merken
PLUS Dippoldiswalde

Eltern fordern längere Betreuungszeiten

Altenberg lenkt ein und möchte nachsteuern. Die Entscheidungen dazu fallen in den nächsten Tagen.

Karina Handel (re.) und Aleksandra Beer kämpfen gegen Verkürzung der Betreuungszeiten im Kindergarten Kipsdorf.
Karina Handel (re.) und Aleksandra Beer kämpfen gegen Verkürzung der Betreuungszeiten im Kindergarten Kipsdorf. © Egbert Kamprath

Dass Altenberg die Kindertagesstätten zum 18. Mai nach mehreren Wochen wieder für alle Kinder geöffnet hat, hat bei einigen Eltern nicht nur Freude ausgelöst. Denn mit dem Tag wurden auch die Öffnungszeiten stark reduziert. Die Kinder können nun maximal sieben Stunden betreut werden - in der Regel von 7.30 bis 14.30 Uhr. Das stellt viele vor Probleme.

Welche das sind, schilderten einige Eltern, die dazu in den Stadtrat gekommen waren. So berichtete Aleskandra Beer aus Kipsdorf, dass die angebotene Betreuung viel zu kurz sei. Sie habe zwei Arbeitsstellen, eine in Freital, die andere in der Nähe in von Leipzig. Mit diesen Kita-Zeiten sei es eigentlich nicht möglich, diesen Arbeiten nachzugehen. "Wir sind klassische Pendler", sagt die Kipsdorferin. "Auf uns wird keine Rücksicht genommen." Sie forderte die Stadt auf, einzulenken und die Öffnungszeiten zu verlängern. Andere Kommunen öffneten ihre Kitas trotz Corona-Krise länger. Altenberg sollte ähnlich handeln, sonst entscheiden sich junge Familien nicht für, sondern gegen Altenberg. "Und hier leben bald nur Ü-60-Menschen."

Anzeige
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!

Der Palais Sommer 2021 findet statt – mit deiner Unterstützung!

Die Schwierigkeiten der Pendler

Ähnlich geht es der alleinerziehenden Karina Handel, die ebenfalls in Kipsdorf lebt. Sie möchte gern wieder im Rettungsdienst in Dipps arbeiten. Aber wenn sie ihre Kinder nur sieben Stunden in der Kita betreuen lassen kann, gehe das nicht. Das lasse sich mit ihrer Tätigkeit nicht vereinbaren. Denn zur Acht-Stunden-Schicht komme noch die An- und Abfahrt sowie die Vorbereitungszeit dazu. Und wenn sich die Situation in den Altenberger Kitas nicht ändern werde, habe sie auf absehbare Zeit keine Chance, ins Berufsleben einzusteigen. Eine weitere Umschulung habe sie nicht vor, erklärte sie.

Torsten Dietze, der als Elternvertreter in der Kita Geising tätig ist, berichtete, dass auch andere Familien Probleme mit den verkürzten Zeiten haben. Viele pendeln nach Dresden und Freital zur Arbeit. Eine siebenstündige Betreuung in den Kitas sei viel zu kurz, sagte er. Zudem kritisierte er, dass die Eltern sehr kurzfristig über die neuen Gegebenheiten informiert wurden. In der Nacht zu Sonnabend gab es die Informationen zu den Öffnungszeiten und Formalitäten am darauffolgenden Montag. Er hätte sich gewünscht, dass auch Elternvertreter in die Planungen einbezogen werden.

Verständnis für Eltern

Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) zeigte bereits in der Stadtratssitzung Verständnis für die Sorgen der Eltern. Zwei Tage später wurden diese bei einem Treffen mit Elternvertretern besprochen. Dort habe man darauf hingewiesen, dass es die Kindergärten eine Homepage haben, auf der alle Informationen veröffentlicht werden. "Leider war dies nicht bei den Eltern so angekommen", so Kirsten, der das Gespräch als sehr konstruktiv empfunden habe.

Dass die Stadt die Betreuungszeiten auf sieben Stunden eingekürzt hat, liegt an den Vorgaben des Freistaates, erklärt Kirsten. Denn die sehen es vor, dass es feste Gruppen vom Anfang der Betreuungszeit bis zum Ende geben muss. "Von daher reduziert sich in den Kindereinrichtungen die Betreuungszeit", erklärt Kirsten. Altenberg könne nicht von 6 bis 17 Uhr mit dem gleichen Personal die Gruppen betreuen. Dennoch - und das wurde auch im Treffen mit den Elternvertretern klar - brauchen einige Eltern längere Öffnungszeiten. "Hier müssen wir flexibler werden, weil jede Einrichtung unterschiedliche Voraussetzungen bietet."

Geprüft werde, ob es möglich ist, größere Gruppen zu bilden, in denen mehr Erzieher die Kinder betreuen. Das sollte es möglich machen, flexiblere Betreuungszeiten anzubieten. "Das führt aber nicht automatisch dazu, dass die Betreuungszeiten verlängert werden können", so Kirsten. Und es birgt eine größere Gefahr: "Wenn größere Gruppen gebildet würden, dann müssten im Krankheitsfall mit Corona, alle Kinder und die Erzieher in Quarantäne." Eventuell müsste dann sogar die gesamte Einrichtung geschlossen werden. 

Mit den Elternvertretern hat sich Kirsten darauf verständigt, Wege zu finden, um in ganz besonderen Härtefällen die Betreuungszeiten ein Stück weit zu verlängern. "Dabei hilft schon eine halbe Stunde früher am Morgen beziehungsweise auch eine halbe Stunde länger am Nachmittag", so der Rathauschef.

Eltern werden befragt

Um den Bedarf zu ermitteln, sollen in dieser Woche die Eltern befragt werden. Die Befragung soll noch vor Pfingsten ausgewertet werden. Bereits nach Pfingsten möchte Altenberg für besondere Härtefälle auch erweiterte Betreuungszeiten anbieten, damit die betroffenen Familien Privatleben und Arbeit besser vereinbaren können. Wie das genau geregelt wird, soll in Einzelgesprächen geklärt werden. Zudem möchte Altenberg Hilfskräfte einsetzen, die den Erziehern verschiedene Arbeiten abnehmen sollen. Auf einen entsprechenden Aufruf Kirstens hatten vorige Woche fünf Bürger ihre Bereitschaft signalisiert, mitzuhelfen. Mit diesen Helfern werde man die Lücken im eingeschränkten Regelbetrieb zwar nicht schließen können, damit könne sich aber die Situation entspannen. Betreut werden die Kinder - so wie vom Gesetzgeber gefordert - weiterhin von Fachkräften.

Kirstens Fazit: "Ich teile die Sorgen und Nöte der Eltern." Man müsse aber auch eine Lösung hinbekommen, die dauerhaft von den Erziehern geleistet werden kann. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Altenberg lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde