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Ein kleines Stück Normalität kehrt zurück

Am Sonntag ist wieder Bauernmarkt in der Hebelei. Doch die Situation im Tierpark ist weiter angespannt.

Rutenhirse schmeckt diesen beiden Sittichen ganz vorzüglich.
Rutenhirse schmeckt diesen beiden Sittichen ganz vorzüglich. © privat

Diera-Zehren. Zum ersten Mal in diesem Jahr wird es am Sonntag einen Bauernmarkt in der Hebelei geben. Das teilte Sven Näther, der den Elbetierpark Hebelei betreibt und auch die Bauernmärkte organisiert, jetzt mit. Nach der Winterpause musste der März-Markt wegen Bauarbeiten an einem Zufahrtsweg, die sich über Monate in die Länge zogen, abgesagt werden. Der für Anfang April geplante Rutenhirsemarkt  fiel dem Coronavirus zum Opfer.  Der soll nun am Sonntag, dem 19. April, nachgeholt werden. 

Näther bezieht sich dabei auf eine Entscheidung der sächsischen Staatsregierung, wonach mobile Verkaufsstände unter freiem Himmel und in Markthallen, die dem Verkauf von Lebensmitteln, selbst erzeugten Gartenbau- und Baumschulerzeugnissen sowie Tierbedarf dienen,  in Sachsen wieder öffnen dürfen. 

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Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) hatte gesagt,  mit der Regelung gäbe man regionalen Produzenten und Direktvermarktern eine Perspektive. Zudem sei die Regelung ein Beitrag zur Sicherung der Lebensmittelversorgung. Denn wenn regionale Produzenten jetzt verkaufen könnten, säten und pflanzten sie auch weiter. Das sichere Ernten im weiteren Jahresverlauf. 

An den mobilen Verkaufsständen gilt, was derzeit überall Gebot der Stunde ist: Es sind mindestens zwei Meter Abstand zu halten und es ist genauestens auf Hygiene zu achten. "Wir werden deshalb Handwaschbecken auf der Wiese aufstellen und Desinfektionsmittel verteilen", so Sven Näther. Wenn sich abzeichnen sollte, dass sich zu viele Menschen auf dem Gelände befänden, würde der Besucherandrang gestoppt und nur so viele Leute hereingelassen, wie zuvor den Markt verlassen haben.  

Rutenhirse stammt aus China und wurde dort schon vor 4.500 Jahren angebaut, damals als einzige Getreideart. In Europa galt sie einst als das Brot des kleinen Mannes, wurde später von Gerste, Weizen und Kartoffeln verdrängt. Die Pflanze wird heute auch zum Schutz vor Bodenerosion angepflanzt, die Rutenhirsestauden können auch als Tierfutter oder Dekoration verwendet werden. Kaufen kann man sie am Stand des Elbetierparks. Der Erlös kommt dem Tierpark zugute.   

Bis jetzt hätten sich 14 Händler angemeldet. "Das ist für die gegenwärtige Situation beachtlich", so Näther. Das Bauerncafé, das der Tierpark betreibt, ist geöffnet, es darf sich aber niemand hinsetzen. "Wir verkaufen lediglich Kaffee in Pappbechern zum Mitnehmen, auch wenn das unserer Philosophie widerspricht", sagt der Tierparkchef. 

Er ist auf die Einnahmen aus Imbiss, Standgebühren der Händler und Parkgebühren der Besucher zwingend angewiesen. Denn seit Wochen ist der Tierpark geschlossen, er hat keine Einnahmen, doch die Ausgaben laufen weiter.  Das gesamte Ostergeschäft ist weggebrochen. Am Ostersonntag war ein großes Tierparkfest geplant. "Das Wetter war super, alles hätte perfekt gepasst",  bedauert er. 

Näther hat es ausgerechnet. Jeden Monat sind 14.000 Euro nötig,  um den Tierpark am Laufen zu halten.  Weil in den Wintermonaten weniger Besucher kommen,  muss im Sommer ein finanzielles Polster geschaffen werden. Das ist im Moment überhaupt nicht möglich. Der Betreiber hat Soforthilfe beantragt und auch bewilligt bekommen, ausgezahlt ist das Geld aber noch nicht. "Es reicht aber gerade einmal für einen Monat", sagt er. 

Nur dank zahlreicher Futter- und Geldspenden kann der Tierpark derzeit überleben.  Die Tiere sind "fressendes Kapital", wie er sagt, kein Band, das man einfach abschalten kann. Und auch seine Mitarbeiter kann er nicht einfach ins Homeoffice schicken. Die Tiere wollen gefüttert, gepflegt, die Ställe ausgemistet werden. "Das kann man nun mal nicht am Computer bequem von zu Hause aus machen", so der Tierparkchef.   

Er hat Sorge, dass auch nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen weniger Besucher kommen.  Der Tourismus sei völlig am Boden, die Gaststätten seien geschlossen. Viele Menschen hätten durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit weniger Geld in der Tasche und würden sich dann möglicherweise einen Tierparkbesuch sparen, fürchtet er.   "Ich will gar nicht daran denken, was passiert, wenn es in diesem Jahr eine weitere Katastrophe gäbe, eine Dürre oder ein Hochwasser etwa. Ich bin zwar Optimist und Kämpfer, schaue nach vorn.  Doch in solch einem Fall würde das auch nicht mehr helfen", sagt er. In diesem schlimmsten Fall bliebe nur noch, die Tiere zu verkaufen und zu schlachten und den Tierpark zu schließen.

Auf Hilfe der Gemeinde Diera-Zehren kann er weiterhin nicht hoffen. "Einige Tiere gehören der Gemeinde, die füttere ich mit durch. Ich habe die Bürgermeisterin angeschrieben und gefragt, was mit diesen Tieren werden soll", sagt er. Eine Antwort hat er nicht erhalten.  Der Tierparkbetreiber hofft nun vor allem auf eines: Dass der Freistaat die Einschränkungen lockert und er seinen Tierpark bald wieder für Besucher öffnen kann.  Ganz ohne Tiere müssen die Besucher des Bauernmarktes aber auch am Sonntag nicht auskommen. Um 11, 14 und 16 Uhr werden am Eingang die Minischweine gefüttert. Auch ein anderes Schwein wird dort stehen, ein Sparschwein für Spenden an den Tierpark. 

Spenden für den Elbetierpark können auch unter dem Konto bei der Sparkasse Meißen, IBAN 8505 5000 3100 0050 65, BIC: SOLADES1MEI, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark eingezahlt werden. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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