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Altes Ribe-Gelände soll Gewerbepark werden

Eine Leipziger Investorengruppe hat die Industriefläche an der Fabrikstraße gekauft und will dort neue Firmen ansiedeln.

Von Nina Schirmer
 3 Min.
14.000 Quadratmeter misst das ehemalige Produktionsgelände von Ribe. Seit der Schließung des Werks sind viele Gebäude und Hallen ungenutzt. Sie sollen jetzt wieder an Firmen vermietet werden.
14.000 Quadratmeter misst das ehemalige Produktionsgelände von Ribe. Seit der Schließung des Werks sind viele Gebäude und Hallen ungenutzt. Sie sollen jetzt wieder an Firmen vermietet werden. © GRK Gruppe

Radebeul. Vor zwei Jahren noch wurden bei Ribe in der Fabrikstraße im Westen der Stadt Armaturen gefräst und geschweißt. Läuft man heute über das Gelände, ist es dort beinah gespenstisch still. Die Hallen sind verlassen, Gebäude stehen leer, der einstige Mitarbeiterparkplatz ist ungenutzt. Das Industriegelände dämmert im Dornröschenschlaf, seit dem die Produktion Mitte 2017 geschlossen wurde. Seit 2018 liegt das Werk komplett still.

Doch jetzt soll wieder Leben einziehen. Die Leipziger GRK-Gruppe hat das 14 000 Quadratmeter große Areal im vergangenen Jahr gekauft und möchte dort Firmen ansiedeln. Ursprünglich auf Altbausanierungen spezialisiert, gehört inzwischen auch die Revitalisierung von Industrie- und Brachflächen zu den Vorhaben des Investors. Das derzeit größte Projekt: Für 90 Millionen Euro will die GRK-Gruppe ein Gewerbeensemble mit Wohnungen direkt im Leipziger Zentrum errichten.

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In Radebeul geht es freilich kleiner zu. Aber auch für das hiesige Areal an der Fabrikstraße sieht die Gruppe Potenzial. „Wir glauben an den lokalen Markt und wollen hier langfristig Gewerbe ansiedeln“, sagt Projektverantwortlicher Philipp Grunow. Die leer stehenden Gebäude sollen vermarktet werden und dort wieder Betriebe einziehen. Interessant sei das Gebiet für kleine und mittelgroße Unternehmen, sagt Grunow.

Das könnten ganz verschiedene Betriebe sein, denn auch die zur Vermietung stehenden Räume unterscheiden sich deutlich. Die kleinste Fläche misst gerade mal 120 Quadratmeter, die ehemalige Produktionshalle von Ribe hingegen ist 7 000 Quadratmeter groß. Sie könnte auch wieder von einem Betrieb als solche genutzt werden. Anfragen gebe es beispielsweise aus der Logistikbranche, sagt Grunow.

Als Lager seien die Gebäude ebenfalls interessant. Je nachdem, was der zukünftige Nutzer vorhat, könnten die Räume um- und ausgebaut werden. Denn noch ist vieles sanierungsbedürftig im Gewerbepark. Mit potenziellen Nutzern will die GRK-Gruppe gemeinsam Sanierungskonzepte für die Bestandsgebäude entwerfen und das Gelände modernisieren. 

Die ersten Mieter haben das Areal schon bezogen. Ein Unternehmen, das Oldtimer restauriert, hat sich angesiedelt, und im Bürohaus werden bereits Räume langfristig vermietet, sagt Grunow. Das denkmalgeschützte Gebäude soll ebenfalls saniert und so für Büronutzer interessant werden.

Industriestandort ist das Gelände schon seit 1920. Damals ließ der Radebeuler Ingenieur Johannes Wilhelm Hofmann hier eine Fabrik für sein Elektroarmaturenwerk errichten. 18 Jahre zuvor hatte er in Kötzschenbroda die erste „Fabrik für elektrische Apparate“ in Europa zur Herstellung der von ihm erfundenen Nietverbinder für elektrische Freileitungsdrähte gegründet. Die anfangs nur aus vier Personen bestehende Firma gewann 1904 für ihre bahnbrechenden Erfindungen auf der Weltausstellung in St. Louis eine Goldmedaille.

In den 30er-Jahren lieferte JHW sämtliche Hochspannungsarmaturen in Deutschland. Zu DDR-Zeiten wurde der Betrieb enteignet und als VEB Hochspannungs-Armaturenwerk geführt. Bis zu 700 Arbeiter waren Mitte der 60er-Jahre hier beschäftigt. Nach der Wende und der Abtrennung der Verzinkerei übernahm die Firma Ribe 1991 den Betrieb.

Bis zur Schließung wurden im Radebeuler Werk Armaturen, wie etwa für den Lichtbogenschutz an großen Elektrotrassen, hergestellt. 2016 wurde bekannt, dass Produktionsteile an den Standort nach Roth bei Nürnberg abgegeben und von den 50 Mitarbeitern in Radebeul nur noch 20 weiter beschäftigt werden. Mitte 2017 wurde die Produktion in Radebeul schließlich ganz geschlossen.

www.gewerbehof-radebeul.de

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