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An der Angel

Zwei Männer stehlen, weil sie Geld für Drogen brauchen. Diesmal geht es ohne Blutvergießen ab.

Von Jürgen Müller
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Symbolfoto
Symbolfoto © Volker Hartmann/dpa

Meißen. Man sieht sich im Leben immer zweimal, sagte Ex-Fußball-Bundestrainer Berti Vogts mal. Manchmal auch noch viel öfter. Der Richter und die beiden 32 und 38 Jahre alten Angeklagten haben sich schon mehrere Male gesehen. Nun sitzen die beiden erneut und diesmal gemeinsam auf der Anklagebank. 

Beide sind schwer alkohol- und drogenabhängig. Das kostet Geld. Das ist schnell alle, aber noch jede Menge Monat übrig. Und weil es noch lange dauert bis zur nächsten Stütze, muss eben Geld beschafft werden. Dem Jüngeren der beiden hätte das beinahe mal das Leben gekostet. Der versuchte nämlich einmal, in die Radebeuler Friedenskirche einzubrechen. Bei dem Versuch, ein Fenster im hinteren Teil der Kirche einzuschlagen, verletzt sich der Mann schwer. Das Blut floss in Strömen.

Diesmal geht der Diebstahl wenigstens ohne Blutvergießen ab. Im Januar dieses Jahres sollen die beiden in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses in Coswig eine komplette Angelanlage im Wert von 1.500 Euro gestohlen haben. Der Eigentümer hatte es ihnen aber auch leicht gemacht. Er wollte am nächsten Tag in den Angelurlaub fahren, hatte die Ausrüstung in der Tiefgarage abgestellt. Und so nehmen die beiden die Angelausrüstung mit, verstauen sie in einem leeren Keller, sichern diesen mit einem Vorhängeschloss. 

„Es hatte sich angeboten, da haben wir es gemacht“, sagt der Jüngere. Er wird aus dem Gefängnis vorgeführt, muss eine Strafe von einem Jahr absitzen. Zwar ist er in Berufung gegen das Urteil gegangen, erschien aber nicht zur Verhandlung. So wurde das Urteil rechtskräftig. Ihren ursprünglichen Plan, die Angelausrüstung zu Geld für Drogen zu machen, können sie aber nicht umsetzen. 

Auch zwei Ladendiebstähle werden ihnen vorgeworfen. Sie stahlen Alkohol und einen USB-Stick. Den hatte der Ältere bei dem Jüngeren „bestellt“. Die geklauten Waren wollten sie für sich behalten, beteuern sie. Beim Alkohol mag man das glauben, USB-Sticks hingegen sind ein gern genommenes „Zahlungsmittel“ für Drogen.

Die Staatsanwältin beantragt für beide Haft ohne Bewährung. Doch Richter Andreas Poth urteilt milder. Der Jüngere muss zwar für weitere sechs Monate ins Gefängnis, die Staatsanwältin hatte allerdings ein Jahr gefordert. Der andere kommt sogar mit einer Geldstrafe von 600 Euro davon. 

Der Grund für die außergewöhnliche Milde: Ohne die Geständnisse hätten die beiden wohl gar nicht verurteilt werden können. Zwar sind sie bei den Ladendiebstählen auf Überwachungskameras zu sehen, aber nicht beim Diebstahl selbst. Und auch dass sie die Angelausrüstung gestohlen haben, wäre wohl nicht nachzuweisen gewesen. Der Richter kritisiert, dass wenig ermittelt wurde. So seien an der Ausrüstung nicht mal DNA-Spuren gesichert worden.

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