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Amt: Lidl fällt illegal Bäume

Invasion. Trotz schon jetzt bestehender 16 Märkte kommen demnächst in Pirna weitere drei dazu.

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Von Marco Mach

Hier entsteht ein neuer Lidl-Lebensmittelmarkt! Voraussichtliche Eröffnung: Oktober 2006“, ist auf einem Schild an der Pirnaer Rudolf-Renner-Straße, kurz vorm Aufgang zur Stadtbrücke, zu lesen. Dahinter wühlen sich Bagger durchs Erdreich.

Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch hier schon: Denn hinter den Kulissen rumort es schon länger gehörig, scheint so einiges schief zu laufen. Zunächst hatte ein Nachbar geklagt, der in dem Markt eine Störquelle sieht – vergeblich; das Oberverwaltungsgericht wies das Ganze in einem Eilverfahren ab. Die Anwohner blieben aber weiter empört. Weil Lidl nicht nur das Haus Nummer 10 abreißen, sondern vor allem kürzlich alle rund 30 Bäume auf dem Areal fällen ließ, noch dazu – wie sich herausstellte – ohne Erlaubnis.

Die Stadt Pirna genehmigte zwar im August 2005 die Fällung in der dafür zulässigen Zeit bis Ende Februar. Für die Zeit vom 1. März bis 30. September muss allerdings die untere Naturschutzbehörde für eine Fällung grünes Licht geben, was laut dem Landratsamt nicht geschah. Deshalb prüfe die Behörde momentan, informiert Sprecherin Annette Hörichs, ob ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren eingeleitet werde oder nicht.

In der Lidl-Immobilienabteilung in Lampertswalde bei Großenhain will man nach SZ-Anfrage von illegalen Baumfällungen nichts wissen. „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren“, sagt ein Mann, der namenlos bleibt, und verweist die SZ ans Generalbauunternehmen, die Firma Quast in Radeburg. Doch auch dort weiß niemand über die Vorgänge Bescheid, die Abrissarbeiten hätte eine andere Firma erledigt ...

Ein Schandfleck weniger

Auch mit Informationen über den entstehenden Markt hält sich Lidl zurück. Stadtentwickler Steffen Möhrs hilft aus: Es werde ein Standardbau mit 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Hauptzufahrt erfolge über die Renner-Straße, die Anlieferung an der Brücke parallel zum Bahndamm, damit das Störpotenzial für die Anwohner so gering wie möglich sei. Lidl hätte auch die Auflage, als Ausgleich neue Bäume zu pflanzen.

Zudem sind laut dem Stadtentwickler 110 Stellplätze geplant. Diese sollen jedoch nicht nur den Lidl-Kunden zur Verfügung stehen, sondern auch den Einkaufswilligen auf der Hauptstraße und so das dortige Parkplatzproblem lösen. Das sei auch ein Grund, warum die Stadt an dieser Stelle überhaupt eine weitere Marktansiedlung genehmigt habe. Schließlich gibt es in Copitz und Gesamt-Pirna jetzt schon nicht wenige, genau 16, solche Einkaufsmöglichkeiten. Weitere Gründe waren: „Wir wollen die Marktwirtschaft nicht außer Kraft setzen. Und außerdem hat Pirna durch den Bau einen Schandfleck weniger“, so Möhrs. Die Kreisstadt wirkt derzeit sowieso ungemein anziehend auf die großen Ketten. Nachdem Plus erst kürzlich an der Äußeren Pillnitzer Straße einen neuen Markt eröffnete, ist der nächste schon in Planung – auf dem Gelände der ehemaligen Felsenkeller-Brauerei an der B 172, gegenüber dem alten Krankenhaus. Dieser würde laut Möhrs jedoch den Altstädtern sehr zu Gute kommen.

Aber mehr noch: Ab dem 3. Juli baut auch Aldi auf dem Sonnenstein, in der Nähe von Netto und Kaufland, einen weiteren Markt. Das Bauschild steht bereits an der Struppener Straße, die ehemalige Best-Kaufhalle ist schon abgerissen. Bleibt zu hoffen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht – und sich genügend Kunden finden.