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Am Spitzhaus sieht es duster aus

Sorgen. Das berühmte Lokal und Wahrzeichen von Radebeul ist nachts nicht mehr beleuchtet. Das nährt alte Gerüchte über eine nahende Pleite.

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Von Claudia Parton

In der Küche im Spitzhaus dampft die Pilzcremesuppe, in Radebeul köcheln derweil die Gerüchte: Das berühmte Panoramarestaurant, hoch auf dem Berg der Lößnitz gelegen und ein Wahrzeichen der Stadt, verschwindet nachts auf einmal sang- und klanglos in der Dunkelheit. Bisher hatten wattstarke Leuchten dafür gesorgt, dass die gelbe Fassade auch ohne Mondlicht nicht zu übersehen war. Die Lampen hat der Betreiber Michael Andreas nun abschalten lassen. Warum, will er nicht verraten.

Das gibt alten Gerüchten erst recht neue Nahrung, wonach das Haus – durch langen Leerstand und Betreiberwechsel nach der Wende ohnehin eines der Sorgenkinder der Stadt – immer tiefer in die finanzielle Krise gerät. Der Restaurantmeister hatte das Haus aus dem 17. Jahrhundert vor zehn Jahren übernommen und saniert. Später kamen weitere Lokale hinzu.

Wirt hüllt sich in Schweigen

Doch damit hat er sich offenbar übernommen: Berichten, wonach sich die Schulden auf drei Millionen Euro belaufen, hat Andreas bisher nicht widersprochen. Zwei seiner Lokale hat der Wirt mittlerweile geschlossen oder verkauft. So malen einige Radebeuler bereits das Ende des Traditionslokals an die Wand.

Andreas will die Gerüchte nicht kommentieren. Das Gebäude gehört allerdings der Stadt Radebeul, mit welcher der Wirt einen Erbbaurechtsvertrag geschlossen hat. „Der Zins dafür wird bei uns pünktlich bezahlt“, sagte Jörg Müller (parteilos), der Erste Bürgermeister Radebeuls. Es sei zwar schön gewesen, das alte Winzerhaus hoch auf dem Berg bei Nacht angeleuchtet zu sehen. Anweisen könne er das jedoch nicht. Zudem habe auch die Stadt aus Kostengründen jede zweite Straßenlaterne ausgeknipst – ohne kurz vor der Pleite zu stehen.

Auch der Regionalgeschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), Volkmar Heinrich, hat keine Hinweise darauf, dass Andreas seinen etwa 40 Mitarbeitern Löhne schulden könnte. „Bei uns hat sich zumindest niemand gemeldet.“

Bisher haben die Gerüchte dem Betrieb auf der Lößnitz keinen Abbruch getan. Das berühmte Lokal ist vor allem an den Wochenenden voll. Es bleibt abzuwarten, ob sich Andreas so selber von den Schulden befreien kann.