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Alte Steine kommen zu neuen Ehren

Christoph Frenzel hat die Geometrie der Fassade der Dresdner Frauenkirche verinnerlicht. Das erleichterte es dem 46-jährigen Ipro-Architekten und seinem kleinen Team, die alten Steine aus dem Trümmerberg authentisch zuzuordnen.

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Von Bettina Klemm

Christoph Frenzel hat die Geometrie der Fassade der Dresdner Frauenkirche verinnerlicht. Das erleichterte es dem 46-jährigen Ipro-Architekten und seinem kleinen Team, die alten Steine aus dem Trümmerberg authentisch zuzuordnen.

8 425 Steinfunde geborgen

Bei der archäologischen Enttrümmerung 1993/94 wurden 8 425 Steinfunde geborgen, erfasst und eingelagert. Dabei halfen die Kenntnis über den Einsturzbereich, historische Fotos und Steinmetzzeichen. „Zu Beginn der achtjährigen Sanierungszeit wurde auf dem Altsteinlager eine Steinmetzwerkstatt eingerichtet. Wir Architekten sowie Bauherren und Denkmalpfleger haben jedes Altstück vor der Bearbeitung begutachtet“, erinnert Christoph Frenzel. 200 Jahre Wind und Wetter, Einsturz und Trümmerberg haben an allen Steinen Spuren hinterlassen – Stellen waren abgeplatzt oder fehlten, es gab Risse. Mit der Beurteilung der Steine wurde zugleich über deren Wiederverwendung und notwendige Reparaturen entschieden.

Verformungen erkennbar

Für die passenden Einsatzstücke – die Fachleute nennen sie Vierungen – verwendeten die Steinmetze nach Möglichkeit aussortierte Altsteine, die sie mit einem Spezialmörtel und gegebenenfalls kleinen Dübeln aus Edelstahl einsetzten. Bis zu einer Höhe von etwa 28 Metern wurden die vorhandenen Ruinenmauern integriert. Durch den lotrechten Weiterbau sind heute die mächtigen Verformungen der stehen gebliebenen Mauern nach dem Einsturz der Kirche am 15. Februar 1945 deutlich erkennbar. „Am Ende besteht die wieder aufgebaute Frauenkirche zu 40 bis 45 Prozent aus historischem Steinmaterial einschließlich der Ruinenteile“, sagt Frenzel.

Einmalig schöne Aufgabe

An der Frauenkirche lassen sich alte und neue Steine aufgrund ihrer Farbe gut unterscheiden. Es wird sicher 20 bis 40 Jahre dauern, bis die neuen erst einmal eine Graustufe erreichen. Aus statischen Gründen wurden bei der Kuppel nur im Fensterbereich und am Tambourfries alte Steine verwendet. Zudem seien nach den Sanierungen in den 1920er und 30er Jahren nur wenige Originalsteine vorhanden gewesen. „Die Frauenkirche war für uns eine gigantische Herausforderung und eine einmalig schöne Aufgabe“, sagt Frenzel.