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Angeklagter gesteht brutalen Überfall

Vor dem Landgericht in Görlitz verändert das Geständnis den Prozess gegen drei Männer völlig. Oder soll dadurch nur das Urteil mild ausfallen?

© Peter Steffen/dpa (Symbolfoto)

Im Prozess um einen brutalen Überfall auf eine 53-jährige Frau  auf der Christoph-Lüders-Straße in Görlitz, ganz in unmittelbarer Nähe der Polizeidirektion, am Abend des 17. Oktober 2019 hat es am zweiten Prozesstag ein Geständnis gegeben. Angeklagt sind drei polnische Staatsbürger: eine 36-jährige polnische Sekretärin und zwei 24 und 25 Jahre alte polnische Männer. Glaubt man der Aussage des älteren der beiden Männer, war die Frau ein Zufallsopfer und die Tat keinesfalls eine gemeinsam geplante. Zugleich übernahm er die alleinige Schuld.

Drogenkonsum spielte eine große Rolle

Der Mann gab an, die fünf Tage vor der Tat in Dresden verbracht zu haben, im Drogenrausch und unter völligem Schlafentzug. Die letzten zwei Tage vor der Tat seien die Drogen allerdings zu Ende gewesen. Er sei irgendwann von der Polizei aufgegriffen worden, habe dann telefonieren dürfen und die beiden anderen angerufen.

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Er habe sie gebeten, ihn aus Dresden abzuholen und zurück in seine Heimat Breslau zu fahren. Die Schilderung des von Nachfragen genervten Angeklagten war wesentlich wirrer als hier geschildert und enthielt nur schwer nachzuvollziehende Details. Zum Beispiel, dass er zwar keine Fahrerlaubnis besaß, sich ein Auto geliehen hatte, dann aber anders nach Dresden gefahren war und das Auto weiterverborgt hatte.

Frau erlitt einen Schädelbruch

Jedenfalls holten die beiden Mitangeklagten den Mann in Dresden ab, auf der Rückfahrt wurden Bier und wohl auch Drogen konsumiert. Der geständige Haupttäter sei vor Görlitz auf die Idee gekommen, noch einmal für alkoholischen Nachschub zu sorgen, deshalb von der Autobahn gefahren und dann Richtung Innenstadt. Bei Lidl  an der Christoph-Lüders-Straße habe man das Auto abgestellt. Der Angeklagte gab dann an, zufällig auf jene Frau getroffen zu sein. Was dann geschehen ist, kann er sich nicht erklären und schiebt es auf den Drogenkonsum. 

Er habe unmittelbar vor der Frau spontan entschieden, ihr die Handtasche zu entreißen. Dazu habe er ihr Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Das hatte er aus dem Auto mitgenommen, weil er sich "die ganze Zeit über verfolgt gefühlt" habe, wie er behauptet. Dann habe er ihr die Handtasche entrissen.

Die Frau sei gestürzt. Einen Schlag mit einem Gegenstand, wie in der Anklage formuliert, habe er ihr nicht versetzt. Wie sie sich den Schädelbruch zugezogen habe, könne er sich nicht erklären: "Vielleicht habe ich zu sehr an der Handtasche gerissen, und sie hat sich bei dem Sturz verletzt", sagte er. Dann sei er zurück zum Auto gerannt, wo der Mitangeklagte bereits eingestiegen sei, und er dazu. Danach seien sie davongefahren.

Weit waren die drei Angeklagten allerdings nicht gekommen. Dank der schnellen Reaktion eines Zeugen konnte eine Görlitzer Streife wenige Minuten später das Trio am Kreisverkehr zur Autobahn auf der B 6 stellen. Nach den kriminaltechnischen Untersuchungen bestanden wenig Zweifel daran, dass sie für den Überfall auf die Frau verantwortlich waren.

Verfahren könnte glimpflich für Angeklagte ausgehen

Glaubt das Gericht dem Angeklagten, könnte das Verfahren für die beiden ebenfalls seit mehr als einem halben Jahr in Untersuchungshaft befindlichen Mitangeklagten glimpflich enden.

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In der Anklage sind sie noch als Mittäter für die Absicherung und die Flucht aufgeführt. Der dritte Täter, der die Ausführung der Tat gestanden hatte, hofft offensichtlich wegen des Drogenkonsums auf die Anerkennung einer verminderten Schuldfähigkeit. Sonst droht ihm eine Verurteilung zu  mindestens fünf Jahren Freiheitsentzug. Das Verfahren wird am 24. April fortgesetzt.

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