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Alte Schweineställe abgerissen

Das Areal an der Dölzschener Straße an der Grenze von Freital zu Dresden wird Stadtwald – allerdings erst nächstes Jahr.

Von Lars Kühl

Eigentlich wollten Bernd Richter und Holger Heiser jetzt in einem Wald stehen. Stattdessen erklimmen sie einen Berg aus Schutt. Die beiden Mitarbeiter des Dresdner Umweltamtes sind Experten für Brachflächen. „Wir wollen blühende Landschaften erzeugen“, sagt Heiser. Das ist auch bei der ehemaligen Schweinemastanlage an der Ecke Dölzschener Straße/Jochhöh nicht anders. Im September sollte die Aufforstung des Areals an der Stadtgrenze zu Dresden beginnen. Doch noch türmen sich nur Schutt und Geröll auf. 12 500 Kubikmeter Gestein.

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Es sind die Reste der 22 Schweineställe, der dazugehörigen Flachbauten und der Verbindungsstraßen auf dem Gelände. Seit Anfang der 1990er-Jahre verfielen die immer mehr, weil sie nicht mehr genutzt wurden. Die Asbestwände der Ställe und verseuchtes Bodenmaterial sind bereits abtransportiert. Mit dem Abriss der Mastanlage wurde der Hauptteil der Vereinbarung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr erfüllt. Das 3,8 Hektar große Areal anschließend aufzuforsten, ist der zweite Part der Ausgleichsvorhaben für den Bau der Autobahn 17 zwischen den Anschlussstellen Gorbitz und Südvorstadt.

Eigentlich gehört das Gelände seit 2005 dem Naturschutzbund (Nabu). Doch die Stadt Dresden hat den Auftrag anstelle des Vereins übernommen. 500 000 Euro stellt der Freistaat dafür zur Verfügung, davon über 400 000 Euro für den Abbruch. Der ist geschafft, die für dieses Jahr geplante Aufforstung wird allerdings nicht mehr umgesetzt. „Dabei war das eigentlich unser Ziel“, sagt Richter. „Aber es war nicht zu schaffen.“ Nun soll die Bepflanzung im März beginnen. „Es sei denn, der Winter macht das unmöglich“, schränkt Heiser ein.

Entstehen sollen vier bis sechs Bauminseln, die dann frei gedeihen können. Auf den Flächen dazwischen soll sich die Natur, zum Beispiel durch die heranfliegenden Samen des benachbarten Bergahorns, frei entfalten. Mit den Inseln sollen die Pflanzen zu einem geschlossenen Wald zusammenwachsen. Die Ausschreibung für die Aufforstung wird in den nächsten Monaten erfolgen. Geplant sind vor allem Eichen und Hainbuchen. „Der Boden ist sehr hochwertig und hervorragend dafür geeignet“, sagt Richter. In den ersten fünf Jahren sind die Bauminseln mit dünnem Maschendraht eingezäunt. „Hauptsächlich gegen Wildverbiss“, wie Richter erklärt. So lange läuft das Projekt, danach ist der Nabu wieder allein verantwortlich.

Der Schuttberg wird in den kommenden Jahren noch komplett entsorgt. Nach und nach wird das Material weggeschafft. Es soll zum Verfüllen von Baugruben in Dresden eingesetzt werden.

Später könnte der Wald ein mögliches Erholungsgebiet für Anwohner und Spaziergänger sein, allerdings keine parkähnliche Anlage mit Bänken und Ruheplätzen. Heiser kann sich auch vorstellen, dass Pfade angelegt und an das Wanderwegenetz angeschlossen werden. Bis dahin werden sich Richter und Heiser noch Woche für Woche über neue Müllberge auf dem Gelände ärgern. Obwohl strengstens verboten, schmeißen Kleingärtner, Unverbesserliche und selbst Firmen ihren Unrat einfach über den Zaun. Grünschnitt, Farbeimer oder Teppichreste in Größenordnungen finden sie bei jeder Begehung. Die Arbeiter vor Ort räumen den Müll jedes Mal in bereitstehende Container. „Wenn wir das nicht machen, wird es immer mehr“, sagt Richter.

Froh sind die Stadtmitarbeiter dagegen, dass die Geocacher inzwischen vom Gelände verschwunden sind. Bei ihrer Schnitzeljagd nach GPS-Koordinaten war die Schweinemastanlage in den vergangenen Jahren ein beliebtes Ziel. Einige Verstecke befanden sich in den alten Ställen, erzählt Heiser. Dabei sei es äußerst gefährlich gewesen, in die einsturzgefährdeten Bauten mit den vielen unterirdischen Hohlräumen und Güllekanälen einzusteigen. Deshalb steht heute noch auf dem Schild am Eingangstor „Betreten und Geocaching verboten“. Heiser erinnert sich außerdem an einen älteren Mann, der sich in einem Gebäude Platten so hingestellt hatte, dass er darin ungestört Tennis spielen konnte – gegen sich selbst.

Ein großes Problem bleibt aber – neben dem Müll – bis heute: Dieseldiebe zapfen den Kraftstoff immer wieder von den Baumaschinen ab. Bereits sechsmal schlugen sie zu, wie Heiser vorrechnet. Weil die Tanks inzwischen doppelt gesichert seien, würden die Täter ihre Wut dann an den Fahrzeugen auslassen.