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Eine Amerikanerin in Pirna

Margaret Thompson ist durch ganz Europa gereist und auf der Suche nach ihren Wurzeln ausgerechnet an der Elbe hängen geblieben.

Die Kleidung zeigt, wie sich Margaret Thompson fühlt: Als Amerikanerin mit deutschen Wurzeln.
Die Kleidung zeigt, wie sich Margaret Thompson fühlt: Als Amerikanerin mit deutschen Wurzeln. © Daniel Schäfer

Irgendwann wollte Margaret etwas "total anderes" machen und sie machte sich auf den Weg zu ihren Wurzeln. Sie ist in Kalifornien geboren, ihre amerikanische Mutter lernte ihren britischen Vater im deutschen Osnabrück kennen. Die Reise zu ihren deutschen Wurzeln führte Margaret mehrfach nach "Old Germany". Das erste Mal 2002. Sie reiste damals auch durch Spanien und  England und versuchte zweimal, im Land ihrer Wurzeln Wurzeln zu fassen. Zweimal kaufte sie Tickets für hin und zurück. Beim dritten Mal nur das nach Deutschland. 

Einmal Naundorf und zurück

Sie ging auf Wanderschaft, ähnlich dem "Reisen und Arbeiten". Die zweite Station nach einem Bauernhof im Fränkischen war das Caritas-Heim in Naundorf. Nicht ahnend, dass sie schon bald zurückkommen würde. Noch war Berlin ihr eigentliches Ziel. Dort führte sie die Arbeit in ein "ganz komisches Haus". Sie sollte es verwalten, doch irgendwie fehlte alles. Sie überlegte eine Woche, rief schließlich zwei Freundinnen an. Eine in Naundorf und eine in Dresden. Beide sagten: "Komm her." Sie kam im Juli 2016 und blieb. "Ich wollte ja auch nicht ewig mit dem Rucksack herumziehen", sagt die heute 39-Jährige.

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Sie hat sich inzwischen in Pirna eingerichtet. Sie arbeitet freiberuflich als Englisch-Lehrerin, unter anderem für die Volkshochschule und zwei Schulen in Dresden. Da lernt sie selbst noch viel dazu. Genau wie beim Backen von Eierschecke. Sie wandert gern und viel, auch allein, ist viel mit dem Fahrrad unterwegs, ist in verschiedenen Gruppen aktiv. Erst kürzlich machte sie bei der multikulturellen Modenschau auf dem Sonnenstein mit, zog ein Dirndl und Cowboystiefel an.

Sehr deutsch, sehr amerikanisch

Die Mutter in Amerika, die Tante in England, sie selbst also in Pirna. In England ist sie Amerikanerin und Deutsche, in Amerika Deutsche und Engländerin und hier Amerikanerin, Engländerin, Ausländerin, Exotin. Von allem etwas, was Margaret durchaus als Vorteil sieht. "Ich kann mir raussuchen, wer ich bin, und es erlaubt mir, ein bisschen anders zu sein." Mit allen Konsequenzen. 

Manchmal glaubt sie, sehr deutsch zu sein. Wenn sie im Radio deutsche Schlager aus den späten 1970ern, frühen 80ern hört und sie kennt. Diese Musik hat ihre Familie früher immer sonntags gehört. Und dann wird ihr wieder bewusst, wie eben doch auch sehr amerikanisch sie ist. Als sie einer Freundin zur Geburt ihres Kindes eine Karte nach Amerika schicken wollte und keine passende fand, nahm sie einfach eine Geburtstagskarte. "Es ist doch ein Geburts-Tag", sagt sie und sah das ganz locker. Im Gegensatz zu manchen hiesigen Freunden.

Eine Bemerkung, die weh tut

Rassismus ist ein Thema, das sie bewegt. Meist als Beobachter, selten als Opfer. So wie erst vor wenigen Tagen im Geibeltbad, in dem sie ab und zu als Rettungsschwimmerin arbeitet. Dort musste sie sich anhören, sie solle endlich mal Deutsch lernen. Sie antwortete einfach "Ja." Weh getan hat es trotzdem, sagt sie. Margaret kann so einen Satz einordnen. "Das war eine einzelne Frau, es gibt so viele andere." Sie liebt es, hier zu sein. Dennoch sind das Momente, in denen sie daran denkt, wie es eben denen geht, denen man gleich ansieht, dass sie irgendwie nicht von hier sind. Manchmal, wenn die Leute in ihrer Anwesenheit von Ausländern sprechen, sagen sie dann: "Aber du nicht." 

Margaret hat den amerikanischen und britischen Pass. Damit hat sie gleich zwei Probleme. Als Britin ist sie in Deutschland. Das heißt, bis Ende des Jahres ist das noch unproblematisch. Bis dahin muss sie klären, wie es weitergeht. Sie ist hier angekommen, will hier bleiben. Ob das so aufgeht? "Niemand weiß das." Und dann soll sie auch immer die amerikanische Politik und Trump erklären und warum sie ihn gewählt haben. "Amerika ist groß und komplex, ich kann nicht alles erklären", sagt Margaret. "Aber Trump macht viel kaputt." Sie sagt zwar, "Politik ist nicht mein Ding", aber sie sagt auch: "Man muss ein bisschen wach sein." 

Mit diesem Namen muss sie ein Buch schreiben

Margaret hat in Amerika Literatur studiert. Mit diesem Wissen und diesem Namen "Margaret Thompson" muss man ein Buch schreiben, sagt sie. Eines über das Anderssein hier und dort, in das ihre Erfahrungen einfließen. Angefangen hat sie schon. "Es ist ein großes Thema." 

Was sie in fünf oder zehn Jahren macht? "Sobald ich einen Plan mache, geht es in die andere Richtung", sagt sie. Deutschland war die Herausforderung, die sie gebraucht hat. Jetzt ist es ein Zuhause geworden. 

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