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Stausee Bautzen: Warten auf den Tag X

Keine Besucher im Klettergarten, Notbetrieb in der Beachbar - die Betreiber der Freizeitanlagen erleben harte Wochen. Ihre Mission: Durchhalten.

Matthias Schneider verkauft weiter Eis und anderes in seiner Ocean-Beach-Bar am Strand der Talsperre in Bautzen. Doch hinsetzen darf sich dort gegenwärtig niemand.
Matthias Schneider verkauft weiter Eis und anderes in seiner Ocean-Beach-Bar am Strand der Talsperre in Bautzen. Doch hinsetzen darf sich dort gegenwärtig niemand. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Fahrer des weißen Transporters müsste nicht lange nach einem freien Plätzchen suchen. Schließlich verliert sich an diesem Vormittag nur eine Handvoll Autos auf dem großen Parkplatz an der Talsperre Bautzen. Aber der Transporter fährt weiter, auf dem staubigen Weg in Richtung Strand. Nach etwa 100 Metern steigen zwei Männer aus. Jan Woitas und Malte Rastemborski bringen Werkzeug zu ihrem Hochseilgarten. Zu tun gibt es hier immer etwas. Zuletzt haben sie eine überdachte Sitzgruppe gebaut, wo Kletterer mal einen Regenguss überbrücken können. Die beiden Männer haben Bäume gepflanzt und Reparaturen vorgezogen.

Seit der Eröffnung des Hochseilgartens 2016 war immer der Herbst die geeignete Zeit für solche Arbeiten. Jan Woitas und Malte Rastemborski wären froh, müssten sie auch in diesem Jahr bis Oktober mit dem Aufräumen und Reparieren warten. Weil auf ihrem Kletterparcours Hochbetrieb herrschen würde. Sonst kamen in der Woche öfter Schulklassen und Kita-Gruppen in das kleine Paradies für Mutige. Am Wochenende und an Feiertagen tummelten sich manchmal um die 100 Leute zwischen den bis zu zwölf Meter hohen Masten. „Jetzt kommt keiner“, sagt Malte Rastemborski traurig.

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Jan Woitas ist einer von zwei Betreibern des Hochseilgartens an der Talsperre. In diesem Tagen klettern er und Malte Rastemborski selbst bis in zwölf Meter Höhe, um die Anlagen zu warten. Zahlende Besucher konnten sie in diesem Jahr bisher nicht begrüßen.
Jan Woitas ist einer von zwei Betreibern des Hochseilgartens an der Talsperre. In diesem Tagen klettern er und Malte Rastemborski selbst bis in zwölf Meter Höhe, um die Anlagen zu warten. Zahlende Besucher konnten sie in diesem Jahr bisher nicht begrüßen. © SZ/Uwe Soeder

Rund eine Viertelmillion Euro haben die beiden Männer in ihr Projekt investiert, inklusive Fördergelder aus dem Leader-Programm. Weil ihr Angebot so gut angenommen wurde, sollte ab diesem Frühjahr ein weiteres hinzukommen – Kanufahren auf der Talsperre. Doch die Boote liegen im Schuppen. Keine Kletterer, keine Kanufahrer – da kam bisher in diesem Jahr schon ein Verlust in fünfstelliger Höhe zusammen. Etwas Geld verdienen die Betreiber, wenn sie an den Wochenenden Eis und Getränke an Spaziergänger verkaufen. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir da sind“, erklärt Malte Rastemborski. Da sein für den Tag X, der ja irgendwann kommen muss.

Ein wenig Hoffnung verspricht er sich aus einem Antrag an die Stadtverwaltung. „Wir wollen eine Sondergenehmigung erwirken. Kletterer müssen untereinander doch sowieso Abstand halten, und alle tragen Handschuhe“, sagt Rastemborski. Bange machen gilt nicht für die beiden tatendurstigen Männer. „Wir halten durch. Wir haben in den letzten Jahren gut gewirtschaftet, das hält uns jetzt über Wasser.“

Auch Matthias Schneider bleibt optimistisch, obwohl ihm die Zahlen wenig Grund dafür geben. „Wir machen derzeit höchstens ein Viertel des üblichen Umsatzes“, sagt der Inhaber der Ocean-Beach-Bar direkt am Strand. Von den Terrassen aus genießen die Gäste sonst einen herrlichen Blick über das Bautzener Meer. Jetzt regieren hier Absperrbänder. Matthias Schneider verkauft hauptsächlich Eis und mal ein Getränk an Spaziergänger. Aber setzen darf sich niemand. „Die Leute sind sehr diszipliniert, da müssen wir nichts mehr sagen wegen Mindestabständen.“

Mit „wir“ meint er sich selbst. Seine zwei fest angestellten Mitarbeiterinnen musste er in Kurzarbeit schicken, nachdem sie von ihrer Corona-Infektion genesen waren. Sie hatten das Virus vom Skiurlaub in Österreich mitgebracht.

Ungenutzt liegen Tretboote am Stand. Wann sie zur ersten Fahrt in diesem Jahr starten können, ist unklar.
Ungenutzt liegen Tretboote am Stand. Wann sie zur ersten Fahrt in diesem Jahr starten können, ist unklar. © SZ/Uwe Soeder

„Wir haben ja erst April, da ist die Saison noch jung“, macht sich Matthias Schneider Mut, weiß aber auch: „Der Mai wird wohl schlimmer.“ Er muss mit seiner kleinen Mannschaft, zu der auch zwei Pauschalistinnen gehören, in der warmen Jahreszeit immer genug verdienen, damit alle gut über den Winter kommen. Auch wenn in vielleicht nicht zu ferner Zukunft wieder Gäste an der Beach-Bar sitzen dürfen, bleiben in diesem Jahr feiernde Firmen aus. „Wir haben hier manchmal Veranstaltungen mit 200 Leuten. Aber wenn die Wirtschaft wieder ins Rollen kommt, müssen die Firmen erstmal selbst überleben und haben kein Geld zum Feiern.“

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9.000 Euro Soforthilfe vom Staat hat er beantragt und nur vier Tage später auch bekommen. Damit kann Matthias Schneider drei Monate lang die Betriebskosten zahlen. Aber am liebsten wäre ihm natürlich, er könnte bald die Beach-Bar wieder richtig öffnen. Und auch die Minigolf-Anlage ein paar Meter weiter, die ihm seit diesem Jahr ebenfalls gehört. Neben dem Minigolf bauen Handwerker einen Kiosk. Wenn alles gut geht, soll es hier schon bald italienisches Eis geben. „Es geht immer weiter“, sagt Matthias Schneider trotzig.

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