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„An Sachsens Schulen wird weiter gelost“

Béla Bélafi ist Direktor der Sächsischen Bildungsagentur. Ein Gespräch über neue Lehrer, Sitzenbleiber und Integration.

© PR

Vor gut zwei Wochen sah es so aus, als ob sachsenweit mangels Lehrern trotz eines Zuwachses um rund 4 000 Schüler im neuen Schuljahr 114 Klassen eingespart werden müssten. Ist das jetzt vom Tisch?

Definitiv ja. Wir werden zum 1. August 775 neue Lehrer haben, 360 Stellen davon sind auf ein Jahr befristet. Für die 415 unbefristeten Stellen haben wir Bewerbern bereits Angebote unterbreitet, von denen bislang reichlich drei Viertel unterschrieben sind. Am Freitag beginnen die Gespräche für die 360 befristeten Stellen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre bin ich mir sicher, dass wir das neue Schuljahr geordnet und bedarfsgerecht beginnen können.

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Volle Klassen, Schüler, die an andere Schulen gelenkt werden, Losverfahren, auch für den Fremdsprachenunterricht – das wird es nicht mehr geben?

Die sehr straffe Klassenbildung, die Klassenzusammenlegungen größeren Ausmaßes zur Folge gehabt hätte, kann nunmehr ausgeschlossen werden. Das heißt nicht, dass es – vor allem in Dresden und Leipzig – keine sehr vollen Klassen geben wird. Das betrifft die von Eltern besonders nachgefragten Schulen. Dort wird man an die Obergrenze von 28 Schülern gehen. Und es wird vorkommen, dass Schüler aus Kapazitätsgründen nicht aufgenommen werden können, dass gelost und umgelenkt wird. Vor dieser Problematik stehen die Schulträger. Das hat aber nichts damit zu tun, dass nicht genügend Lehrer vorhanden sind. Gesichert ist nun auf jeden Fall, dass Zuzügler, Klassenwiederholer oder auch Kinder, die erst zum Schuljahresende eine Bildungsempfehlung bekommen, nun berücksichtigt werden können. Wenngleich nicht immer an der Wunschschule.

Viele Schulen, die Kinder mit Handycap integrativ unterrichten, sehen all ihre Bemühungen zunichte gemacht, wenn 28 Schüler in der Klasse sitzen. Ist die Integrationsverordnung des Kultusministeriums nicht eigentlich Makulatur?

Nach dieser Verordnung sollten nicht mehr als 25 Schüler pro Klasse unterrichtet werden. Aber auch hier gilt: Wenn eine Schule eine sehr hohe Nachfrage hat und Kinder aufgrund dessen abgewiesen werden müssten, stellt sich die Frage: Was ist jetzt wichtiger? Integration setzt Verständnis in der Gesellschaft voraus.

Herr Bélafi, die Situationen, die Sie aufzeichnen, besagen doch: Sachsen braucht deutlich mehr Lehrerstellen.

Als Direktor der Sächsischen Bildungsagentur bin ich froh über das, was erreicht wurde. Die Mitarbeiter meiner Behörde schauen nach vorn und tun alles, die Einstellungsverfahren zügig abzuschließen.

Stichwort Einstellungsverfahren. Zahlreiche junge Absolventen für das gymnasiale Lehramt fürchten, wieder nicht berücksichtigt zu werden. Ist das so?

983 der rund 1.780 Bewerber sind Gymnasiallehrer. Wie in den vergangenen Jahren ist es unmöglich, sie alle einzustellen. So viele werden auch gar nicht benötigt. Natürlich unterbreiten wir ihnen – etwa im naturwissenschaftlichen oder sprachlichen Bereich -– Angebote, an anderen Schularten zu unterrichten. Das gelingt im städtischen Bereich eher als im ländlichen. Wir brauchen aber sachsenweit gleiche Verhältnisse.

Konnten Sie allen Bewerbern für die anderen Schularten Einstellungszusagen machen?

Nein, das konnten wir im vergangenen Jahr tun, in diesem ist das nicht möglich. Es stellt sich heraus, dass zunehmend auch im Lehramt Mittelschulen zahlreiche Bewerber Fächerkombinationen haben, die so nicht benötigt werden. Das zeigt, dass es immer wichtiger wird, dass sich die Interessenten am Bedarf orientieren.

Das Gespräch führte Carola Lauterbach.