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Andrang am Rentnerdreieck

Bei einem Spaziergang stellt die Stadt ihre Pläne für Gröba und Merzdorf vor – und bittet die Anwohner um Ideen.

Dicht an dicht drängen sich die Zuhörer, während Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Ideen für das „Rentnerdreieck“ an der Ecke Alleestraße/Heinz-Steyer-Straße vorstellen. Dass die Anwohner ihren Senf dazugeben, ist ausdrücklich erwünscht.
Dicht an dicht drängen sich die Zuhörer, während Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Ideen für das „Rentnerdreieck“ an der Ecke Alleestraße/Heinz-Steyer-Straße vorstellen. Dass die Anwohner ihren Senf dazugeben, ist ausdrücklich erwünscht. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Bänke werden nicht reichen, so viel ist schon zehn Minuten vor Beginn des Stadtteil-Spaziergangs klar. Aus der benachbarten Kita tragen Rathausmitarbeiter und OB Müller noch eilig einige Bierzeltgarnituren heran. Ein guter Teil der Gäste wird trotzdem stehen müssen. Es ist eigentlich schon da dritte Mal, dass die Stadtverwaltung zum Dialog mit den Anwohnern aus Gröba und Merzdorf einlädt. Der OB hatte schon zum Grillen an die Merzdorfer Straße eingeladen und dabei den geplanten Generationenpark vorgestellt, und es gab eine Versammlung in der Schule an der Alleestraße.

Hintergrund aller Treffen sind die Fördermillionen, die für das Efre-Fördergebiet Merzdorf zur Verfügung stehen – und die Frage, was genau damit passieren soll. Verglichen mit der Veranstaltung an der Merzdorfer Straße ist diesmal aber deutlich mehr los. Statt 40 Leuten sind es diesmal wohl etwa doppelt so viele, die meisten davon ältere Damen und Herren. Kein Wunder: Das Gebiet gilt als das älteste in Riesa. 

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Die Stadtplaner stellt das vor eine Herausforderung: Auf der einen Seite soll der Stadtteil für die jetzigen Anwohner attraktiver werden. Auf der anderen müssen Wege her, um auch junge Familien herzuziehen. Dazu könnten die schon laufenden Investitionen in die Schulen beitragen, sagt Stadtentwickler Jörg Morszoeck. 23 Millionen Euro würden insgesamt in die Oberschule und die Grundschule gesteckt, die dann hier die Modernsten wären. „Wir haben die Hoffnung, dass damit auch wieder Familien herziehen.“

Suche nach alten Obstsorten

Beim Spaziergang durch den Stadtteil am Dienstagnachmittag ist das allerdings ein Randaspekt. In erster Linie geht es um zwei andere Vorhaben, über die diskutiert werden soll. Das erste ist gleichzeitig der Startpunkt des Spaziergangs. Direkt neben der Kita Kunterbunter Schmetterling an der Werner-Seelenbinder-Straße, sozusagen hinter der Oberschule Am Merzdorfer Park, soll ein Bürgergarten entstehen. 

Drei Varianten skizziert das beauftragte Planungsbüro: Eine einfache, naturbelassene Wiese, eine Streuobstwiese sowie eine Wiese, die mit Zierobstbäumen bepflanzt ist. Nach kurzer Erklärung ist die Diskussion eröffnet. Die Anwohner lassen sich nicht zweimal bitten. Ob man denn zusätzlich zu den begrenzenden Hecken nicht auch einen Streifen mit Wildblumen anlegen könne, fragt beispielsweise einer. Außerdem erforderten die angedachten hochstämmigen Obstbäume viel Pflege. Vielleicht könnte der Verband der Gartenfreunde das unterstützen“, sagt er. „Ich würde mich da jedenfalls dran beteiligen.“ 

Unterstützung verspricht auch ein anderer Herr, als es um Vogeltränken im Bürgergarten geht. Die müssten ja schließlich befüllt werden. Der Oberbürgermeister ist mit solchen Reaktionen sehr zufrieden. „Das ist genau der Ansatz, den wir verfolgen: das bürgerschaftliche Engagement stärken, jeder hilft jedem.“ In dem Zusammenhang sollen auch die Kita und die Oberschule mit eingebunden werden. Für die Schulen kann der Bürgergarten später auch im Unterricht genutzt werden, sind die Planer überzeugt. Am Ende spricht sich die Mehrheit der Anwohner für das echte Obst aus. Seitens der Stadt kommt auch gleich der Aufruf, gerne Obstsorten zu benennen, die nicht fehlen dürfen. Man wolle auch versuchen, alte Sorten wiederzubekommen.

Nach einer guten halben Stunde ziehen die Spaziergänger weiter Richtung „Rentnerdreieck“. Der Name ist auch vielen Teilnehmern vorher noch kein Begriff gewesen, wie sich herausstellt. Es handelt sich um eine kleine städtische Grünfläche an der Alleestraße, gegenüber der Wohnallee „Mittendrin“. „Wir haben hier einen schönen Baumbestand“, sagt Jörg Morszoeck und schaut auf die große Trauerweide in der Mitte der Fläche. Geplant sei hier eine Rundbank, davon abgesehen gibt es noch keine allzu konkreten Ideen – die Anwohner können sich „austoben“. Bänke seien immer gut, sagt eine Dame. 

Eigentlich fehle auch eine Fußgängerampel, um auch mit dem Rollator gefahrlos die Alleestraße überqueren zu können, sagt eine andere. Entlang der Straße sei bereits ein Schutzstreifen für Radfahrer geplant, erklärt Joachim Nagel vom Stadtbauamt. „Wenn die Fahrbahn enger wird, wird man hier langsamer fahren müssen. Aber sie haben recht: Der Verkehrsknoten muss weiter betrachtet werden.“ 

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Es ist der Punkt, an dem viele Merzdorfer erzählen, wo sie der Schuh drückt. Nicht jedes Problem wird die Stadt lösen können – etwa das Fehlen einer Gastwirtschaft, das ein 89-Jähriger bemängelt. Der Stadtentwickler jedenfalls verbreitet Optimismus. Man sei in der einzigartigen Situation, für Merzdorf gleich zwei Fördertöpfe anzapfen zu können. Wenn die Pläne fertig umgesetzt seien, „dann wird das einer der besten Stadtteile Riesas sein“, sagt Jörg Morszoeck.

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