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Alter Stall wird wachgeküsst

Im Malschwitzer Ortsteil Doberschütz verwandelt sich ein großer Hof. Davon profitieren nicht nur die Bewohner.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Malschwitz. Kaum zu glauben, wie der ehemalige Schweinestall mit Gesindewohnung sich verändert hat. Statt Efeu bewachsener Wand strahlt das Haus jetzt in mediterranem Ocker. Ganz viele Details wurden erhalten und sogar ergänzt. So erhielt die Eingangstür im Obergeschoss genauso einen Bogen, wie die Fenster sie haben. Aus dem Nebengelass haben Heike Schulz und Jens Richter zwei Ferienwohnungen und zwei Doppelzimmer mit separaten Bädern gemacht. Das Domizil befindet sich auf dem Hof an der Niederguriger Straße im Malschwitzer Ortsteil Doberschütz.

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Lange Zeit hat der ehemalige Schweinestall auf dem Hof an der Niederguriger Straße leer gestanden, nachdem dort keine Tiere mehr gehalten wurden. Nun wurde er wachgeküsst.
Lange Zeit hat der ehemalige Schweinestall auf dem Hof an der Niederguriger Straße leer gestanden, nachdem dort keine Tiere mehr gehalten wurden. Nun wurde er wachgeküsst. © privat

Zurück auf dem Bauernhof

Das Anwesen war früher ein großer Bauernhof. Der ehemalige Stall mit Scheune hat heute eine große Solaranlage auf dem Dach, die verpachtet ist. Im Inneren haben Heike Schulz und Jens Richter auch noch eine Menge vor – zum Beispiel eine Frühstücksküche. Derzeit ist es vor allem Abstellraum. Das Haus auf der rechten Seite des Hofes wurde als erstes saniert und ist an eine Familie vermietet. Im anderen Haus gegenüber wohnt neben dem Paar noch die Familie der Tante von Heike Schulz. „Es war früher ein reiner Familienhof“, erzählt die 47-Jährige. Meine Großeltern, Eltern und meine Tante haben hier gewohnt“, sagt Heike Schulz, die als Kundenbetreuerin bei einem großen Telekommunikationsanbieter arbeitet. Nach der Wende hatte sie Doberschütz verlassen, kam erst 1996 wieder zurück.

Schweinestall wird zum Feriendomizil

Seitdem wurde auf dem Hof viel gebaut. Doch der ehemalige Schweinestall stand lange leer. „Meine Eltern hatten dort früher Gänse und Schafe, auch das Waschhaus befand sich hier“, sagt Heike Schulz. Doch nach der Wende gab es keine Tiere mehr und für das Haus fand sich keine Verwendung. Vor drei Jahren dann haben die beiden „mal rumgesponnen“. Jens Richter kam auf die Idee, aus dem Haus ein Feriendomizil zu machen. Noch zumal es ja mitten in den Teichen liegt. „Wir haben geguckt, wie andere Anbieter solche Vorhaben umgesetzt haben, konnten bei der IHK erfahren, dass die Übernachtungszahlen auch in unserem Gebiet steigen“, sagt Jens Richter. Die Idee nahm Gestalt an, nachdem auch die Gemeinde Malschwitz dem Vorhaben zugestimmt hat. „Da unser Hof in einem reinen Wohngebiet liegt, musste der Gemeinderat einer Veränderung zustimmen“, sagt Jens Richter. Danach beantragten die beiden Förderung über den ländlichen Raum. Vor einem Jahr ging es dann letztlich los. „Ende Juni haben wir die ersten Ziegelwände eingerissen“, erzählen die beiden. Gebaut haben regionale Firmen. Unter anderem aus dem Oberland, denn durch seine frühere berufliche Tätigkeit als selbstständiger Fensterbauer kannte er viele. Wegen der Gesundheit ist der 49-Jährige allerdings schon im Vorruhestand, war die ganze Zeit Ansprechpartner vor Ort. In den vergangenen Wochen hatte das Paar, das seit 20 Jahren zusammenlebt, das Gefühl, dass der Tag viel zu kurz ist. „Für Ende der Woche haben sich die ersten Gäste angesagt“, wissen sie. Denn die Ferienwohnungen stehen bei einer Buchungsseite im Internet. Der August ist schon voll.

Ausblick auf´s Storchennest

Wer zum Beispiel die obere Etage bucht, hat im Frühjahr und Sommer ein besonderes Highlight, wenn er auf dem Balkon an der Giebelseite steht. Fast auf Augenhöhe befindet sich ein Storchennest. Die Räume sind großzügig, haben Fußbodenheizung und einen Kamin. Wer mit mehreren Leuten oder großer Familie anreist, kann auch die beiden Doppelzimmer zubuchen, sodass im Obergeschoss auf insgesamt 90 Quadratmetern Platz für bis zu sechs Personen ist. Das Erdgeschoss ist liebenswert, weil alte Stallstrukturen und Backsteinwände erhalten wurden. Neben der Ferienwohnung gibt es hier auch einen kleinen Wellnessbereich mit Sauna.

Froh sind Heike Schulz und Jens Richter, dass nicht nur ihre Kinder – sie hat Tochter und Sohn, er einen Sohn – mitgeholfen haben, sondern auch die Nachbarn. Bei einem kleinen Tag der offenen Tür haben sie sich bei allen Helfern bedankt. Auch bei den Mitarbeitern der Baufirmen, die „auf alle unsere nervigen Änderungswünsche eingegangen sind“, lacht Jens Richter. Und hat schon wieder neue Ideen.