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"An die Rente denke ich schon"

Der aus Dohna stammende Fußballer Matthias Döschner gewann mit Dynamo Dresden vier Titel und dreimal den Pokal. Corona hat auch sein Leben verändert.

Ende Februar gab es einen unterhaltsamen Abend mit Matthias Döschner auf Schloss Schönfeld.
Ende Februar gab es einen unterhaltsamen Abend mit Matthias Döschner auf Schloss Schönfeld. © Anne Hübschmann

Der ehemalige DDR-Auswahlspieler Matthias Döschner (62), in Dohna geboren, wechselte vor 30 Jahren von Dynamo Dresden zu Fortuna Köln. Heute lebt er in Marsberg (Ostwestfalen), betreibt eine eigene Handelsvertretung und trainierte bis vor wenigen Monaten den Kreisligisten Eintracht Waldeck/Netze. Die Coronakrise hat auch in Döschners Leben, den Freunde nur „Atze“ rufen, erhebliche Einschnitte hinterlassen. Aber er denkt positiv.

Matthias Döschner, wie geht es Ihnen?

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Gesundheitlich geht es mir und meiner Frau gut, auch in der Familie sind alle gesund. Beruflich läuft es aufgrund der Krise nicht optimal, aber wir werden nicht verhungern. Es geht bei vielen ans Eingemachte, daher werde ich jetzt nicht anfangen zu jammern, auch wenn die Umsätze eingebrochen sind.

Sie haben eine Firma?

Ja, eine eigene Handelsvertretung. Ich verkaufe Produkte für die Schadstoffsanierung, Asbestsanierung, Entkernung, Abbruch und Containerdienst.

Sie verkaufen sicher auch Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel, oder?

Ja, die gehören immer zu unserem Sortiment. Wir haben diesbezüglich auch noch einige Möglichkeiten, Produkte zu liefern, obwohl uns der Markt in China komplett weggebrochen ist. Da geht nichts rein und raus. Zum Glück arbeite ich mit einer Firma in Dresden-Coswig zusammen, die beispielsweise Desinfektionsmittel liefern kann.

Wann waren Sie zum letzten Mal in Sachsen?

Ende Februar. Damals gab es auch noch einen Talk im Schloss Schönfeld mit Moderator Gert Zimmermann. Da war Corona aber schon allgegenwärtig, die Auswirkungen allerdings noch nicht absehbar. Ich hoffe, dass wir bald wieder in der Region sein können.

Wovon ist das abhängig?

Vor allem davon, dass Hotels und Gaststätten öffnen. Ich muss mit den Kunden irgendwo hin und ich selbst brauche auch Übernachtungsmöglichkeiten. In Sachsen geht es noch, da meine Kinder in Dresden und meine Mutter in Kamenz leben. Alles andere ist derzeit kaum machbar.

Würden Sie die Saison in der Fußball-Bundesliga fortsetzen?

Ja, aber nicht ohne Zuschauer. Ich würde länger warten, weiß aber, aufgrund der Verträge, egal ob mit Spielern, Fernsehsendern oder Sponsoren, ist das nicht möglich. Ich war selbst Fußballer, weiß, wie es ist, vor 40.000 oder 50.000 Leuten zu kicken. Ohne Fans macht das keinen Spaß. Ich möchte diese Entscheidung nicht treffen.

Vor 30 Jahren zogen Sie aus Dresden nach Köln um. Welche Erinnerungen haben Sie?

Das war eine absolut verrückte Zeit. Ich war schon 32, plötzlich war die Grenze auf. Jetzt war meine Devise, als Fußballer noch zwei, drei Jahre gutes Geld zu verdienen. Eigentlich wollte ich nach Griechenland zu OFI Kreta wechseln.

Und?

Die Dynamo-Funktionäre hatten vergessen, die Vertreter des Clubs vom Flughafen in Klotzsche abzuholen. Damals drehte sich in Dresden fast alles um die Wechsel von Matthias Sammer und Ulf Kirsten. Die Griechen waren zwar bei unserem 3:1-Heimsieg gegen Lok Leipzig am letzten Spieltag, durch den wir Meister wurden, im Stadion, haben aber die Verhandlungen danach abgebrochen. Das war denen sicher zu chaotisch. Mir lag noch ein Angebot vom FC St. Pauli vor, aber ich bin zu Fortuna Köln gegangen. Auch, weil ich mit Hans-Uwe Pilz und Andreas Trautmann befreundet war und die Kölner uns alle drei verpflichtet haben.

Fortuna wollte in die Bundesliga, oder?

Ja, und ich sage bis heute, hätte Eduard Geyer auf der Bank gesessen, wären wir in die Bundesliga hochgegangen. Der Präsident hat damals überall reingeredet, „Ede“ hätte sich das nicht bieten lassen. Nach elf Spieltagen wurde aber der Trainer entlassen und der Engländer Tony Woodcock unter Vertrag genommen. Aufgestiegen sind wir trotzdem nicht. Hans-Uwe und Andreas sind schon in der Winterpause zurück zu Dynamo, ich bin in Köln geblieben. Eine schwere Verletzung machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ein halbes Jahr später bin ich zurück nach Hause, habe eine Umschulung zum Dachklempner absolviert und bin in die Firma meines Vaters eingestiegen.

Warum sind Sie nicht mehr als Trainer tätig?

Ich habe das zeitlich nicht mehr geschafft, war sehr viel unterwegs. Im Oktober 2019 habe ich beim Kreisligisten SG Eintracht Waldeck/Netze aufgehört.

Überhaupt kein Fußball mehr?

Doch, doch. Ich bin noch mit Dynamos Traditionsmannschaft und der Ost-Auswahl mit vielen ehemaligen DDR-Auswahlspielern unterwegs. Außerdem bin ich bei der Fußballschule Soccer1Camp im Einsatz.

Gibt es auch mal ein Feriencamp hier in der Region?

Ja, darauf hoffe ich immer noch sehr. In der letzten Augustwoche sind wir in Dohna. Der Termin steht, nun müssen wir schauen, dass wir das Feriencamp auch durchführen können. In Nordrhein-Westfalen mussten wir die Camps schon absagen.

Ihre ersten Lorbeeren als Trainer ernteten Sie beim VfL Pirna-Copitz. GuteErinnerungen?

Natürlich, wir wurden 1995/96 Dritter in der Bezirksliga und stiegen ein Jahr später in die Landesliga auf. Im Mai 1998 habe ich dann meinen Abschied beim VfL bekanntgegeben und bin zum SV Fortuna Magdeburg gewechselt, der damals in der NOFV-Oberliga unterwegs war.

Sie haben im Januar Ihren 62. Geburtstag gefeiert. Denkt man da auch mal ans Rentnerdasein?

An die Rente denke ich schon, aber nicht an das Dasein. Ich werde meine Firma sicher weiterführen. Allerdings überlegen meine Frau und ich, uns eventuell eine kleine Wohnung in Dresden zuzulegen. Da wäre ich näher an der Familie und könnte sicher auch beruflich einiges von dort aus koordinieren oder Kunden in Sachsen besuchen.

Haben Sie Enkelkinder?

Zählt man alle zusammen, bin ich jetzt bei sechs. Die sind zwischen sechs und 14 Jahren alt, zwei Mädels und vier Jungs. Der Große hätte jetzt Jugendweihe gehabt, aber auch die fiel leider ins Wasser.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.

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