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Die Ex-Freundin beleidigt und bedroht

Nach der Trennung stellt ein Großenhainer seiner Verflossenen nach. Es bleibt nicht bloß bei Handy-Nachrichten.

Nicht nur mit unflätigen Handy-Nachrichten stellte ein Großenhainer seiner Ex-Freundin nach. Das brachte ihn jetzt vors Amtsgericht in Riesa.
Nicht nur mit unflätigen Handy-Nachrichten stellte ein Großenhainer seiner Ex-Freundin nach. Das brachte ihn jetzt vors Amtsgericht in Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa/Großenhain. Zentimeterdick ist der Ordner mit den ausgedruckten Nachrichten auf Herbert Zapfs Tisch. "Das sind wirklich bergeweise Nachrichten", sagt der Amtsrichter, als er darin blättert, "da ist jede Einzelne eine Anklage wert." 

Über Monate hinweg hatte der Angeklagte B. seiner Ex-Freundin geschrieben, sie über den Kurznachrichtendienst WhatsApp aufs Übelste beschimpft, beleidigt, bedroht. Nun sitzt er deswegen vor dem Riesaer Amtsgericht. Es ist nicht ganz ungewöhnlich, dass nach dem Ende einer Beziehung böse Worte fallen, mit ähnlichen Fällen hat das Amtsgericht laut Herbert Zapf des Öfteren zu tun. "Angezeigt werden sie aber meistens  erst, wenn es Richtung Stalking geht." 

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Anzügliche Fotos der Ex veröffentlicht

So auch im Fall des gebürtigen Meißners. Denn bei den beleidigenden Handynachrichten ist es nicht geblieben, nachdem sich das Paar 2019 getrennt hat. Mitte Mai 2019 beschmiert er zunächst die Wohnungstür der Ex mit einem Edding. "Lutsche für ein Dosenpfand" und weitere herabwürdigende Sprüche schreibt der 36-Jährige an den Eingang. 

Zehn Tage später steht er schon wieder an der Wohnung. Diesmal versuchte er, die Tür aufzuhebeln. Ebenfalls im Frühjahr 2019 teilt B. ein Foto, das ihm die 22-jährige Großenhainerin wohl einmal geschickt hatte, als beide noch zusammen waren, als Statusbild. Unter die anzügliche Pose schreibt er "Schäm dich, Nutte". 

Hintergrund der Taten war wohl auch ein Sorgerechtsstreit. So jedenfalls stellt es B. selbst dar. Fünf Jahre sei er mit der Frau zusammen gewesen, 2015 das gemeinsame Kind geboren. Seine Ex-Freundin habe einfach die Trennung nicht akzeptiert. Danach habe sie  ihn vom Kind fernhalten wollen, er dürfe nur unter Aufsicht des Jugendamts Zeit mit ihm verbringen. "Es gibt halt Momente, wo ich echt emotional bin", gesteht er. 

Angeklagter ist mehrfach vorbestraft

Mitte Juni 2019 führten diese emotionalen Momente schließlich zu regelrechten Ausrastern. Als er eines Abends den neuen Lebensgefährten seiner Ex im Auto an der Kreuzung sieht, stellt er sich mittig vor den Wagen, bedroht ihn und fordert ihn zum Aussteigen auf. Anschließend schlägt er auf die Motorhaube ein. 

Den Schaden am Wagen beziffert die Staatsanwaltschaft mit 1.000 Euro. Nur Tage später wird B. auch gegenüber seiner Ex-Freundin handgreiflich. Er passt die junge Frau offenbar ab, als sie am Morgen mit dem Rad unterwegs ist, stoppt sie unsanft, indem er ihren Lenker festhält.

 Er schlägt ihr mit der flachen Hand ins Gesicht und schreit sie an. Erst als eine Zeugin einschreitet, lässt er von der Frau ab und zieht von dannen - nicht, ohne noch zu drohen, ihren "Macker umzubringen".

Es war nicht das erste Mal, dass dem Großenhainer sein Temperament Probleme bereitet hat. Seit 1997 hat der Hartz-IV-Empfänger stattliche 22 Eintragungen im Bundeszentralregister angesammelt.

 Neben Diebstahl, Raub und Betäubungsmitteldelikten ist darunter auch eine ganz ähnliche Beziehungstat. 2013 und 2014 soll er seine damalige Ex ebenfalls mittels Nachrichten bedroht und beleidigt haben. 

Knapp an der Haftstrafe vorbei

Die Ex-Freundin ist vor Gericht nicht erschienen. Trotzdem räumt der Angeklagte die Taten allesamt ein. Kontakt zu der Frau habe er nicht mehr, mittlerweile ist er auch in einer neuen Beziehung. Das sind Faktoren, die sich am Ende positiv aufs Urteil auswirken. 

Es sieht nicht so aus, als würde er der Frau noch weiter nachstellen, so die Bewertung durchs Gericht. Zudem liegen die anderen Straftaten des Mannes schon einige Jahre zurück. Deshalb muss B. am Ende nicht ins Gefängnis: Herbert Zapf verurteilt ihn unter anderem wegen Beleidigung und Körperverletzung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung. 

Mit einer Geldstrafe, wie vom Angeklagten in seinem letzten Wort gefordert, sei es angesichts der "Heftigkeit und Impertinenz", die B. an den Tag gelegt habe, nicht mehr getan. In der zweijährigen Bewährungszeit muss der 36-Jährige außerdem 150 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Das Urteil hat er bereits akzeptiert. 

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