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Angst als Schatz

Die heilpädagogische Kita fördert bei Kindern auch die soziale Kompetenz. Jetzt geht sie mit den Eltern auf Schatzsuche.

© Andreas Weihs

Von Dorit Oehme

Freital. Es ist mehr als ein Spiel. Heilpädagogin Claudia Bobe hebt mit sechs Mädchen und Jungen ein Schwungtuch. „Wir bilden jetzt alle kleine Wellen“, sagt sie. Die sechsjährige Melissa steht ihr gegenüber. Sie schwingt das Tuch leicht. Andere Kinder reißen es lebhaft in die Höhe. Es dauert, bis sich die hohen Wellen legen. „Diese Übung fördert nicht nur die Wahrnehmung und Bewegung, sondern auch die soziale Kompetenz“, sagt Anja Mitzenheim, die Leiterin der heilpädagogischen Kindertagesstätte in Freital-Zauckerode. Claudia Bobe verteilt inzwischen Rollbretter. Melissa schiebt die fünfjährige Annica durch den Turnraum.

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„Die Kinder haben ganz unterschiedlichen Förderbedarf und verschiedene soziale Hintergründe“, sagt Leiterin Anja Mitzenheim. In der Kita würden sie rund neun Stunden täglich gefördert. „Einen Großteil des Tages sind die Mädchen und Jungen aber bei ihren Eltern. Sie wollen wir jetzt stärker ins Boot holen“, sagt Mitzenheim. Die Einrichtung, die zur Diakonie Dippoldiswalde gehört, beteiligt sich dafür seit Ende 2015 am Eltern-Programm „Schatzsuche“. Es dient der Stärkung des seelischen Wohlbefindens von Kindern in Kitas und wird von der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung (SLFG) koordiniert. Die Techniker Krankenkasse unterstützt es.

Damit Kinder ihre Identität aufbauen können, müssen sie ihre Stärken und Schutzmechanismen – wie eine gesunde Angst vor Gefahren – entwickeln. „Der Ansatz des Programms ist, mit den Eltern nach diesen, teils versteckten, Schätzen zu suchen. „Weil Kinder auch vom Alltagsverhalten der Erwachsenen lernen, wird zugleich die Kompetenz der Eltern gestärkt“, sagt Anja Mitzenheim. Ziel sei es, einen Zugang zu den Eltern zu finden. Die vertrauensvolle Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Kita und den Eltern ist ein Thema. Claudia Bobe nimmt dafür mit einer Kollegin von Februar bis April an Fortbildungen teil. Danach schulen die Pädagoginnen die Eltern in der Kita. Zur Veranschaulichung gibt es einen Medienkoffer mit Schatzplan und Reisetagebüchern sowie mit Karten und Bildern. „Spannend wird sein, wie sich die Eltern für die ‚Schatzsuche‘ interessieren. Das Schöne ist: Bei den sechs Treffen halten wir keine Vorträge. Wir wollen mit den Eltern in einen Austausch treten“, sagt die 26-jährige Heilpädagogin.

36 Kinder im Alter von knapp drei bis sieben Jahren besuchen die Kita an der Saalhausener Straße. 15 davon sind Vorschulkinder. Einzugsgebiete sind die Region Freital und Dresden. Die Schatzsuche ist auf zwei Jahre angelegt. „Innerhalb des Programms werden externe Unterstützungsangebote im Umfeld der Familien gesucht. So erhalten sie auch beim Übergang der Kinder in die Schule weitere Hilfen“, erklärt Claudia Bobe. Das Programm wurde von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG) entwickelt. In Sachsen nehmen erstmals zwölf Kindertageseinrichtungen teil.