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Am Schücowerk weht eine neue Fahne

Ein Investor für die Hallen in Großröhrsdorf ist aber noch nicht in Sicht.

Von Reiner Hanke

Still liegt das Gelände der Firma Schüco an der Pulsnitzer Straße in Großröhrsdorf. In besten Zeiten wimmelte es hier Tag und Nacht von mehreren Hundert Mitarbeitern, die ein Solarwerk aufbauten. An manchen Stellen beginnt das Unkraut das 80 000 Quadratmeter-Gelände zu erobern. Immerhin strahlen in der Nacht noch die Lichtbänder am Gebäude, als leuchtendes Mahnmal für eine Investruine.

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Und doch gibt es eine sichtbare Veränderung: Am Mast neben dem Eingang zur Pulsnitzer Straße flattert eine neue Fahne. Wisag ist darauf zu lesen und ein grünes Symbol. Die Wisag-Gruppe ist einer der führenden deutschen Dienstleistungskonzerne mit Sitz in Frankfurt am Main. Über 30 000 Mitarbeiter soll das Unternehmen beschäftigen und machte laut Informationen von Branchenkennern 2010 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Daran gemessen ist die Fahne neben dem Tor klein. Aber sie wurde bemerkt. Einen Standort hat das Unternehmen bereits in Dresden. Warum nicht die Hallen von Großröhrsdorf nutzen? Immerhin reicht das Angebotsspektrum der Wisag von der Gebäudereinigung über die Landschaftspflege bis zum Anlagen- und Stahlbau.

Pressesprecher Matthias Wöckel zerstört die Hoffnungen auf eine Investition in Großröhrsdorf jedoch. Zu den Aufgaben der Firma gehört unter anderem auch das sogenannte Leerstandsmanagement. Die Wisag-Mitarbeiter warten und überprüfen die Haustechnik, drehen ab und zu die Wasserhähne auf, prüfen die Elektrik, Fenster und Türen. An einer Ansiedlung gibt es offenbar kein Interesse. Schüco-Pressesprecher Thomas Lauritzen bestätigt das: „Die Firma Wisag ist von uns beauftragt, sich um den stillgelegten Standort zu kümmern.“ Mehr nicht. Und das so lange, bis das Anwesen vermietet oder verkauft sei. In dieser Beziehung gibt es aber noch keine positive Nachricht. Thomas Lauritzen: „Es gibt nach wie vor einige Interessenten aus unterschiedlichen Branchen, mit denen wir über einen Verkauf oder eine Vermietung verhandeln.“ Im Moment sei aber noch nichts spruchreif.

Im Sommer 2012 schlug die Nachricht aus der Bielefelder Schüco-Zentrale wie eine Bombe in Großröhrsdorf ein: Der Konzern schließt seine gesamte Solarsparte mit mehreren Werken samt Forschung. Schüco habe keinen anderen Ausweg gesehen, hieß es damals. Der Konzern war nach der Pleite des Solarwerkes von Sunfilm 2010 als Hoffnungsträger nach Großröhrsdorf gekommen. Angesichts der Verluste in der Solarsparte zog der Konzern aber schon nach kurzer Zeit die Notbremse. Man siehe derzeit keine Chance, derartigen Dünnschicht-Solarmodulen in Deutschland rentabel herzustellen. Und eines steht für Schüco felsenfest: Egal in welcher Form, der Konzern werde, nach den Worten von Sprecher Thomas Lauritzen in dieser Woche, „den Standort Großröhrsdorf nicht mehr selbst nutzen.“