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Angler zieht Riesen-Wels an Land

Anderthalb Stunden lang liefert sich ein Senior bei Riesa einen Kampf mit dem Zwei-Meter-Fisch. Ein Moment, auf den er Jahrzehnte gehofft hatte.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit hatte ein Angler aus Strehla zu tun, bis er diesen Wels bei Riesa aus der Elbe ziehen konnte. Exakt zwei Meter sei der Fisch lang gewesen.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit hatte ein Angler aus Strehla zu tun, bis er diesen Wels bei Riesa aus der Elbe ziehen konnte. Exakt zwei Meter sei der Fisch lang gewesen. © privat

Riesa. Wenn er vom denkwürdigsten Abend seiner Anglerkarriere berichtet, dann greift der Strehlaer zu drastischer Sprache. Er habe sich einen regelrechten "Kampf auf Leben und Tod" mit dem Fisch geliefert, erzählt der Senior von seinem Erlebnis am Elbufer in Riesa-Gröba. Vor einigen Tagen knackte er dort den Rekord seines Angelvereins - und zog eigenhändig einen Zwei-Meter-Wels an Land. "Ich angle ja schon, seit ich 16 bin", erzählt der Mann aus Strehla. "In der Zeit habe ich schon einige große Fische geangelt. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mit 82 noch so einen Extrem-Kampf führen würde." 

Seinen Namen will der Mann nicht in der Zeitung lesen. Er verweist auf Neider und Leute, die aus falscher Tierliebe Angler bedrohen. Im Internet kursiere ein Video, bei dem ein Angler von Passanten beschimpft wird, weil er mehrfach auf den Wels einschlägt. "Dabei ist das im Grunde richtig so, das Tier zu betäuben, damit es nicht leidet." In seinem Fall sei der Wels einen schnellen Tod gestorben, versichert der Rentner. 

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Mehr als 35 Jahre alter Fisch

Ehe er den mehr als 50 Kilogramm schweren Wels aber an Land bekommen habe, seien etwa anderthalb Stunden vergangen. Nachdem der Fisch gebissen hatte, zog er den Angler erst einmal meterlang vor sich her. "Es ist Wahnsinn, was der für eine Kraft hatte. Ich hatte keine Chance, ihn zu halten. Mich hat's ein paar Mal umgewedelt." 

Erst nach anderthalb Stunden habe er das Tier nahe des Kanu-Anliegers in Gröba schließlich ans Ufer ziehen können, berichtet der Angler. "Meine Stirnlampe ließ da schon langsam nach. Und ich musste erst einmal fünf Minuten nach Luft schnappen." 

Völlig durchnässt war er zu dem Zeitpunkt ebenfalls, weil er vom Fisch ein gutes Stück ins Wasser gezogen worden war. Wäre der Elbepegel damals schon so hoch gewesen wie heute, hätte er wohl aufgeben müssen, vermutet der Rentner. 

Exakt zwei Meter lang sei der Wels am Ende gewesen. Das Alter und Gewicht konnte er dagegen nur schätzen, sagt der Strehlaer. Angesichts der Länge könne man wohl von 37 Jahren und 57 bis 58 Kilogramm ausgehen. Bis zwei Uhr nachts seien er und seine Frau mit dem Filetieren beschäftigt gewesen. 

Welse mögen warmes Wasser

Fische dieser Größe sind auch in Sachsen keine absolute Seltenheit mehr. In Fachzeitschriften, Lokalzeitungen und im Internet finden sich regelmäßig Berichte über Welse, die teils sogar noch deutlich über zwei Meter lang sind. Es wird vermutet, dass der Fisch wegen steigender Temperaturen weiter nach Norden wandert und wohl auch größere Exemplare öfter vorkommen.

Den absoluten Rekord hält übrigens ein Franzose: 2,74 Meter maß der Wels, den er vor knapp drei Jahren aus dem Fluss Tarn im Süden des Landes zog. Und 2015 angelte ein Mann bei Strehla einen 2,14-Meter-Wels. Dem Geringswalder brachte das im Nachgang noch Ärger mit der Justiz ein, weil er den Fisch bis Sonnenaufgang am Haken gelassen hatte, um ihn dann zu fotografieren. Danach ließ er ihn frei. 

"Dem hätte ich den Angelschein weggenommen", ärgert sich der Angler aus Strehla über den Fall. Die Fische sollen nicht leiden, müssen deshalb betäubt und schnell getötet werden. Zurücksetzen, das sieht der Senior kritisch: Die großen Raubfische fressen auch gerne andere Arten. "Dann gibt's in der Elbe irgendwann gar keine Aale mehr. Der Wels sollte schon entnommen werden." 

Von den Angelfreunden wird der Senior jetzt öfter auf seinen besonderen Fang angesprochen. Der Vorsitzende seines Vereins habe ihn im Scherz gefragt, ob er sich jetzt eine zweite Kühltruhe gekauft habe, erzählt der Angler und schmunzelt. 

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So schwierig war die Verwertung des Riesen aber nicht: Ein befreundeter Angler habe ihm noch etwas vom Fleisch abgenommen. Der Zwei-Meter-Riese landet jetzt nach und nach auf dem Teller, nachdem er in Mehl gewälzt, gewürzt und gebraten wurde. Geschmacklich sei das Tier trotz seines Alters in Ordnung gewesen, sagt der Strehlaer. "Wels ist natürlich kein Zander. Aber tranig war er nicht." 

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