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An der Katastrophe vorbeigeschrammt

Eine Lkw-Panne im Tunnel Königshainer Berge endet glimpflich. Trotzdem wird in die Umleitungsstrecke investiert.

© Danilo Dittrich

Von Alexander Kempf, Wulf Stibenz und Thomas Christmann

Kodersdorf. Wer am Dienstagmorgen durch die nördliche Röhre des Autobahntunnels Königshainer Berge gefahren ist, dem sind die Streifen an der Tunnelwand womöglich gar nicht aufgefallen. Der Schaden, den in der Nacht zuvor ein Schwerlasttransporter verursacht hat, ist relativ unscheinbar. Zum Glück. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich der Sattelzug in dem engen Tunnel verkeilt hätte. Stattdessen ist die hinterste Achse des selbstlenkenden Anhängers kurz nach der Einfahrt in die Röhre nach rechts geglitten. Der unbeladene Anhänger bricht so aus und schleift rund hundert Meter lang an der Tunnelwand entlang, ehe das Fahrzeug zum Stehen kommt. Ein technischer Defekt sei laut Polizeisprecher Thomas Knaup für den Vorfall verantwortlich.

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Die Beamten sperren die rechte Fahrspur am Montagabend, bis das Abschleppunternehmen Dussa vor Ort ist. Aus eigener Kraft hätte der in den Niederlanden zugelassene Schwerlasttransporter den Autobahntunnel nicht mehr verlassen können. Komplett dicht gemacht wird die nördliche Röhre trotz des liegengebliebenen Fahrzeugs aber nicht. „Da zu jedem Zeitpunkt eine sichere Verkehrsführung über eine Fahrspur mit einer reduzierten zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern gewährleistet war, gab es auch keinerlei Grund, den Tunnel zu sperren“, erklärt die Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Isabel Siebert haben gestern mehrere Presseanfragen zu dem Autobahntunnel erreicht. Das ist wenig verwunderlich. Denn Unfälle im Tunnel wecken unschöne Erinnerungen. Erst im Mai 2013 ist dort ein Lastwagen ausgebrannt und hat so für eine monatelange Sperrung der Autobahn in der Gegenrichtung gesorgt.

Gerade die angrenzenden Gemeinden Kodersdorf und Waldhufen haben sehr unter den Umleitungen gelitten. Ähnliches ist diesmal aber nicht zu befürchten. „Bis auf ein paar oberflächliche Kratzer an der Betonwand und eine kaputte Löschwasserklappe hat der Lkw keinen Schaden im Tunnel Königshainer Berge angerichtet“, informiert Isabel Siebert. Das dürfte vielerorts für Aufatmen sorgen. Nicht zuletzt wohl beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr selbst. Denn die Kosten für die Instandhaltung sind marginal. „Die kaputte Löschwasserklappe zu reparieren ist kaum der Rede wert, die Kratzer an der Wand müssen nicht repariert werden“, so die Pressesprecherin. Sie schätzt die Kosten für eine neue Löschwasserklappe auf maximal 1 000 Euro. Schlimmer hat es das Fahrzeug selbst erwischt. Die Polizei gibt den Sachschaden mit etwa 10 000 Euro an. Weder der 31-jährige Fahrer noch andere Beteiligte sind verletzt worden.

Für die Anrainer ist wichtig, dass der Verkehr weiter über die Autobahn rollt und nicht ausweichen muss. Dem steht laut der Einschätzung des zuständigen Autobahnmeisters, der sich am Dienstagmorgen vor Ort ein Bild vom Schaden gemacht hat, nichts im Wege. „Es wird demnach auch keine Verkehrseinschränkungen für Reparaturarbeiten geben müssen“, sagt Isabel Siebert. Das dürfte nicht nur die Menschen in Kodersdorf und Waldhufen, sondern auch die Polizei freuen. Denn die weiß um die Bedeutung der beiden Röhren. „Der Tunnel ist ein sensibles Nadelöhr“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Schließlich hat der Schwerlastverkehr aus Richtung Polen bundesweit nur vier Möglichkeiten, über die Grenze zu fahren. Die A4 ist eine davon. Und sie wird für die Kraftfahrer aus Osteuropa zunehmend attraktiv. Das lässt sich zumindest aus den Zahlen ableiten, die Nieskys Verantwortlicher für Straßenbau jüngst im Technischen Ausschuss präsentiert hat. „Zurzeit sind täglich rund 30 000 Fahrzeuge auf der A4 zwischen Görlitz und Dresden unterwegs“, sagt Enrico Bachmann. Das bedeute einen deutlichen Anstieg. Denn vor fünf Jahren seien es noch etwa 13 000 Fahrzeuge am Tag gewesen. Muss der Tunnel gesperrt werden, sind die Folgen für Niesky, Kodersdorf und Waldhufen entsprechend dramatisch. „Eine Tunnelsperrung ist ein Extremfall“, sagt auch Stadtrat Norbert Polossek. Trotzdem kommt das immer wieder vor. Einerseits bei den turnusmäßigen Wartungsarbeiten. Aber eben auch bei Unfällen vor oder im Tunnel. Dann müssen die Umleitungsstrecken für den enorm ansteigenden Verkehrsfluss gewappnet sein.

Deswegen will das Landesamt für Straßenbau und Verkehr die Jänkendorfer Kreuzung weiterhin für rund 1,6 Millionen Euro inklusive eines Bypasses ausbauen. Der soll sicherstellen, dass der Verkehr auch bei einer Tunnelsperrung zügig in Richtung Görlitz abfließt. Bei der mehrmonatigen Sperrung im Jahr 2013 ist es an der Kreuzung zu sehr langen Rückstaus gekommen. Damals sind die Straßen der Umleitung teils so stark beschädigt worden, dass das Landesamt diese später in weiten Teilen erneuert hat. So hat etwa die S 122 in Jänkendorf und Nieder Seifersdorf einen neuen Belag erhalten. In Särichen und Kodersdorf stehen Sanierungen noch aus.