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Alte Schienentechnik im Kleinformat

Die Gartenbahnfreunde haben zur Besichtigung ihrer Schätze eingeladen. Die Liebe zum Detail fand neue Freunde.

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Von Benjamin Schuke

Es schnauft an den sieben Gleisstrecken. Gemächlich zieht die K4-Dampflok ihre Kreise. Sechs Kohlewaggons hat sie im Schlepptau. Ein gekonnter Handgriff öffnet den Schrägbodenentlader und die Koksstücke aus Kunststoff rieseln in eine Dachrinne. Kinderaugen starren auf die 16 Meter lange Schienenanlage. Der Jahnataler Garteneisenbahner Torsten Pfundt ist in seinem Element. Das Ostrauer Vereinshaus war am Wochenende voller Menschen. Die Gartenbahnfreunde organisierten die dritte Miniaturbahn-Ausstellung.

Alte Reichsbahnzüge, Schmalspurlokomotiven, ein Schienenbus und ein Feuerwehrbarkas waren zu sehen. Nachempfundene Landschaften, Tunnel und Häuser lenkten die Blicke der Besucher auf die Modellanlage. Figuren einer Damengesellschaft in statusbewusster Pose samt Hüten schienen auf Parkbänken zu schwatzen. Am verkleinerten Ostrauer Gasthof „Wilder Mann“ drängten sich Cafébesucher. Aus einer Nachfüllanlage für Dampfloks stieg sanfter Rauch auf. „Das ist ein Destillat, das wie Lampenöl verbrannt wird“, sagte Torsten Pfundt.

„Die Treue zu Detail und Maßstab ist unser Ziel.“ Deshalb ist auch das Kesselgeräusch der sächsischen Dampfloks täuschend echt nachempfunden. Seit 2006 interessiert sich der 52-Jährige für Garten-Modellbahnen. Er kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde. „Ich hatte für ein Fest Kollegen beauftragt, eine Gartenspielbahn für die Kinder zu besorgen. Was sie brachten, hat mich dann so begeistert, dass ich meine alte Modellbahn eingetütet habe und nun an dieser Größe hängengeblieben bin.“ Inzwischen hat er seinen Gartenbaubetrieb um den Verkauf von Gartenbahnen ergänzt. „Aus der Sache ist Liebe geworden“, sagt der Stauchitzer. Während sein Daumen konzentriert auf der blauen Funkfernbedienung liegt, wird er etwas unruhig. Immer mehr Besucher drücken sich durch die Tür. Unter ihnen viele jüngere. „Kinder wollen ihre Welt mit Händen erkunden“, sagt er. Da müsse man achtsam sein. „Wenn hier ein 500-Euro-Schein vorbeifährt, wird man etwas unruhig.“

Etwas oberhalb dieser Preislage liegen auch die Modellbausätze von René Kühnert, der Loks und Waggons im Garten-Maßstab zum Kauf anbot. Der Burgstädter baut sie seit fünf Jahren selbst. Zwei schwere Faur L45H-Loks, einen Klappdeckelwagen, Personen- und Güterwaggons hatte er ausgestellt. „Ich interessiere mich für Technik und für Geschichte“, sagte er. Durch sein Interesse für die Minizüge hatte er bemerkt, dass bestimmte Typen nicht im Handel angeboten werden. „Deshalb baue ich die sächsischen Schmalspurbahnen nun selbst nach und verkaufe sie über das Internet.“

Torsten Pfundt kontrolliert derweil das Getriebegestänge der Dampflok. Waggonladungen voller kettengesicherter Baumstämme rollen unter dem Gasthof in den Tunnel. „Nach all der Arbeit haben wir heute Spaß mit den Leuten“, sagte er.

Besucher Rudolf Lantzsch aus Döbeln kam mit Familie zum Gartenbahntag. „Das haben sie ganz großartig gemacht“, sagte der 53-Jährige. Er besitzt selbst eine H0-Modelleisenbahn und schaute vor dem Wochenendausflug ins Elbtal noch in Ostrau vorbei. Auch Hans-Peter Pausch aus Pulsitz freute sich über die Ausstellung. „Schön, dass die Aussteller von hier kommen“, sagte er.