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Altes Rathaus fällt stückchenweise

Dieses beklemmende Gefühl ist auch nach 13 Jahren noch da, wenn man die ehemalige VP-Meldestelle hinter dem alten Rathaus betritt. Hier gibt es sogar noch eine ofenbeheizte Gefängniszelle aus der Honeckerzeit.

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Von Torsten Oelsner

Dieses beklemmende Gefühl ist auch nach 13 Jahren noch da, wenn man die ehemalige VP-Meldestelle hinter dem alten Rathaus betritt. Hier gibt es sogar noch eine ofenbeheizte Gefängniszelle aus der Honeckerzeit. Doch nicht mehr lange. Am Freitag fiel bereits ein Teil des alten Archivgebäudes der ehemaligen Stadtverwaltung. Zwei Drittel der 19 000 Euro, die die Stadt für den Abriss ausgibt, stammen aus einem Förderprogramm des Freistaates zur Stadterneuerung. „Damit sieht das hier hinten erstmal besser aus“, sagt Coswigs Bauamtschef Manfred Trache. Bis 2005 sollen auch die Straßenbahnhaltestellen parallel zueinander stehen und behindertengerecht sein.

Auf die Frage wie es jedoch mit dem Gesamtprojekt altes Rathaus weitergeht, kann auch Trache nur ratlos mit den Schultern zucken. „Ich weiß es nicht“, bekennt er. Seit fast drei Jahren sucht der Investor, die Hanseatische Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft aus Stade, nach einem „Zugpferd“ für das geplante Rathauscenter. Einmal schien der schon fast gefunden, dann sprang er wieder ab. Mit der Folge, dass auch kleine Einzelhändler, die mit einziehen wollten, ihre Zustimmung wieder zurück zogen. Einzig die Stadt hatte von Anfang an fest zugesagt, dass sie ihre Stadtbibliothek in einem Teil des Gebäudes unterbringen möchte. Seitdem bewegt sich nur das Unkraut im Wind auf dem Gelände. Aus Stade heißt es monoton: „Wir befinden uns in Gesprächen mit Interessenten, erst müsse die Tinte trocken sein, es gebe Fortschritte, das Ganze sei sehr sensibel, die Lage im Handel schlecht“, und so weiter. Abrisstermine und Baustarts wurden bereits mehrfach angekündigt und dann stillschweigend vorbeiziehen gelassen. Inzwischen hat der Projektleiter gewechselt.

„Vielleicht können wir im Dezember oder Januar mehr dazu sagen“, sagt Jörg Möller, der nun mit dem Fall Rathaus Coswig beauftragt ist. Man halte an dem Standort und dem Vorhaben fest, auch wenn das Möbelhaus Heinze schräg gegenüber inzwischen zugemacht hat und die Konkurrenz im Lebensmittelbereich schon im nächsten Jahr nur knappe 400 Meter entfernt sein wird. Im Bauamt wünscht man sich nichts mehr, als dass aus dem Projekt überhaupt noch etwas wird. „Wir würden jedem Investor entgegen kommen und dafür auch den Bebauungsplan entsprechend ändern, das wäre kein Problem“, sagt Bauamtschef Trache. „Aber wir brauchen etwas Greifbares.“ Und das gäbe es nicht. Bisher hatte OB Reichenbach selbst die Parole ausgegeben: Nicht die Nerven verlieren, als es um den Abriss ging. Den sollte der neue Investor bezahlen. Inzwischen gäbe es jedoch bereits erste Stimmen im Stadtrat, die sich für einen Erhalt des alten Hauses aussprechen. „Aber was sollen wir bloß damit“, sagt Trache.