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Das ist Dresdens Weltklasse-Provinz

Altenberg und Glashütte tun sich zusammen, um Besucher und künftige Einwohner in die Region zu locken. Dabei setzen sie bewusst auf Provokation.

Eva Wagner von der Agentur Sportwerk und Wirtschaftsförderer Christian Semmelrogge stellten in zwei Stadträten die Grundzüge der geplanten Standortmarketingaktion vor.
Eva Wagner von der Agentur Sportwerk und Wirtschaftsförderer Christian Semmelrogge stellten in zwei Stadträten die Grundzüge der geplanten Standortmarketingaktion vor. © SZ/Maik Brückner

Altenberg und Glashütte haben ähnliche Probleme. Den Unternehmen in beiden Städten fehlen zunehmend Fachkräfte, und den Kommunen die Einwohner. Nun soll eine Kampagne gestartet werden, die die das ändern soll. Wie diese aussehen soll, erklärte die Chefin der Dresdner Event- und Kommunikationsagentur Sportwerk, Eva Wagner jüngst in beiden Stadträten. Zuvor erläuterte Wirtschaftsförderer Christian Semmelrogge die Datenbasis, die dieser Kampagne zugrunde liegt.

Eva Wagner und ihr Team hatten sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Region beschäftigt. Sie trafen Unternehmer und andere Entscheidungsträger, wollten wissen, was sie an ihrer Heimat schätzen und was nicht. Wagners Fazit: Die Leute wissen schon, dass sie in einer besonders schönen Gegend wohnen. Gern werden die Vorteile aufgezählt, doch schnell gebe es auch ein aber. Und dann folgt die Aufzählung von Nachteilen. So sei immer wieder zu  hören, dass es hier zu wenig Kultur gebe. Das sei aber Ansichtssache, so Wagner. Um andere Menschen von der eigenen Heimat zu begeistern, muss ein neuer Optimismus geschaffen werden. 

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Mit diesem Logo wollen Altenberg und Glashütte in den nächsten Jahren um Fachkräfte und neue Einwohner werben.
Mit diesem Logo wollen Altenberg und Glashütte in den nächsten Jahren um Fachkräfte und neue Einwohner werben. © Eva Wagner

Denn die Region habe viel zu bieten. Die einzige Schwierigkeit bestand für das Team um Wagner darin, eine Strategie zu entwickeln, die Glashütte und Altenberg gerecht wird. 

Trotz ihrer Nähe sind die Städte sehr unterschiedlich. Mit Altenberg verbinden viele Tourismus, Freizeit, Erholung, Wintersport, die Bobbahn, die Bergbaulandschaft und Feinmechanik. Die Stadt selbst positioniert sich als Bergstadt, als Kneippkurort, als Urlaubsregion Altenberg und als "Urlaubsregion für die Familie".

Anders sei es mit Glashütte. Die Stadt wird mit der Uhrenindustrie, dem Uhrenmuseum, mit Natur in Verbindung gebracht. Sie gilt als erfolgreicher Wirtschaftsstandort mit einer geringen Arbeitslosigkeit und guten Bus- und Bahnverbindungen nach Dresden. Anders als in Altenberg gebe es hier nur einen Slogan: "Glashütte - hier lebt die Zeit."

Damit die Glashütter und Altenberger ihre Region besser kennen lernen, sollen sie mithilfe einer kostenfreien Vorteilskarte verbilligt zu Attraktionen kommen.
Damit die Glashütter und Altenberger ihre Region besser kennen lernen, sollen sie mithilfe einer kostenfreien Vorteilskarte verbilligt zu Attraktionen kommen. © Eva Wagner

Wie führt man beide Kommunen zusammen? Eva Wagner fand eine Schnittmenge. In beiden Städten wird Tradition großgeschrieben, hier wie dort lebt das Handwerk, beide Städte gingen aus dem Bergbau hervor und besitzen schöne Landschaften. Und dann gibt es da noch die Weltklasse, in Glashütte stehen die Uhren dafür, in Altenberg die Spitzensportler des Wintersports. Diese Schnittmenge mache es möglich, eine Kampagne für die Region Altenberg-Glashütte zu entwickeln.

Damit das gelingen kann, werde eine Logo gebraucht, das auffällt und Interesse weckt. Dieses sollte klar sein und nur wenige Details haben. Ein bisschen Provokation sollte auch dabei sein, so Wagner. Ihre Agentur entwickelt ein Logo, in dem die Anfangsbuchstaben der Stadt miteinander verbunden sind und drei begleiteten Zusätzen: "Uns kennt nur die Welt.", "Weltklasse Provinz." und "Dresdens Weltklasse-Provinz." Letzteres sei zwar nicht ihr Favorit gewesen, war aber für viele Unternehmern die erste Wahl. Deshalb stellte sie das Logo mit diesem Zusatz als den Favoriten vor.

Die Kampagne selbst  soll bis 2030 laufen. In den ersten zwei Jahren sollen die Region mit Provokation wachgerüttelt werden, in Phase zwei wird weiter "gestichelt", die Region wird in verschieden Formaten vorgestellt. In Phase drei, die nach fünf Jahren beginnt, sollen die Region weiter vermarktet werden. 

Damit das gelingt, soll es zunächst eine Website geben. Jeder Bürger in der Region soll eine kostenlose Jahreskarte bekommen, die Preisnachlässe bei allen Attraktionen gewährt. Damit sollen die Einwohner animiert werden, ihre Heimat besser kennenzulernen. Später soll ein bezahlter Praktikant aktiv werden, der sechs Wochen in der Region unterwegs sein wird, und der von seinen Erlebnissen auf Social Media-Kanälen berichtet. Dazu soll der Praktikant unter anderen für zwei, drei Tage in Unternehmen mitarbeiten und von dort berichten. Auch klassische Werbung soll es geben.

Zum Standortmarketing geheren mehr als nur Websites und Online-Kampagnen. Auch mit T-Shirts, wie es diese junge Dame trägt, könnte Werbung gemacht werden.
Zum Standortmarketing geheren mehr als nur Websites und Online-Kampagnen. Auch mit T-Shirts, wie es diese junge Dame trägt, könnte Werbung gemacht werden. © Eva Wagner

Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) und mehrere Stadträte lobten die Arbeit. Für Dreßler ist diese ein weiterer Mosaikstein, um die Region Teil der Metropolregion Dresden werden zu lassen. Andreas Dießler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) störte sich an dem Begriff Provinz, der nicht positiv besetzt sei. Wagner verteidigte ihn. Der Begriff hatte ursprünglich eine positive Bedeutung. Im Römischen Reich waren es die Provinzen, die für die Sicherheit der Stadt Rom gesorgt haben. Steffen Barthel (Wählervereinigung Johnsbach) störte sich aber die Buchstabenkombination AG, die als  Aktiengesellschaft oder Arbeitsgemeinschaft gedeutet werden könnten. Es gebe keinen sinnvollen Ersatz, so Wagner. Die Städte beginnen nun mal mit A und G. 

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) zeigte sich erfreut: "Ich bin begeistert." Ähnlich äußerte sich Bernd Greif (Wählervereinigung Osterzgebirge). Er wünschte sich, dass man damit auch junge Familien in die Region locken müsse. Denen müsse gezeigt werde, dass man gut und preiswert wohnen kann und dass die Arbeitswege kürzer als in großen Städten sein können.

Die Kampagne könnte nach der Sommerpause im September starten.

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