitet die Autorin die Geschichte des Schlosses bis zum Zweiten Weltkrieg auf.

Schloss Promnitz diente früher als Quartier.
Schloss Promnitz diente früher als Quartier. © Sebastian Schultz

Nun will Marianne von Wolffersdorff auch die Jahre nach 1945 genauer betrachten und unter anderem die Enteignung der letzten Besitzerfamilie näher beleuchten. Zudem sollen die aus Schlesien Vertriebenen ausführlich zu Wort kommen.

 „Aus vielen bisher gesammelten Gesprächen, Berichten und Briefen erfahren wir über die schweren Schicksale und ihre schwierigen und entbehrungsreichen Neuanfänge auf Schloss Promnitz“, verrät Marianne von Wolffersdorff über ihr neues Buch, das darüber hinaus die wiederkehrenden Elbe-Hochwasser und die tausendjährige Geschichte der Fähre und ihrer Fährmeister thematisiert.

„Das Unrecht der Vertreibungen darf nicht vergessen werden“, mahnt Autorin Marianne von Wolffersdorff. „Dieses Buch der Erinnerungskultur mit der Frage ‚Wie war das eigentlich damals?‘ soll nachfolgenden Generationen und interessierten Lesern einen Einblick in die ältere sowie jüngere Geschichte von Schloss und Dorf Promnitz geben.“

Damit das gelingt, bittet die Autorin nun um weitere Berichte, Notizen und Fotos von Betroffenen oder deren Nachfahren. Nur so könne ein möglichst umfassendes Bild der Nachkriegsgeschichte auf Schloss Promnitz erstellt werden. Und auch die Nachfahren könnten auf diese Weise noch etwas über das Leben ihrer Eltern oder Großeltern lernen.

Am Sonnabend, 11. Mai, findet ab 14 Uhr der 4. Gesprächskreis der 1945 aus Schlesien Vertriebenen, die später auf Schloss Promnitz einquartiert wurden, statt.

Am Sonntag, 12. Mai, gibt es ab 15 Uhr ein spezielles Cousinentreffen der Vertriebenen samt Schlossführung.