merken
PLUS

Alte Möbelfabrik wird aufpoliert

An der Heidenauer Straße verschwindet ein Schandfleck. Wo einst Möbel gefertigt wurden, entstehen über 40 Wohnungen.

Von Tobias Hoeflich

Bröckelnder Putz, zerschlagene Fensterscheiben, Graffiti-Schmierereien: Über Jahre bot sich Anwohnern und Passanten ein hässlicher Anblick, wenn sie an der Ecke Heidenauer/Sportplatzstraße entlangliefen. Doch das trostlose Bild gehört der Vergangenheit an: Seit Oktober 2013 ist die einstige Möbelfabrik eingerüstet, die Fassade zum Teil bereits erneuert. Auch im Inneren geht es voran. Bis zu 100 Bauarbeiter werkeln täglich in dem markanten Gebäude, das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Ihr Ziel: Noch im Sommer sollen hier die Umzugswagen anrücken.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Von der Ruine zum Wohnhaus: Im Juni soll die Sanierung an der Ecke Heidenauer/Sportplatzstraße fertig sein.
Von der Ruine zum Wohnhaus: Im Juni soll die Sanierung an der Ecke Heidenauer/Sportplatzstraße fertig sein.
Er hat alle Latten am Dach: Zimmermann René Müller verschraubt die Holzleisten hoch oben auf der einstigen Niedersedlitzer Möbelfabrik. Fotos: Sven Ellger (2)
Er hat alle Latten am Dach: Zimmermann René Müller verschraubt die Holzleisten hoch oben auf der einstigen Niedersedlitzer Möbelfabrik. Fotos: Sven Ellger (2)

Die Ventar Immobilien AG aus dem baden-württembergischen Böblingen investiert rund zehn Millionen Euro in Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten Hauses. Mit dem Baufortschritt ist Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Herrmann mehr als zufrieden. Der milde Winter hat Zwangspausen verhindert. „Das habe ich noch nicht erlebt, dass wir einmal durchbauen konnten“, sagt Herrmann. Dabei hat das Böblinger Unternehmen schon zahlreiche historische Häuser im gesamten Stadtgebiet aufgefrischt, darunter Gründerzeitbauten auf der Tharandter und Leipziger Straße. Die 4 000 Quadratmeter der einstigen Möbelfabrik, die sich künftig auf 43 Wohnungen aufteilen, haben aber eine größere Dimension. Herrmann schwärmt von den verschiedenen Baustilen der Fabrik, von Gesimsen und Pilastern. Die sollen freilich alle bestmöglich erhalten und in das künftige Wohnhaus integriert werden. Die Nachfrage nach der einstigen Fabrik ist enorm. „Eine solche Resonanz hatten wir noch nie auf eines unserer Objekte“, verkündet Herrmann. Was kaum verwundert – bei der Lage des Ziegelbaus direkt am Stadtrand mit einer großen Grünfläche, die an das Grundstück angrenzt. Dennoch sind es zum Niedersedlitzer Bahnhof nur wenige Minuten, von dem die Anwohner schnell ins Zentrum gelangen. „Schon als wir die Sanierung vor zwei Jahren ankündigten, erhielten wir die ersten Anfragen“, erinnert sich Herrmann. Neben Auswärtigen zählten auch Einheimische zu den Käufern der bis zu 120 Quadratmeter großen Wohnungen.

Für die Ventar, die sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert hat, ist Dresden ein geeignetes Pflaster. Hier gibt es noch viele geschichtsträchtige Bauwerke im Dornröschenschlaf. Uwe Herrmann lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Stadt. „Man kann mit den Ämtern natürlich nicht in rauem Ton wie auf der Baustelle agieren“, sagt er. Bei Restaurierungen müssten beide Seiten, Denkmalschützer wie Investoren, aufeinander zugehen, zu Kompromissen bereit sein. In Dresden klappe das sehr gut, so die Erfahrung des Unternehmens.

Einer noch größeren Industrie-Ruine könnte bald ebenfalls eine Sanierung bevorstehen. Ein großes Banner der Ventar prangt an der ehemaligen Malzfabrik auf der Straße des 17. Juni. Was genau damit geschehen könnte, dazu will sich Uwe Herrmann vorerst nicht äußern.