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Angeklagter mit Erinnerungslücken

Ein Asylbewerber aus Indien soll gestohlen und sich gegen seine Festnahme gewehrt haben. Das brachte ihn vor Gericht.

In Handfesseln wurde der Angeklagte von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt.
In Handfesseln wurde der Angeklagte von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. ©  dpa/Symbolbild

Von Helene Krause

Döbeln. Gleich mehrere Straftaten soll ein 33-jähriger Asylbewerber aus Indien im August 2018 in Döbeln begangen haben. Am Vormittag des 28. August stahl er bei Kaufland Schuhe der Marke Adidas für 34,99 Euro, so die Staatsanwaltschaft in der Anklage. Eine Verkäuferin, die ihn zum Bezahlen aufforderte, stieß er beiseite und flüchtete. 

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Zwei Stunden später habe er bei Henwi ein T-Shirt entwendet. Als ein Polizeibeamter ihm das Shirt aus dem Hosenbund zog und seine Identität feststellen wollten, stieß er ihm gegen die Brust und wehrte sich gegen die Festnahme. 

Außerdem wird dem Inder vorgeworfen, in der Nacht des 21. August in einem Haus in der Döbelner Friedrichstraße die Glasscheibe einer Tür zerstört zu haben. Es entstand ein Sachschaden von 200 Euro. Die Straftaten brachten den Asylbewerber vors Schöffengericht. Vorgeworfen wurde ihm Sachbeschädigung, räuberischer Diebstahl, Diebstahl und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Weil er einer ersten Verhandlung fernblieb, beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Zu der neuerlichen Verhandlung wurde der Angeklagte in Handfesseln von zwei Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt.

Dass er die Schuhe gestohlen hat, gestand der Angeklagte. An alle weiteren Taten erinnerte er sich nicht. „Ich hatte sehr viel Alkohol getrunken“, so seine Begründung für die Erinnerungslücken.

Eine Verkäuferin von Kaufland schilderte als Zeugin, dass der Angeklagte die Schuhe aus dem Karton genommen und angezogen hätte. Dann packte er ein paar alte Hausschuhe in den Karton und stellte ihn ins Regal zurück. An der Kasse wollte er nur ein Getränk bezahlen. Dass der Angeklagte sturzbetrunken gewesen sei, hatte keine der Zeugen festgestellt. „Er roch weder nach Alkohol, noch torkelte er“, sagte eine Zeugin. 

Anders sah es bei den Taten im Henwi-Kaufhaus aus. Dort soll der Beschuldigte nach Zeugenaussagen nach Alkohol gerochen haben. Ein Alkoholtest ergab 2,6 Promille. „Trotzdem konnte er noch gezielt handeln“, so der Polizeibeamte. Deshalb gingen Gericht und Staatsanwaltschaft von einer alkoholischen Gewöhnung und nicht von verminderter Schulfähigkeit aus.

Der Angeklagte kam 2014 nach Deutschland. Er hat keine Berufsausbildung und spricht nicht Deutsch. Gegenwärtig wird er wegen einer Lungentuberkulose medizinisch behandelt. Obwohl er im Asylbewerberheim in Mobendorf lebt, hält er sich oft in Döbeln auf. Im Bundeszentralregister hat er drei Einträge, einen wegen des Verstoßes gegen die Aufenthaltsbeschränkung und zwei wegen Diebstahls. Eine Geldstrafe aus einem Strafbefehl vom 14. Januar 2019 hat er nicht bezahlt.

Im Hinblick auf die zu erwartende Strafe aus den Diebstahlshandlungen und dem Widerstand gegen die Polizisten stellte das Gericht die Anklage wegen der zerstörten Tür in der Friedrichstraße ein. Eine Verurteilung würde nicht weiter strafverschärfend ins Gewicht fallen, so die Begründung. 

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg verurteilte den Inder wegen der Diebstähle bei Kaufland und bei Henwi sowie wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Diese wird zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss er binnen acht Monaten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. 

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