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Angela Merkel erkundigte sich als Erstes nach Mario Gomez

Was den linken Bürgermeister von Florenz an der Kanzlerin erstaunte, was Sigmar Gabriel als Familienmenschen auszeichnet und wie das neue Lieblingswort von Andrea Nahles lautet.

Von Peter Heimann

Eine schöne Beschreibung, warum Angela Merkel oft so tolle B-Noten für ihre Art der Kanzlerschaft bekommt, lieferte gerade einer, von dem man es nicht unbedingt erwarten musste. Matteo Renzi, Bürgermeister von Florenz und so etwas wie der Star der italienischen Linken, erzählte in einem Interview von seiner Begegnung mit der deutschen Regierungschefin im Sommer. „Sie hatte mir einen Termin um 6.30 Uhr in Berlin gegeben“, berichtete Renzi über die Verabredung zu ungewöhnlich früher Uhrzeit. „Um nicht wie der übliche Italiener dazustehen, war ich um Punkt 6.20 Uhr da.“ Als er im Kanzleramt ankam, habe da nur eine Sekretärin gesessen. Renzi: „Um 6.29 Uhr ist die Kanzlerin selbst zur Tür gekommen, um mich zu empfangen.“ Im Palazzo Chigi, dem Amtssitz des italienischen Ministerpräsidenten, ginge so etwas nur mit zeremoniellem Brimborium und befrackten Dienern. „Unsere Begegnung war völlig unprätentiös und zugleich sehr substanziell.“

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Aufschlussreiches berichtete Renzi auch über den Beginn ihres Gespräches. Angela Merkel habe „sich erkundigt, wie es Mario Gomez in Florenz geht“. Der deutsche Fußball-Nationalspieler war kurz zuvor von Bayern München nach Italien gewechselt. Sein neuer Bürgermeister war offenbar verblüfft: „Stellen Sie sich vor, selbst das hat sie gewusst.“

Merkels womöglich neuer Vizekanzler Sigmar Gabriel will sich trotz Regierungsverantwortung weiter so gut es geht um seine voriges Jahr geborene kleine Tochter kümmern: „Ich finde, dass es möglich sein muss, auch als Politiker eine Familie zu haben“, sagte er einer Zeitung. Da er häufig am Wochenende unterwegs sein werde, „werde ich auch weiterhin meine Tochter regelmäßig aus der Kita abholen, wenn meine Frau arbeitet“.

Auch in den letzten Jahren hatte der SPD-Chef ab und an nicht ganz so bedeutende Sitzungen vorzeitig verlassen, um nach Hause zu fahren – erst nach Magdeburg, wo seine Frau als Zahnärztin arbeitete, jetzt wieder in seine eigentliche Heimat im Harz. Selbst vorige Woche, nachdem der schwarz-rote Koalitionsvertrag die ganze Nacht hindurch verhandelt worden war, ließ sich Gabriel in seinen Wahlkreis nach Goslar fahren. Ehefrau Anke hatte nämlich Geburtstag. Und Gabriel ließ es sich nach 17 Stunden Verhandlungen nicht nehmen, zweieinhalb Stunden nach Goslar zu fahren, kurz mit seiner Frau zu frühstücken und sich danach wieder auf den Rückweg nach Berlin zu machen, um am späten Vormittag mit CDU-Chefin Merkel und CSU-Chef Seehofer den Koalitionsvertrag zu unterzeichnen.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die für ihre Partei den Bereich Arbeit und Soziales verhandelte, hat bei Gesprächen mit ihren Kollegen von der Union ihren Sprachschatz erweitert. Ihr neues Lieblingswort sei jetzt „konsentieren“ – was so viel heißt wie in seiner Auffassung mit jemandem übereinstimmen. Das schöne neue Wort fand sich vor allem in den Zwischenentwürfen des Vertrages ziemlich häufig. Bei Duden-online wird es als schwaches Verb und bildungssprachlich veraltet bezeichnet. Früher wurde der Vorgang, den das merkwürdige Wort beschreibt, laut Nahles etwas verständlicher ausgedrückt: „Abhaken“.