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Riesa

Ambitionierte Pläne fürs Elbufer

Riesa bekommt Millionen für den Stadtumbau. Die SZ hat gefragt, wohin das Geld fließen soll – und wohin nicht.

Aus Richtung Sparkasse schlängelt sich dieser Weg Richtung Elbe. Die Brachfläche könnte in den kommenden Jahren neu belebt werden, etwa mit einem Spielplatz. Möglich macht es eine millionenschwere Förderung von Bund und Land.
Aus Richtung Sparkasse schlängelt sich dieser Weg Richtung Elbe. Die Brachfläche könnte in den kommenden Jahren neu belebt werden, etwa mit einem Spielplatz. Möglich macht es eine millionenschwere Förderung von Bund und Land. © Sebastian Schultz

Riesa. Was die Eckpunkte angeht, scheint bereits weitgehend Einigkeit zu herrschen. Die Lücke am Elberadweg soll geschlossen, die Außenanlage der 1. Grundschule saniert und neue Freizeitbereiche in der Nähe zur Elbe geschaffen werden. Insgesamt 4,8 Millionen Euro will Riesa in den kommenden Jahren in die eigene Innenstadt investieren. 

Geld, das gut angelegt sein will. Über die Details wird wohl Anfang Oktober noch etwas konkreter diskutiert werden. Dann trifft sich die Arbeitsgemeinschaft „Innenstadt neu gedacht“ wieder, in der verschiedene Riesaer Akteure Ideen für die Zukunft des Riesaer Stadtkerns sammeln.

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Während sich die AG-Mitglieder über die Förderzusage freuen, wird über die Verwendung der Mittel teils kontrovers diskutiert. Der designierte FDP-Stadtrat Gunnar Hoffmann hatte schon Ende vergangener Woche über die Förderzusage geschrieben: „Das sind sehr gute Nachrichten. Noch besser werden sie, wenn die Gelder an der richtigen Stelle angelegt und keine halbherzigen oder übereilten Entscheidungen zur Verwendung getroffen werden.“ 

Der Spielplatz auf der Brachfläche An der Gasanstalt sollte beispielsweise nicht überhastet geplant werden. Wenn die Bebauung an der Breiten Straße teilweise abgerissen werden soll, dann sei das möglicherweise der bessere Standort – weil näher am Puschkinplatz. 

Der Maßnahmeplan der Stadt sehe zum Beispiel auch den Ankauf von Immobilien vor. „Aber solange es keine Ziele gibt, was dann damit passieren soll, ergibt das keinen Sinn.“ Auch der geplante Rückbau der Hafengebäude vor dem ehemaligen Muskator-Gelände dürfe nur das letzte Mittel sein. Vor allem sieht Hoffmann großen Bedarf an neuem Stadtgrün.

Die Linke-Stadträtin Uta Knebel plädiert ebenfalls dafür, nun „in der Sache zu schauen: Was lohnt sich, um die Innenstadt zu beleben?“ Mit Geschäften alleine sei es da nicht getan. Insofern sei insbesondere der Vorschlag eines Spielbereichs auf der Wiese hinter der Sparkasse eine gute Idee. Auch, weil damit Leben an die Elbe geholt werden könne. Kritisch sieht Knebel hingegen, dass die Stadt für das Citymanagement eine zusätzliche Stelle schaffen möchte. 

„Wir haben in der Vergangenheit ja unsere Erfahrungen mit diesen künstlich geschaffenen Posten gemacht“, sagt Knebel und führt die Beispiele Wirtschaftsförderer und Beteiligungsmanager an. Ihr wäre es lieber, die Akteure vor Ort besser einzubinden, etwa die Werbegemeinschaft Innenstadt Riesa (WIR). Auch im Rathaus mangele es nicht an Fachwissen. 

„Wir haben fähige Leute in der Verwaltung sitzen, die ja schon die Vorbereitungen für den Förderbescheid geschaffen haben.“ Gunnar Hoffmann widerspricht hier: Im Grunde solle der Citymanager vor allem die Händler zusammenbringen, ähnlich wie ein Centermanager. Da brauche es kommunikative Leute, kein Verwaltungspersonal. „Kritischer sehe ich da eher die 30 000 Euro Beratungshonorar, die wir jetzt jährlich an das Leipziger Büro zahlen.“

Andree Schittko sieht diesen Punkt nicht ganz so kritisch. „Dass es einen Citymanager geben soll, finde ich sehr begrüßenswert. Das kann eine Schnittstelle sein, an der die Fäden zusammenlaufen.“ Der Centermanager der Elbgalerie mahnt aber dennoch: „Man sollte genau überlegen, wen man da ins Boot holt. Denn derjenige wird als Erstes mit Befindlichkeiten zu kämpfen haben.“ 

Von der geplanten Belebung des Elbufers, etwa durch den Freizeitbereich hinter der Sparkasse, erhofft er sich auch positive Effekte für den Handel. „Alles, was in der Innenstadt passiert und zum Wohlfühlen und Verbleiben einlädt, kann sich nur positiv auswirken.“ Da sei ihm eigentlich alles recht. Aber die Stadt solle schon genau schauen, wie das Geld optimal angelegt sei – am besten gemeinsam mit den anderen Beteiligten, sagt Schittko, der selbst Mitglied bei der WIR ist. 

Einzelprojekte will er eigentlich ungern hervorheben, sagt Schittko noch. Gerade beim Thema Stadtentwicklung zähle das Paket. An Ideen für dieses Paket habe es in den vergangenen Monaten jedenfalls nicht gefehlt, bestätigt auch CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen. „Leider ist beispielsweise die Altstadt aus dem Fördergebiet gefallen.“ 

Eine Aufwertung der Poppitzer Straße als Verbindung zum Museum sei eine Idee gewesen, auch ein Höhenweg im Stadtpark, um die Aufenthaltsqualität dort zu erhöhen. Die Liste ließe sich quasi endlos fortsetzen, deutet Centermanager Andree Schittko an. 

„Ich träume seit 20 Jahren davon, Riesa als Mittelzentrum zwischen Leipzig und Dresden zu etablieren.“ Die Chance habe die Stadt nach wie vor, glaubt er. „Aber das ist ein viel größeres Paket als die drei Millionen Euro Fördergeld.“