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Amerikaner pflegen Großcousine in Zittau

Alex und Michael Grishin sind eigentlich nurzu Besuch in die Stadt gekommen. Jetzt wollensie am liebsten nichtmehr in die USA zurück.

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Von Annett Weckebrod

Die beiden Amerikaner Alex und Michael Grishin sind begeistert von Zittau und der Oberlausitz. Für drei Wochen sind sie hier zu Besuch bei ihrer Verwandtschaft. Die 86-jährige Cousine ihrer Mutter lebt hier mit ihrer Tochter. Jutta Köhler, die durch eine kaputte Hüfte nicht mehr richtig laufen kann, freut sich: „Die beiden helfen mir, wo sie können. Ich bin froh dass sie da sind.“ Alex und Michael gehen für die alte Dame einkaufen und helfen ihr die Treppe zur Arztpraxis ihrer Tochter im Erdgeschoss des Hauses zu überwinden. „Die Familie hält eben zusammen“, sagt die 86-Jährige. Zum Fest hat sie die Großfamilie in Zittau erwartet. Denn nicht nur hier haben die amerikanischen Besucher ihre Verwandtschaft. Vor allem aus dem Raum Meißen, wo die Mutter der Amerikaner vor ihrer Auswanderung lebte, sind sie schon öfter gewesen.

„Meine Cousine ist 1960 nach North Carolina gegangen“, berichtet Jutta Köhler. Dort sind auch Alex und Michael aufgewachsen. Michael lebt noch immer dort. Wenn er seinen Bruder Alex in Arizona besuchen will, ist er drei Stunden mit dem Flieger unterwegs.

In Zittau habe ihnen besonders der Weihnachtsmarkt gut gefallen. Hier haben sie Bratwürste und Knoblauchbrot gegessen, Glühwein getrunken und Pulsnitzer Pfefferkuchen gekauft. Die gibt es nämlich in den USA nicht, berichten sie. Auch so was wie Weihnachtsmarkt kennen sie aus ihrer Heimat nicht. Alex Grishin ist zum ersten Mal in Zittau. Die Stadt gefalle ihm außerordentlich gut, sagt er. „Wir werden uns alles anschauen, das Stadtmuseum, die Fastentücher, das Rathaus“, sagen die beiden Brüder.

Besonders gut findet Michael Grishin die alte Bausubstanz der Stadt. Ein Haus auf dem Markt, das noch nicht saniert ist, gefalle ihm besonders, schwärmt er. „Hier sieht man richtig, wie alt die Stadt ist.“

Bei seinem vorherigen Besuch im Frühjahr ist er schon einmal auf dem Oybin gewesen. Die Klosterruine will er seinem Bruder auf jeden Fall auch noch zeigen. Mit der Kleinbahn wollen sie dorthin fahren, berichtet er. „Das haben wir uns alles im Internet schon rausgesucht“, sagt Michael Grishin. Mit einem deutschen Bekannten waren sie bereits bei einem Eishockeyspiel in Liberec. Sie haben noch viel vor in den nächsten Tagen.

In Deutschland gefällt es den beiden Amerikanern so gut, dass sie am liebsten bleiben wollen. Michael Grishin könnte sich sogar vorstellen, in Zittau zu leben. Hier im Osten von Deutschland seien die Menschen viel aufgeschlossener und freundlicher, sagt er. Aber um hier leben zu können, müsste er hier eine Arbeit finden. In Deutschland einzuwandern sei sehr kompliziert, sagt Michael Grishin.

Sein Bruder Alex hat es vor ein paar Jahren schon einmal in Stuttgart versucht. Eine renommierte Firma suchte Mitarbeiter und der Ingenieur hat sich beworben. Ihm wurde ein deutscher Bewerber vorgezogen, wie er berichtet. „Als Amerikaner ist es schwer, in Deutschland Arbeit zu finden“, sagt der 45-jährige Hochschuldozent. Allerdings könnten die beiden auch ihre Häuser in Amerika gerade nicht verkaufen, weil die Immobilienpreise noch immer im Keller sind. „Nach Zittau kommen wir gerne wieder“, da sind sich die beiden Amerikaner einig.