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Alte Stadtmitte zurückgewonnen

Das kleine Großenhain hat sich gegen Städte wie München, Darmstadt und Berlin durchgesetzt. Bei der Verleihung des diesjährigen Deutschen Städtebaupreises konnten die Großenhainer den zweiten Preis in Empfang nehmen.

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Von Birgit Ulbricht

Eigentlich wollte Stadtbaudirektor Tilo Hönicke gar nicht nach Darmstadt fahren. Unter 105 Städten, die sich mit ihren originellsten städtebaulichen Konzepten um den renommierten Architektur-Preis beworben hatten, landete die Stadt immerhin unter den besten zwölf. Fünf waren schließlich nach den Vorortterminen der Fachjury noch im Rennen: München, Leinefelde im Eichsfeld, Darmstadt, Berlin und Großenhain. „Wir haben nie erwartet so weit zu kommen. Für die Endrunde haben wir uns ehrlich gesagt keine Hoffnungen mehr gemacht“, gibt Hönicke gern zu. Neben den klangvollen Namen der Großstädte schien es kein Bestehen zu geben. Wozu also ein ganzes Wochenende nach Darmstadt reisen? Aber die Juroren bestanden auf der Teilnahme. Am Ende kamen die beiden Kleinen ganz groß heraus. Großenhain erhielt für sein Landesgartenschau-Konzept „Röderaue mit Kulturschloss“ den zweiten Preis und damit die besondere Anerkennung beim diesjährigen Deutschen Städtebaupreis. Sieger wurde Leinefelde mit einer Umsetzung des „Stadtumbau Ost“. Architekt Jörg Springer und Landschaftsarchitekt Jürgen Weidinger zeigten sich von dieser Auszeichnung genauso überrascht, wie die Stadtväter selbst. „Das ist bemerkenswert für solch ein Gartenschau-Projekt“, sagt Jörg Springer. Darüber habe er sich sehr gefreut und sei ebenso verwundert gewesen. Nur durch die Landesgartenschau sei es überhaupt möglich gewesen, in so kurzer Zeit ein zusammenhängendes, schlüssiges Projekt umzusetzen. Offenbar sind Architekten zunehmend auf solche „Events“ angewiesen, um eine durchgängige Gestaltung zu entwickeln. „Ganz wichtig war aber, dass uns die Stadt hat machen lassen“, betont der Berliner Architekt. Und erinnert zugleich an den Mann, der das Potenzial Röderaue von Anfang an gesehen hat: Matthias Schmieder.

Bemerkenswert fand die Jury um Professor Braum, dass Großenhain in so kurzer Zeit ein so großes und zentrales Areal bestehend aus ehemaliger Industriefläche, Auenlandschaft, Bad und früherer Ruine als Stadtmitte für die Bürger zurückgewonnen hat. Damit ist es gelungen, die schön sanierte Altstadt landschaftlich mit einem historischen Gründungsort und den wichtigsten Wohngebieten zu verbinden. Zugleich hat die Stadt einen neuen kulturellen Mittelpunkt geschaffen. Die Juroren würdigten das Konzept deshalb als innovativen Beitrag für eine städtebauliche Strategie zur Gestaltung der schrumpfenden Städte. AUF EIN WORT