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Altar wird 350 Jahre alt

Aus diesem Anlass wird morgen ein Festgottesdienst gefeiert. Dabei gibt es Unterstützung vom Geschichts- und Heimatverein.

Von Tina Soltysiak

Lebensgroß prangt Jesus als Schmerzensmann in der Mitte des Altars in der Leisniger Sankt-Matthäi-Kirche. Morgen vor genau 350 Jahren ist der Altar geweiht worden. Um die Jesus-Plastik herum sind einzelne Szenen aus seinem Leben dargestellt sowie Erzählungen, die darauf Bezug nehmen. Zum Festgottesdienst, der morgen um 9.30 Uhr beginnt, wird Pfarrerin Katja Schulze auf die Historie eingehen. Vorab verrät sie: „Die Künstler Valentin Otte und Johannes Richter stellten damals die für Martin Luther wichtigste Glaubensaussage in den Mittelpunkt: Dass Jesus für unsere Schuld gelitten hat und für uns in den Tod gegangen ist.“

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Gemeinsam mit dem Geschichts- und Heimatverein sowie Kirchenmusikdirektor Holger Schmidt wird Katja Schulze, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Leisnig, den Gottesdienst ausgestalten. Abwechslungsreich soll er werden: mit Liedern, Bibeltexten und eben einem Ausflug in die Geschichte des evangelischen Altars. Die Kirche selbst ist noch vor der Reformation fertiggestellt worden. Doch während des Dreißigjähriges Krieges ist sie ausgebrannt, der vorhandene Altar wurde komplett zerstört. Der neue, und doch betagte, ist zehn Meter hoch und vier Meter breit. „Die Künstler hatten einige Jahre daran zu schaffen, ehe er am 6. April 1664 geweiht werden konnte“, erzählt Pfarrerin Katja Schulze. Der Altar ist aus Holz geschnitzt und bemalt.

Bibelszenen individuell auslegen

Gemeinsam mit den Besuchern des Festgottesdienstes will sie sich auf Spurensuche begeben „und einige Ausschnitte des Altars zu uns sprechen lassen“, so Katja Schulze. Da wäre zum Beispiel eine Szene der Geißelung: Jesus steht vor einer roten Säule mit einer leidenden Miene. Links von ihm steht ein Jude. „Dass die Juden Schuld am Tode Jesu wären, war eine ganz typische Auffassung der damaligen Zeit gewesen“, erzählt die Pfarrerin. Rechts von Jesus ist ein Soldat des Dreißigjährigen Krieges zu sehen. Er hat die Hand drohend zur Faust geballt.

Gleichzeitig sollen die Bibelszenen in die Gegenwart übersetzt werden. Jeder solle sich in Erinnerung rufen, wie er seine Mitmenschen in den vergangenen Tagen behandelt hat. „Habe ich sie auf irgendeine Art gegeißelt – mit Worten vielleicht, oder im Sinne des Wortes?“ Auf diese Fragen sollen die Gläubigen ihre ganz individuelle Antwort finden, wünscht sich Schulze.

Vielschichtige Altar-Gestaltung

In der gesamten Gestaltung des Altars steht das Leiden im Vordergrund. „Das passt auch gut zur Passionszeit“, sagt Pfarrerin Katja Schulze. Er vereint Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Sie sollen morgen näher beleuchtet werden. Mit dem Lesen der Textpassagen werden sich die Geschichts- und Heimfreunde abwechseln. Dann erfahren die Gläubigen, in welchem Bezug die Bibelszenen zueinanderstehen. „Vom Prinzip her könnte man über jede Einzelne stundenlang sprechen, so vielschichtig und interessant sind sie“, sagt Schulze. Doch dazu bleibt am Sonntag keine Zeit, das ist ihr bewusst.

Wenn sie von dem Altar spricht, leuchten ihre Augen und sie gerät regelrecht ins Schwärmen. Besonders freut sie der Umstand, dass der Jubiläumstag auf einen Sonntag fällt. Denn auch der 6. April 1664 ist ein Sonntag gewesen.

Der Festgottesdienst beginnt am Sonntag um 9.30 Uhr in der Sankt-Matthäi-Kirche Leisnig.