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Am Baum hängt selbst gebastelter Schmuck

In einer Lernwerkstatt des „Tierhäuschens“ werden die Kreativität unddie handwerklichen Fähigkeiten der Mädchen und Jungen gefördert.

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Von Cathrin Reichelt

Vorsichtig führt Nadine die Nadel mit dem bunten Faden durch den Stoff. Dabei orientiert sich das Mädchen an den Löchern, die Simona Müller vorgestochen hat. „Manchmal steche ich mich noch, aber das Sticken macht Spaß“, sagt die Fünfjährige. Auch Loreen ist mit Feuereifer dabei. Langsam entsteht unter den kleinen Kinderhänden ein gestickter Weihnachtsstern.

Freiwilliges Angebot

Die Nähstube öffnet genauso wie der Werkraum einmal in der Woche. Beide gehören zur Lernwerkstatt der Kindereinrichtung, an der sich seit Kurzem 20 Mädchen und Jungen im Alter von fünf und sechs Jahren beteiligen. Davon sind 17 Schulanfänger. „Die Kinder sehen dabei Neues und lernen Tätigkeiten, die sie herausfordern und in ihrer Entwicklung einen Schritt weiter bringen“, sagt Ines Hebenstreit, Leiterin des Tierhäuschens. „Aber keiner wird gezwungen, sich an der Werkstatt zu beteiligen. Die Kinder können selbst entscheiden, ob und welches Angebot sie annehmen“, ergänzt Erzieherin Monika Holz. Mancher, der anfangs skeptisch war, ist inzwischen durch die Berichte der kleinen Handwerker neugierig geworden und bastelt nun auch mit.

Sinnvoll muss es sein

Damit die Mädchen und Jungen die nötige Sicherheit und Aufmerksamkeit für die neue Herausforderung bekommen, arbeiten sie in kleinen Gruppen von zwei bis drei Kindern. Simona Müller bringt ihnen Nähen, Sticken und Stricken bei. Die gelernte Schneiderin arbeitet als 1-Euro-Jobberin in der Einrichtung. „Sie war vor acht Jahren schon mal als ABM-Kraft hier. Als es um die Lernwerkstatt ging, haben wir uns an ihre Nähkünste erinnert und sie angesprochen“, erklärt Monika Holz.

Die Schneiderin hat mit den Kindern bereits Taschen gestaltet, Knöpfe angenäht und Deckchen für ihre Omas hergestellt. Aber sie beschäftigt sich nicht nur mit den Kleinen. In der Kindertagesstätte fallen immer Näharbeiten an. So stammen alle neuen Gardinen von Simona Müller, sie hat die Puppen eingekleidet und Kissen geflickt, um nur einiges zu nennen.

Bald gibt‘s auch Computer

Während die kleinen Schneiderlein unter dem Dach die Nadel führen, sind im Keller Kraft und Augenmaß gefragt. Dort fertigt Christian Hennig mit den Kindern Laubsägearbeiten an. „Von ihm hatte mir ein Kind eine solche Arbeit zum Geburtstag mitgebracht. So sind wir auf Herrn Hennig aufmerksam geworden“, erzählt die Erzieherin. Den Senior hat‘s gefreut, als er gefragt wurde, ob er die Kindertagesstätte bei ihrem neuen Projekt unterstützen möchte. Jetzt sägt, nagelt, bohrt und klebt er mit den Mädchen und Jungen Holzteile. „Es entsteht immer etwas Sinnvolles“, meint Monika Holz. Jenny, Nicole und Robert haben gerade Figurenanhänger für den Weihnachtsbaum ausgesägt. Lutz Heilmann, der in der Kita aushilft, bohrt noch ein Loch hinein, dann können die Kinder die Anhänger mit in die Gruppe nehmen und später noch anmalen.

Die Lernwerkstatt wird zurzeit erst einmal mit den Großen ausprobiert. Ab Januar gibt es das Angebot auch für die Kleineren. Außerdem kommt dann eine dritte Station hinzu. Dort können die Kinder den Umgang mit dem Computer lernen.