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Alte Glocken haben bald ausgedient

Noch in diesem Jahr bekommt die Purschwitzer Kirche ein neues Geläut. Schneller als gedacht und trotzdem ohne Hast.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Der Weg nach oben zur Glockenstube im Turm der Purschwitzer Kirche ist steil und schmal. Joachim Hantusch ist ihn schon unzählige Male gegangen. Der Blick aus den kleinen Fenstern in rund 25 Meter Höhe ist ihm seit Jahrzehnten vertraut. „Als Jungs haben wir hier oben Ausschau gehalten, um zu sehen, wann der Beerdigungszug aus Richtung Kubschütz herüberkam. Wenn er am Ortsausgang von Neupurschwitz zu sehen war, mussten wir anfangen zu läuten“, erinnert er sich. Damals wurden die Glocken noch mit Muskelkraft in Bewegung gesetzt, und Hantusch war einer der Läutejungen. Schon als Sechsjähriger hatte der spätere Bürgermeister von Purschwitz und Kubschütz 1949 interessiert mitverfolgt, wie drei neue Glocken mit Winden aus einem Steinbruch auf den Turm gezogen wurden.

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Was damals neu war, hängt heute rostig im Glockenstuhl – aber nicht mehr lange. Noch in diesem Jahr soll ein neuer Klang über Purschwitz zu hören sein. Dieser Tage geht der Auftrag über den Guss von drei Bronzeglocken an die Gießerei nach Lauchhammer, erzählt Matthias Witschas vom Glockenförderverein. Der hat sich Mitte 2012 gegründet und seitdem etwa 40 000 Euro Spenden gesammelt. Mit 5 000 Euro beteiligt sich auch die Bautzener Kreissparkasse. „Wir unterstützen vor allem solche Dinge, von denen viele Menschen etwas haben und für die sich auch viele einsetzen“, sagt Marketingchefin Brigitte Richter. Sie denkt an Spielplätze oder die Jugendarbeit bei der Feuerwehr. Aber auch für neue Kirchenglocken hat die Sparkasse schon mehrfach Geld gegeben, so nach Malschwitz und Neukirch.

In Purschwitz ist jetzt mit den Spenden, den bereits zuvor von der Kirchgemeinde gesammelten 50 000 Euro sowie einem von der Landeskirche zugesagten Zuschuss genug Geld zusammen, um den Glockenguss zu veranlassen – eher als gedacht. „Wir wollen aber noch etwa 20 000 Euro sammeln“, sagt Matthias Witschas. Denn auch der Glockenstuhl und die automatische Läuteanlage werden erneuert. Insgesamt wird mit Kosten von 120 000 bis 130 000 Euro gerechnet. „Die neuen Glocken hängen dann hoffentlich für die Ewigkeit hier oben“, wünscht sich Joachim Hantusch. Ihre in Apolda gegossenen Vorgänger sind trotz rostiger Oberfläche zwar noch funktionstüchtig. „Sie würden vielleicht auch noch zehn Jahre halten.“ Aber es könne auch jederzeit passieren, dass eine springt. Denn Glocken aus Eisenhartguss, wie sie vor gut 60 Jahren vielerorts aufgehängt wurden, um die im Krieg eingeschmolzenen zu ersetzen, haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Dagegen wird die Bronzene von 1919, die erhalten geblieben ist, zusammen mit den Neuen weiter läuten. Wie viele andere Kirchen hatte auch die Purschwitzer schon mehrfach ihre Glocken eingebüßt, nicht erst im Zweiten Weltkrieg. „Das neue wird unser fünftes Geläut sein“, sagt Matthias Witschas.

Wann genau es so weit ist, steht noch nicht fest. Angesichts der Erfahrungen anderer Kirchgemeinden, dass beim Guss auch mal etwas schief gehen kann, will man sich in Purschwitz nicht unter Druck setzen. So werden erst, wenn die neuen Glocken geprüft sind, die weiteren Schritte geplant. Das ursprüngliche Ziel 2016 ist ja nicht in Gefahr. Dann steht das Kirchweihjubiläum an, denn 1816 war die Kirche fertig, nachdem der Vorgängerbau 1813 in der Schlacht bei Bautzen abgebrannt war.

www.glocken-purschwitz.de