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Analysen zu Hitlers „Mein Kampf“

Bildung. Die Zeit der NS-Diktatur ist Thema des Geschichtsunterrichts der 12. Klassen. Einen Überblick hat diesmal ein Außenstehender gegeben.

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Von Peter Chemnitz

Klaus Wilmes hat ein seltenes Hobby: Er analysiert Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Das Hauptwerk des Nationalsozialisten galt schon im Dritten Reich als schwer lesbar. Zwar hatte es damals fast jeder Deutsche im Schrank stehen, aber kaum einer hat es gelesen. Der 67-jährige Wilmes stellte am Mittwoch knapp 70 Abiturienten des Augustum-Annen-Gymnasiums sein persönliches Manuskript zu Hitlers „Mein Kampf“ vor und versuchte, den Jugendlichen die Hintergründe für den Aufstieg Hitlers zum deutschen Reichskanzler näher zu bringen. Keine leichte Aufgabe für 90 Minuten. Zumal Wilmes gleichzeitig noch erläuterte, wie der deutsche Staat und die Länder entsprechend der nationalsozialistischen Doktrin gleichgeschaltet wurden und der Weg für das größte Verbrechen, die Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma sowie Kriegsgefangenen, auch gesetzlich geebnet wurde.

Zitiert wurden aber nicht nur Schriften Hitlers, sondern auch Protokolle des Reichsführers SS Heinrich Himmler sowie aus den nach dem Krieg in polnischer Haft geschriebenen Erinnerungen „Kommandant in Auschwitz“ des SS-Offiziers Rudolf Höß.

Geschickt verstand es Wilmes, einst Lehrer für politische Weltkunde, regionale Aspekte in den Vortrag einfließen zu lassen. So erzählte er vom 29. März 1933, als bewaffnete SA-Leute aus Görlitz und Umgebung jüdische Richter und Rechtsanwälte aus dem Gerichtsgebäude am Postplatz schleppten und durch die Stadt trieben. Nicht angenehm waren dagegen einige Sprüche Wilmes, mit denen er versuchte, nach dem Vorlesen der mitunter schwer verdaulichen Originaltexte, die Stimmung aufzulockern. So wenn er über die Brandstiftung der Synagoge erzählte und sich dabei den Satz erlaubte: „Die Görlitzer haben das nicht richtig hingekriegt.“ Da hilft auch ein nachgeschobenes „zum Glück“ nicht mehr. Und auch die Formulierung „ein bisschen herumgekokelt“ ist diesem schrecklichen Ereignis nicht angemessen.

Das Gymnasium fühle sich besonders der Aufklärung über die NS-Zeit verpflichtet, so Uwe Pullwitt, Fachschaftsleiter für Geschichte. Wie groß das Interesse der Abiturienten sei, habe gezeigt, dass nicht nur die Teilnehmer am Leistungskurs Geschichte zum Vortrag erschienen.

Um so bedauerlicher war es, dass letztlich keine Zeit für Fragen der Schüler blieb.