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Am Beckenrand statt auf dem Turm

Wasserspringer Sascha Klein ist verblüfft, wie sich manch Promi beim TV-Turmspringen aus zehn Metern Höhe ins Wasser stürzt.

© Robert Michael

Von Michaela Widder

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Am kommenden DEL2-Punktspielwochenende sind die Dresdner Eislöwen auswärts bei den Heilbronner Falken gefragt.

Es ist ein ungewohntes Bild. Statt in Badehose auf den Turm zu klettern, sitzt Sascha Klein in weißer Hose und T-Shirt am Beckenrand in der Münchner Olympia-Schwimmhalle. Er ist zum ersten Mal Kampfrichter, dabei hat er dafür nicht mal eine Ausbildung. Die ist aber bei Stefan Raabs „TV total Turmspringen“ nicht nötig.

„Meine Augen sind trotzdem ziemlich gut geschult. Wir haben auch Spaß daran, uns im Wettkampf gegenseitig zu bewerten“, sagt der Welt- und Europameister. Zusammen mit seinem Synchron-Partner Patrick Hausding saß der DSC-Wasserspringer in der Jury und musste die Sprünge von diversen C- bis Z-Promis bewerten. „Das war eine schöne Erfahrung, hat echt Spaß gemacht. Und es waren wirklich ein paar Leute dabei, die sich nicht dumm angestellt haben“, erzählt Klein.

Die besten Haltungsnoten vergab der 29-Jährige an Miss Ronja, die ehemalige Sängerin von Queensberry. Die meisten Zuschauer kannten sie wohl bis zu ihrem Sieg am Samstagabend in der TV-Show nicht. Zu den Turmspring-Begabten zählt Klein auch den Drittplatzierten Markus Rehm. Der unterschenkelamputierte Weitspringer profitierte von seinem Talent als Hobby-Wakeboarder. „Vom Zehner zeigte Markus einen Handstandsprung mit Salto rückwärts und vom Drei-Meter-Brett einen zweieinhalbfachen Salto vorwärts“, staunte Juror Klein.

Als Experte war er auch in einer strittigen Entscheidung gefragt. Beim Synchronwettbewerb sprang erst einmal nur Raab ins kühle Nass, sein Kompagnon Elton monierte das Blitzlicht, das ihn gestört hatte. Klein wurde zurate gezogen und plädierte dafür, den Sprung zu wiederholen. Das Schiedsgericht kam dem dann nach.

Auch ohne Showeinlage von Klein und Hausding in München glaubt der Wahl-Dresdner, dass ihr Auftritt als Kampfrichter dem Wasserspringen hierzulande guttut: „Unsere Sportart ist im Fernsehen, und wir haben dort den Deutschen Schwimm-Verband präsentiert.“ Von 2,01 Millionen Fernsehzuschauern, die den Klamauk am Samstagabend im Durchschnitt sahen, träumen die Profi-Wasserspringer.

In diesem Jahr wird Klein nicht mehr für einen Wettkampfsprung auf den Turm steigen. Die deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Berlin Mitte Dezember lässt er noch aus. „Ich habe mich neu sortiert, bin wieder zu meiner Freundin Franziska nach Aachen gezogen. Wir haben uns letztes Jahr fast gar nicht gesehen. Das sollte so nicht weitergehen“, erklärt Klein. Er trainiert nun von Montag bis Donnerstag in Dresden, fährt dann sechs Stunden nach Aachen. „Dort mache ich viel Krafttraining. Auch wenn ich jetzt weniger im Wasser bin, sieht es bei den Sprüngen gar nicht so schlecht aus“, findet Klein.

Kurzzeitig kam sogar mal ein leiser Gedanke ans Aufhören auf. „Doch die vergangenen zwei Jahre waren noch mal sehr erfolgreich. Das gab den Schub nach vorn.“ Bis Olympia 2016 plant der Sportsoldat, seine Karriere fortzusetzen. Danach will er komplett nach Aachen ziehen. Im Moment aber ist Klein die Badehose noch viel lieber als die weiße Kampfrichterkleidung …