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An Hartmanns Berg entsteht Whisky made in Freital

Sandos Schubert hat den ersten Single-Malt-Whisky der Saison gebrannt. Dieser muss nun noch im Eichenfass lagern.

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Von Dorit Oehme

Sandos Schubert hat die Winterjacke an. Doch in seiner modernen Brenneranlage aus blinkendem Kupfer und Edelstahl am Windberg knistert schon das Feuer unterm Wasserbad. Im Plastikfass steht reine Gerstenmaische für Single-Malt-Whisky bereit.

Das geschrotete Gerstenmalz, das der Freitaler dafür verzuckert hat, stammt aus einer Bamberger Mälzerei. „Es wurde über Torf getrocknet. Ich bin gespannt, wie sich das Aroma im Destillat zeigt“, sagt er. Tagsüber hat der Kfz-Meister schon in seiner Freitaler Autowerkstatt gearbeitet. In der freien Zeit brennt der 45-Jährige seit Oktober unter der Marke „Hartmannsberger“ wieder edle, sortenreine Obstbrände. Vom Vortag strömt noch feiner Apfelduft der Sorte „Ingrid Marie“ aus dem Kupferkessel.

Zum Auffangen des Whisky-Destillats steht ein Edelstahlgefäß bereit. „Ich weiß noch nicht, wie hoch die Ausbeute sein wird“, sagt Schubert. Er legt Buchenholzscheite nach und verrät: Schon fürs Heizen brauche es Fingerspitzengefühl, um die passenden Temperaturen zu bekommen. Diese müssten beim Whisky-Brennen deutlich höher sein als bei Obst.

An der Tür geben Lohnbrenner Pflaumen-, Sauerkirsch- und Birnenmaische ab. Die vorbereiteten Früchte wird Schubert an den nächsten Abenden brennen. Er widmet sich kurz seiner Buchführung. Dann ist es soweit: Der Kupferkessel ist heiß genug. Schubert schüttet einige große Messbecher der Gerstenmaische hinein. Das Rührwerk summt. Als die erhitzte Masse zu schäumen beginnt, erfüllt Malzduft die Luft.

Hinterm Schauglas steigen die ersten ätherischen Öle wie Nebel auf. Längst kurzärmlig, schaut Schubert immer wieder aufs Thermometer und den Druckmesser. „Noch mal nachlegen? Ja, da kommen wir nicht drum herum.“ Der Alkohol kocht, wird immer reiner. Schubert immer konzentrierter. Am Zapfhahn passt er das Herzstück des Brandes ab: den Mittellauf – das Destillat. Glas um Glas füllt er mit Proben. Er riecht. Schmeckt. Seine Augen halten prüfend inne.

Zum Neutralisieren trinkt Schubert Wasser oder hält sich ein Döschen Kaffeepulver unter die Nase. Schließlich tritt er mit einer Probe ins Freie. Dann sagt er befreit: „Er ist herrlich: Ganz zart und weich – mit rauchigem Torfgeschmack.“ Im Limousine-Eichenfass, das mit Portwein belegt war, wird das Destillat mindestens drei Jahre lagern, seine goldene Farbe und sein Aroma intensiv entwickeln. Danach erst darf es sich Whisky nennen.

Gebrannt hat ihn Schubert für einen Freitaler Gastronomen – als Geburtstagsgeschenk seiner Freunde. Sandos Schubert will in der nächsten Zeit auch Whisky herstellen, der ab Weihnachten 2015 in Freitaler Gaststätten genossen werden kann – wie jetzt schon seine edlen Obstbrände.

Im nächsten Jahr können Interessierte zum Tag der offenen Brennerei im Familienbetrieb zuschauen. Sonst kann man die Schaubrennerei auf Anmeldung erleben. Es ist die einzige Anlage im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

www.hartmannsberger.de

Kontakt:  0172 8516612