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Alte Schule in Lenz kommt weg

Der Abriss des 1859 errichteten Gebäudes ist endgültig besiegelt. In ein paar Wochen sollen bereits die Bagger anrücken.

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Von Catharina Karlshaus

Punkt 19.10 Uhr hatte er seinen großen Auftritt. Der Mann, auf den der Priestewitzer Gemeinderat um Bürgermeisterin Susann Frentzen (parteilos) am Mittwochabend zur Herstellung der Beschlussfähigkeit so dringend gewartet hatte. Andreas Oelmann (Freie Bürgergemeinschaft), der entscheidende Neunte von eigentlich insgesamt 16 Räten, sorgte schließlich dafür, dass für wichtige Projekte im Ortsteil Lenz die Weichen gestellt werden können.

Im Fall der alten Schule auf der Dresdner Straße 16 etwa war es letztlich aber nur noch ein geräuschloser Schlussakkord. Nachdem die Räte bereits in ihrer Beratung im Dezember sechs infrage kommende Fachfirmen für den Abriss des 1859 erbauten Gebäudes ausgewählt hatten, entschieden sie sich vorgestern Abend für das Unternehmen Bothur. Punkten konnten die Großenhainer beim Submissionstermin am 3. Februar sowohl mit ihrer Erfahrung auf diesem Gebiet und natürlich – wie immer in derlei Fällen – mit dem wirtschaftlichsten Angebot. Neben dem Abriss des Schul- und Nebengebäudes wird Bothur auch den Rückbau sowie die Gestaltung der vorhandenen Einfriedung nebst Geländeauffüllung und Raseneinsaat vornehmen. „Wann es genau los geht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Aber es wird nun nicht mehr lange dauern“, erklärte Susann Frentzen.

Die Verwaltungschefin war es auch, die in den vergangenen Monaten immer wieder die Entscheidung des Gemeinderates für einen Abriss konsequent vertreten hatte. Ein Problem um den Fortbestand des ortsbildprägenden Gebäudes, das sie gewissermaßen von ihrem Amtsvorgänger Ernst Georg Rendke (CDU) übernommen hatte. Nachdem Gebäudesachverständige eingeschätzt hatten, dass eine Sanierung zwischen 450 000 und 700 000 Euro kosten würde, hatte der damalige Priestewitzer Bürgermeister bereits auch schon für einen Abriss plädiert. „So einfach wollten wir es uns nicht machen, und haben eine Arbeitsgruppe aus interessierten Bürgern, Mitgliedern der Verwaltung und des Gemeinderates gegründet“, erinnerte Susann Frentzen im Rahmen einer Ortsbegehung im vergangenen August.

Noch einmal waren die Lenzer an jenem Sommerabend zusammengekommen und hatten die Gelegenheit genutzt, um ihrem Ärger wortreich Luft zu machen. Ende 2011 hatte immerhin eine Initiativgruppe unter der Einwohnerschaft 140 Unterschriften für den Erhalt der Schule gesammelt. Das Schicksal des Hauses bewegte die Gemüter. „Zudem haben wir einen Vorschlag eines Dresdner Architektenbüros beigefügt, das eine Sanierung mit 450 000 Euro veranschlagt hat“, gab Arndt Geißler damals zu bedenken. Vorgestern Abend enthielt sich der Gemeinderat dann der Stimme, als es um die Vergabe des Auftrages an die Abrissfirma ging.

Denn letztlich schien dieser dann auch der Arbeitsgruppe unvermeidlich. Auch sie war, so Susann Frentzen, zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung des maroden Hauses nicht finanzierbar ist. Wirtschaftlich günstiger sei es, die Feuerwehrleute, die in einem selbst von ihnen ausgebauten Raum untergebracht sind, vorübergehend zu Schulungszwecken in der jetzigen Grundschule unterzubringen. Auch ein Dorfgemeinschaftshaus – für das es gegenwärtig ohnehin gar keine Fördermittel mehr gebe – rechne sich nicht.

Einziger Ausweg für das marode Haus: der Erwerb durch einen Käufer zum Verkehrswert von 20 000 Euro. Einen Interessenten gab es jedoch nicht.