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Zittau

Gibt es Alternativen für Salzhaus-Chaoten?

Händler ärgern sich über krawallmachende Jugendliche und klagen, dass es keine anderen Möglichkeiten, sich zu treffen, gibt. Ist dem wirklich so?

Jugendtreffpunkt Café X in Zittau: Katja Schönborn und Julia Brumme-Neumann (r.) testen sich am Kicker aus, an dem auch die Jugendlichen gern spielen.
Jugendtreffpunkt Café X in Zittau: Katja Schönborn und Julia Brumme-Neumann (r.) testen sich am Kicker aus, an dem auch die Jugendlichen gern spielen. © Matthias Weber/photoweber.de

Spricht man mit Händlern und Gewerbetreibenden aus dem Zittauer Salzhaus über die jungen Krawallmacher, kommt oft der Vorwurf, dass es keine Alternativen gibt und andere Treffpunkte geschaffen werden sollten. Ist die Kritik berechtigt? Dieser Frage ist die SZ nachgegangen.

Gerade mal 300 Meter vom Salzhaus entfernt, findet sich die erste Alternative: das "Café X" in der Böhmischen Straße. Hier gibt es alles, was Jugendliche interessieren könnte: Kicker, Tischtennisplatte, eine Sofaecke und noch einiges mehr. Warum also richten die Jugendlichen im Salzhaus lieber Schaden an oder pöbeln Passanten an. "Im Salzhaus können sie noch freier sein als hier", sucht Julia Brumme-Neumann, eine der Mitarbeiterinnen des Jugendcafés, nach einer möglichen Begründung.

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Vieles erlaubt, was im Salzhaus verboten ist

Dabei ist im "Café X" vieles erlaubt, was im Salzhaus verboten ist. Hier können die Jugendlichen Döner oder Pizza essen. Auch die Musik kann etwas lauter aufgedreht werden. Und freies WLAN gibt es im Jugendcafé ebenfalls. Der freie Internetzugang der Deutschen Bank ist einer der Gründe, warum sich die Jugendlichen im Salzhaus treffen. Auf ausgesuchten Flächen können im "Café X" auch Graffiti gesprüht werden. Im Salzhaus gilt Graffiti sprühen als Sachbeschädigung.

Aber auch im "Café X" gibt es Grenzen. Dinge kaputt zu machen, ist genauso nicht erlaubt. Und Alkohol ist ebenfalls tabu.

Früher öffnen?

Liegt es an den Öffnungszeiten? Das Jugendcafé ist an drei Tagen in der Woche ab 15 Uhr geöffnet, montags ab 16 Uhr und dienstags ab 17 Uhr. Im Salzhaus treffen sich die Jugendlichen laut Aussage von Händler oft schon ab 13 Uhr. "Wir hatten 2019 bereits ab 14 Uhr geöffnet und es war in der ersten Stunde nichts los", erzählt Julia Brumme-Neumann. Von den Berufsschulen kommen die Jugendlichen später vorbei, da nicht vor 15 Uhr Unterrichtsschluss ist. Deshalb wurden die Öffnungszeiten nach hinten verlegt.

Aber das muss nicht so bleiben. Julia Brumme-Neumann ist durchaus offen für frühere Öffnungszeiten. Vorausgesetzt, die Jugendlichen wollen das auch.

Eine frühere Öffnung würde aber bedeuten, dass früher Schluss ist. Derzeit schließt das Café zwischen 18 und 21 Uhr. Julia Brumme-Neumann kann sich vorstellen, zumindest einen Tag in der Woche früher zu öffnen. Veränderungen könne man immer wieder probieren, findet sie. Denn die Öffnungszeiten ändern sich mit den Jugendlichen, die im Café reinschauen. Derzeit wird auch der Samstag getestet, einmal im Monat ist das Café dann von 15 bis 20 Uhr geöffnet.

Ein Café für die 14- bis 27-Jährigen

Willkommen sind im "Café X" alle jungen Menschen von 14 bis 27 Jahren. Nach einem Ausweis wird im "Café X" jedenfalls nicht gefragt. Wer erst 13 ist, und mit den Älteren abhängen will, der kann ebenso vorbeikommen, erklärt die Mitarbeiterin. Für die Jüngeren gebe es aber auch den Offenen Treff im "Blauen Elefanten" auf der Goethestraße. Der ist für die Altersgruppen von 8 bis 21 offen, aber meist kommen Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 vorbei, berichtet Katja Schönborn, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, aus Erfahrung.

Weitere Angebote geplant

Braucht es mehr Angebote? Diese Frage beschäftigt die Mitarbeiter des Jugendcafés fast ständig. Und es gibt konkrete Überlegungen: Geplant sei ein Youtube-Kanal, auf dem die Jugendlichen in selber produzierten Filmen zeigen, was im Café X passiert. Auch ein Atelier soll etabliert werden, dafür wollen die Träger weitere Räume anmieten.

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Dass sie sich keine Gedanken um die Salzhaus-Jugendlichen machen, kann man den Mitarbeitern des Jugendcafés nicht vorwerfen. Sie suchten nach der ersten Veröffentlichung der unhaltbaren Zustände im Salzhaus gleich das Gespräch mit dem Hausmeister sowie der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit). "An zentraler Stelle hängt nun ein Plakat vom Café X mit den Öffnungszeiten und Angeboten", sagt Julia Brumme-Neumann.

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