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Alte Schusterei gibt kleine Geheimnisse preis

Gisela Hesse wohnte als Kind im Haus 12 an der Kirchstraße. Als die Dresdnerin einen Artikel darüber in der SZ liest, macht sie sich auf den Weg.

Von Ina Förster

Als Gisela Hesse im September den Artikel über die alte Schusterei an der Kirchstraße und ihre neuen, fleißigen Besitzer in der Sächsischen Zeitung las, bekam sie Sehnsucht. „Ich malte mir aus, wie es wäre, nach 52 Jahren noch einmal dieses Haus betreten zu dürfen“, sagt die frühere Bewohnerin. Kurzentschlossen schrieb sie einen Brief an Familie Scholze, die das alte Gebäude in den letzten Jahren liebevoll saniert und umgestaltet, aber dabei auch viel Altes erhalten hat. Carola Scholze freute sich über das Interesse der Dresdnerin. Und nahm Kontakt mit ihr auf. Gisela Hesse suchte im Vorgang in alten Fotoalben Bilder vom Haus und verfasste auch eine kleine Übersicht, was ihr noch alles in Erinnerung war. Kürzlich fand nun das Treffen in Kamenz statt. Die Begrüßung war herzlich. Endlich sah die Seniorin ihr altes Zuhause wieder. „Der erste Weg führte uns in den neu gestalteten Hof. In meiner Fantasie konnte ich mir den Innenhof vorstellen, wie er 2002 schon als „Schönster Innenhof“ zur Entente Florale ausgezeichnet wurde. Momentan waren ja gerade die Dachdecker am Werke, denkmalgerecht das Dach mit Biberschwänzen zu decken, deshalb musste er als Materiallager herhalten“, erzählt sie.

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Vor allem das vornehme Eingangsportal war ihr auch noch in guter Erinnerung. „Beim Eintritt in die Diele sagte Hausherr Marco Scholze noch geheimnisvoll zu mir, dass er eine Überraschung für mich hätte. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen“, gibt die Besucherin zu. Aber vorerst musste sie sich mit einem Rundgang durchs Haus begnügen. Gisela Hesse war überwältigt, was für ein Fleiß, Energie und Kraft diese Haus von der Familie abverlangte. An der gedeckten Kaffeetafel gab es später dann noch einige Anekdoten zu erzählen. Zum Beispiel diese: Die Kirchstraße 12 hatte bis zum Ende der 50er Jahre noch Gleichstrom. Nebenan auf der Rosa-Luxemburg-Straße wurde schon Wechselstrom verwendet. Als sich Gisela Hesses Eltern 1960 endlich für eine Waschmaschine entschieden, war guter Rat teuer – die „WM 60“ lief nur mit Wechselstrom! Der Vater behalf sich mit einem langen Kabel, das vom Nebengebäude der Rosa-Luxemburg-Straße über die große Mauer in den Hof und in den Waschkeller geführt wurde. Und so ging die Waschmaschine in Betrieb. „Ich hielt es aber mittlerweile nicht mehr vor Neugierde aus und wollte wissen, welche Überraschung auf mich wartete.“ Marco Scholze machte ein verschmitztes Gesicht und erzählt, dass er bei der Rekonstruktion des Eingangsportals auf eine hohle Zwischenwand gestoßen sei. „Nach dem Öffnen der Wand fand er einen an mich adressierten Brief mit Datum vom 22. Juli 1959! Dieser war von einer Freundin, von der ich nie mehr etwas gehört hatte. Nun weiß ich auch, warum.“ Ein weiterer Brief, datiert auf den 7. Dezember 1959 war von Bekannten an meine Eltern gerichtet. Diese Freundschaft blieb allerdings trotz des verlorenen gegangenen Briefes erhalten.

Nun hofft Marco Scholze, noch weitere „Schätze“ in dem Haus zu finden. Zwei alte Schuhe, vielleicht aus den 40er Jahren, waren schon dabei. „Ich wünsche der Familie jedenfalls weiterhin viel Kraft und Mut, ihre Vorhaben zu Ende zu bringen. Viel Arbeit steht noch aus, ihre tollen Ideen jedoch sind lange nicht erschöpft und so wünsche ich beiden, dass sie diese Arbeit mit viel Freude und bei bester Gesundheit, leisten können“, sagt die Dresdnerin.