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Alte Liebe rostet nicht

Das kann man bei Friedrich Heer und seiner Jugendfreundin Marlies Reddel wörtlich nehmen. Sie trafen sich nach 60 Jahren in Ebersdorf wieder. Und hier hat Friedrich eine neue Liebe entdeckt. 

Alte Freundschaft: Siegfried und Erika Mühle, Friedrich Heer, Marlies Reddel und Rolf Zwanzig haben sich nach Jahrzehnten erstmals wiedergesehen.
Alte Freundschaft: Siegfried und Erika Mühle, Friedrich Heer, Marlies Reddel und Rolf Zwanzig haben sich nach Jahrzehnten erstmals wiedergesehen. © Rafael Sampedro

Darauf hat Friedrich Heer sechs Jahrzehnte gewartet. Jetzt sitzt seine Marlies wieder neben ihm. Im brandenburgischen Kossdorf hatten sie im Sommer 1958 als junge Leute Freundschaft geschlossen - und ja, ein bisschen Verliebtheit war auch dabei. Dann musste Friedrich zurück nach Herford in Nordrhein-Westfalen, wo er lebte. Danach trennte die innerdeutsche Grenze die zarte Freundschaft. Seitdem sahen sich Friedrich und Marlies nie wieder. Bis jetzt. 

Siegfried Mühle und seine Frau Erika aus Ebersdorf fungierten beim Treffen nach über 60 Jahren als "Kuppler". In ihrem Haus in Ebersdorf trafen sich Friedrich Heer, Marlies Reddel und ihr heutiger Lebensgefährte Rolf Zwanzig vor wenigen Tagen. Die Truppe, die sich da versammelt hat, wirkt so, als würde sie regelmäßig zum Kaffeekränzchen zusammensitzen: es wird vertraut geplaudert und viel gelacht. Jedenfalls scheinen die vielen Jahrzehnte der Trennung der Freundschaft keinen Abbruch getan zu haben. 

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Friedrich Heer - heute 82 Jahre alt - erzählt, wie er sich an den Sommer 1958 erinnert: Er war zu Besuch in Kossdorf, seiner ehemaligen Heimat. Von da war er nach dem Krieg 1949 mit seinen Eltern geflohen und in Nordrhein-Westfalen gelandet. In Kossdorf lebte aber noch ein Teil der Familie, zum Beispiel seine Cousine Erika - und auch deren Freundin Marlies. Beim Besuch in der alten Heimat lernte er sie kennen. Die beiden gingen zum Tanz, verbrachten viel Zeit miteinander und hatten ein paar schöne Sommerwochen gemeinsam. "Erika war auch immer dabei", erzählt Friedrich Heer. Und man hört deutlich, dass er gern auch mal mit Marlies alleine gewesen wäre. Cousine Erika lacht herzlich. "Ja,ja, ich habe schon gemerkt, dass du ein bisschen verliebt warst damals." 

Nach dem mehrwöchigen Besuch in Kossdorf trennten sich die Wege. Marlies blieb im Heimatdorf, Friedrich musste wieder gen Westen. Und auch Erika verließ später die Heimat und zog mit ihrem Mann Siegfried Mühle nach Löbau. Auch ihren Cousin Friedrich sah sie viele Jahre nicht. "Wir durften nur zu ganz besonderen Anlässen in die BRD zu Verwandten reisen", erzählt Erika Mühle. Und auch umgekehrt war ein Besuch in der DDR für Friedrich Heer nicht möglich. Er hatte in der Zwischenzeit eine Frau gefunden, war viele Jahre verheiratet, seine Ehefrau verstarb vor zwei Jahren.

Jugendfreundin Marlies hat er trotzdem nicht vergessen können und auch nach ihr gesucht - lange Zeit vergeblich. Schließlich setzte er sogar einen Freund auf die Suche an, der bei der Polizei gearbeitet hat. Und tatsächlich: irgendwann hielt er die Adresse seines Jugendschwarms in den Händen. "Vor zehn Jahren zu ihrem 70. Geburtstag habe ich ihr geschrieben", erzählt Friedrich Heer. Das war der erste Kontakt nach Jahrzehnten. Seitdem schrieben sich die alten Freunde regelmäßig. Ein Treffen gestaltete sich aufgrund der Entfernung aber schwierig.  

Und auch jetzt stand es auf der Kippe, ob es klappt. Friedrich hatte sich entschlossen, seine Cousine Erika zu besuchen, denn hier in der Oberlausitz war er noch nie. Und da reifte der Plan, dass doch auch seine Jugendfreundin Marlies nach Ebersdorf kommen könnte. Die heute 80-Jährige hatte nun aber kurz vor dem geplanten Treffen gesundheitliche Probleme bekommen. Bis zuletzt stand nicht fest, ob sie den Tagesausflug von ihrem heutigen Wohnort Bad Liebenwerda nach Ebersdorf antreten kann. Erst früh halb acht ging der erlösende Anruf in Ebersdorf ein: "Marlies kommt doch!"

Entsprechend groß war nun die Wiedersehensfreude. Obwohl Marlies Reddel gesteht: "Ich hätte ihn nicht erkannt. Wir haben uns ja alle verändert in der langen Zeit." Friedrich hat seine Marlies natürlich sofort erkannt, sagt er und lacht verschmitzt. "Die Marlies gefällt mir schon immer noch gut", gesteht er. Die Angesprochene lächelt verlegen. Und ihr Lebensgefährte Rolf Zwanzig legt den Arm um sie. Er nimmt's mit Humor. Auch er kennt Marlies noch von früher. "Wir waren Nachbarskinder." Ein Paar wurden sie vor 18 Jahren, nachdem beide verwitwet waren. 

Nun hoffen alle, dass sie sich nicht zum letzten Mal gesehen haben. Immerhin liegen 580 Kilometer zwischen ihnen und auch das Alter spiele ja bei so langen Reisen eine Rolle, sagt die Seniorentruppe. 

Für Friedrich Heer steht so oder so fest: er hat sein Herz ein zweites Mal verschenkt - an die Lausitz. Auf jeden Fall will er in seiner Heimat in Nordrhein-Westfalen nun Reklame machen für den malerischen östlichsten Zipfel Deutschlands. Mit seinen Gastgebern, den Mühles aus Ebersdorf, hat er unter anderem Görlitz erkundet, den Gusseisernen Turm auf dem Löbauer Berg besucht. "Ich hätte nie gedacht, dass es so schön hier ist. Das ist noch viel zu wenig bekannt in Deutschland." Ein Bekannter von ihm organisiert Busreisen. Ihm will er die Oberlausitz als Reiseziel nun schmackhaft machen. Vielleicht rollt ja schon bald ein Reisebus des befreundeten Unternehmers aus Nordrhein-Westfalen hier an.  

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