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Alter Bauernhof wird erhalten

Hans Schuster spielte Dudelsack und war ein sorbisches Original. Sein Hof wurde bewahrt und ist offen für alle Besucher.

Von Andreas Kirschke

Marie Hentschel erinnert sich noch gut an die Ursprünge. Zum Hof gehörten das Wohnhaus aus Schrotholz, das massive Hinterhaus aus Steinen, die Futterküche mit Schweinestall und Kuhstall, die Scheu-ne, das Backhaus, die Holzpumpe und der Bauerngarten. „Ich war oft als Jugendliche dort“, erzählt die 82-Jährige über den Hof des sorbischen Dudelsackspielers Hans Schuster (1910-1994) in Trebendorf am früheren Tiergarten.

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Weichen muss jenes Grundstück jetzt dem Tagebau Nochten. 2008 bis 2010 ließ die Gemeinde dank Finanzierung durch Vattenfall den Hof weitgehend originalgetreu und fast vollständig umsetzen. Nahe des Sportplatzes steht er heute, in der neuen grünen Mitte von Trebendorf. „Hans Schuster, seine Frau Marie und ihre Eltern, Hans und Anna Hanusch, sprachen sorbisch zu Hause“, sagt Marie Hentschel. Die Herzenswärme, Gastfreundschaft und Güte zogen sie als Kind immer wieder dorthin. Heute ist das Haus „Tiergartenstraße 18“ eines der letzten erhaltenen Schrotholzhäuser der Gemeinde Trebendorf.

Original Schrotholz

Der kulturelle Wert des Hauses ist immens. Steht es doch für die Schrotholz-Bauweise. Baumstämme wurden mit Äxten beschlagen. Das austretende Harz wirkte wie eine natürliche Versiegelung. Es sorgte für die Langlebigkeit der Balken. „Die Holzbalken wurden dann im Kreuzverbund verlegt und mit Holznägeln ineinander verkeilt“, sagt der Chronist. „Gerade Schrotholzhäuser prägten Anfang des 19. Jahrhunderts das Leben der sorbischen Heidebauern.“ Hans Schuster gehörte dazu. Sein Großvater Matija brachte ihm das Spiel auf dem schwarzen Leder-Dudelsack bei. Wie Vater Jan Schuster (1881-1956) spielte Hans Schuster oft zu Festen und Feiern. „Hans Schuster war als Dudelsackspieler der letzte Vertreter einer langen Familientradition. Er war der letzte authentische sorbische Volksmusikant auf dem Leder-Dudelsack“, sagt Wolfgang Kotissek, Leiter des Sorbischen Folkloreensembles Schleife.

Fast 50 Jahre lang spielten Hans Schuster und Matej Wobuza auf vielen Hochzeiten, Taufen, Prozessionen, bei Dorf- und Heimatfesten, auf Bockbier-Festen, zum Fasching und zum Tanz. Und das nicht nur in der Region Schleife, sondern auch in Dresden, Polen, Böhmen und Ungarn. „Im Zweiten Weltkrieg hatte Hans Schuster seinen Dudelsack im Keller seines Hauses eingemauert, als die Nazis ihre antisorbischen Maßnahmen verschärften. Erst nach dem Krieg holte er ihn wieder hervor aus dem Versteck“, sagt Angelika Balzke (60), seit 2009 Vorsitzende der 70 Mitglieder starken Domowina-Ortsgruppe Trebendorf.

2007 hatte die Holzbau & Bedachungs GmbH Harald Rösch aus Groß Düben die Hofgebäude abgebaut, eingelagert und wieder aufgebaut. Seit 28. Mai 2010 betreibt die Domowina-Ortsgruppe den Hof.